TSV Havelse – F.C. Hansa Rostock 1:3, 4. März 2026, Niedersachsenstadion, 3. Liga, 27. Spieltag
Das war nun also das Auswärtsspiel, von dem ich seit Bekanntgabe des Saisonspielplanes 2025/26 genau wusste: Da fahre ich auf keinen Fall hin. Nicht schon wieder nach Hannover, ins Niedersachsenstadion, und dann auch noch am Dienstag- oder Mittwochabend. Doch nicht wegen Havelse!
Und nun, am Donnerstag, 24 Stunden nach dem Abpfiff, sitzt mir die Zeit im Nacken, schließlich steht gleich der nächste Ausflug bevor. Ich hatte kurz überlegt, beide Spiele in einem gemeinsamen Beitrag zu „verarbeiten“, aber das fühlt sich blöd an. Also gut, ich versuche es mal, wie so oft, mit unsortierten Gedankenfetzen und füge die dann irgendwie aneinander, dass es halbwegs Sinn bekommt. (NICHT macht oder ergibt, ihr Sprachtäter!)
Vorspiel
Ich, Sonnabend, 16:00 Uhr, nach dem Schlusspfiff gegen RWE im Ostseestadion: Na ja, vielleicht kann ich ja noch ein Ticket für den Heimbereich auftreiben, die kriegen die Riesenschüssel doch nicht mal gefüllt, wenn sie es wollen.
Abends zu Hause: Im Onlineshop die üblichen Angaben zur Person, ich versuch es gleich mit korrekter Adresse für Rechnung und Lieferung, und siehe da: Computer sagt „Ja“. Das Kleingedruckte hatte ich schon vorher studiert: Als „erkennbarer Hansafan“ kommst du nicht rein. Schon klar, da seid ihr nicht die ersten, werden wir ja sehen, ihr Schlawiner.
Zwischenbemerkung: Bei der Bekanntgabe der Zuschauerzahl benutzt der Stadionsprecher genau diesen Ausdruck, der auch auf der Anzeigetafel prangt: „Schlawiner“. Laut Wiki ist diese Selbstbezeichnung von einer Brötchensorte aus der Havelser Dorfbäckerei abgeleitet, Ganz schön frech, bei einem „heimanteil“ von (wohlwollend gerundet) 3,5% der Anwesenden gleich mal alle Gästeblöcke und die Späher auf dem Umlauf zwischen Ober- und Unterrang der 96er Nordkurve „mitzumeinen“.
Unsere Westtribünensitzgruppe (genial für Scrabble!) trifft sich auf einen kleinen Imbiss mit Kaltgetränk im Vereinsheim des MC Elite Linden an der Stadionbrücke. Dort ist zwar eine geschlossene Gesellschaft versammelt, aber die großartige Wirtin erlaubt uns, am Tresen Platz zu nehmen, sogar Currywurst und Pommes bekommen wir noch serviert. Danke vielmals.
„Eigentlich war der Waterloo Biergarten von uns auserwählt, schon wegen der günstigen Lage zwischen S-/U-/Straßenbahn (Was ist das eigentlich? Hängt wohl davon ab, wo man einsteigt?) und Stadion. Aber der und alle vergleichbaren Lokale, bei denen ich vorbeischaue, wurde wohl vom plötzlichen Frühlingsausbruch überrascht. Dasselbe in der „Nordkurve“. Schade, aber die Vorstellung, dass sich Hanseaten ausgerechnet dort auf das Spiel einstimmen könnten, löste wohl doch eingewisses Unbehagen aus. Und die „Schlawiner“? Können wir leider nicht fragen. Sonst werden wir „enttarnt“.
Auf dem Weg von unserem kleinen Sportlerheim zum Nordeingang kommen uns bekannte Hanseaten entgegen: Die lassen keine Rostocker rein. Wir: Ja, wenn ihr eure Schals so offen tragt. – Auch ohne Schals, die gucken sogar nach, was ihr unter den Jacken anhabt. Mann, Mann, Mann, das wird immer besser.
Ich trage unter meiner schwarzen Windjacke eine hellgrüne Trainingsjacke, sollte also safe sein, darunter jedoch noch ein Ostseestadion-Shirt. Also gehe ich besser auf Nummer Sicher und wende ein bewährtes Ritual an:
Ich steuere zielstrebig einen sehr jung wirkenden Ordner an, vielleicht 18 plusminus ein paar Monate, halte ihm unaufgefordert meine geöffnete Tasche unter die Nase, er darf alle Fächer begutachten, schließlich muss ich als Partner auch etwas „anbieten“. Meine grundseriöse Ausstrahlung zerstreut jeden Zweifel. Alle Jacken bleiben geschlossen. Letzte Frage: „Havelse?“ – „Ja.“ – „Viel Spaß beim Spiel!“ Netter junger Mann.
Bonusinfo: Ein einziges Mal in meiner Karriere bin ich trotz gültiger Eintrittskarte nicht eingelassen worden, sicher erinnert sich die/der eine oder andere: „Waldtribüne“ Sandhausen 2010. Personalausweis, aber zumindest konnte ich einen amtlichen Platzverweis verhindern. (Ausstrahlung eben.)
Reise und Aufenthalt
Üblicherweise vermeide ich es am Spieltag mit der Bahn zu reisen, aber zwei Übernachtungen für ein Abendspiel am Mittwoch scheinen mir nicht angemessen. Ich steige also am Mittwoch kurz vor 10 Uhr am Schweriner Hauptbahnhof in den SEV-Bus X1 nach Hamburg, Steinfurther Allee ein, von wo aus mich die U-Bahn zum Hauptbahnhof bringen wird. Das ausführende Unternehmen und sein Auftraggeber haben derzeit schlechte Presse in M.-V., aber ich persönlich kann mich nicht beschweren. Ich erwische sogar einen richtigen Reisebus mit bequemen, gut gepolsterten Sitzen, und alle geplanten Zeiten werden exakt befolgt.
Nur die Bahn hat offenbar Spaß daran, die Reisenden mit verwirrenden, in sich widersprüchlichen Mitteilungen der Navigator-App zum Mitdenken zu bewegen, etwa so: Es kann sein, dass wegen Bauarbeiten zwischen Hauptbahnhof und Harburg Halte wegfallen oder die Züge statt am Hauptbahnhof in Harburg abfahren oder umgekehrt oder gar nicht. Ich soll mir eine alternative Verbindung suchen. Das alles ohne konkrete Angabe, welcher Teil meiner Reise „nicht mehr fahrbar“ ist.
Abgerundet wird das am Hauptbahnhof mit Hinweistafeln, auf denen steht, dass manche Anzeigen an den Bahnsteigen oder Durchsagen falsch sein können, man möge bitte auf die Beschriftung der Züge schauen.
Ich kürze jetzt mal ab: Mein Reiseplan wird exakt eingehalten, bis auf 5 Minuten Verspätung in Hannover. Meine Anwälte wetzen schon die Messer.
Ich bleibe nach dem Spiel noch eine Nacht in einem Hotel ohne Gastronomie, aber immerhin mit funktionierendem TV-Gerät, um 10 Uhr trete ich die Heimfahrt an, Von Hamburg nach Schwerin nehme ich diesmal nicht den Bus, sondern einen IC Richtung Rostock, das weggelassene E am Ende macht sich schmerzlich bemerkbar bei einer Fahrzeit von zwei Stunden für die Strecke Hamburg – Bad Kleinen, wo ich noch eine weitere halbe Stunde auf die Weiterfahrt nach Schwerin warten muss. Fast allein auf dem Bahnsteig, die Atmosphäre ist so gespenstisch, als würde gerade ein BGS-„Zugriff“ vorbereitet. Aber auch das stehe ich durch, planmäßig hat mich um 15 Uhr meine Stadt wieder.
Was war noch?
Ach ja, das Spiel. Spielberichte gibt es von den Vereinen:
Wieder eine 2:0-Führung mit schnell folgendem Anschlusstreffer, wieder mal … ? Nein! Diesmal machen wir es besser, und was für ein schöner Siegtreffer von Maxi Krauß. Havelse kann nun gern in eine angemessenere Liga zurückkehren. Und uns sollte die Marschroute für Cottbus klar sein.
Und dann war da noch eine heimliche Begegnung der dritten Art. Nein heimlich war daran nichts, ich mag nur den Film mit dem fast identischen Titel. Boomer eben.
Das Spieltagsvideo lohnt sich anzuschauen, allein für die Besichtigung des tatsächlichen Havelse-Grounds. Ich finde übrigens, dass die Videos nach dem „Drehverbot“ im Ostseestadion einiges an Qualität dazugewonnen haben und nun auch mich (wieder) zu den regelmäßigen Zuschauern zählen können. Die kleinen Reisegeschichten und Hintergrundinformationen sprechen mich deutlich mehr an als Selbstporträts beim Supporten auf der Tribüne.
Schöne Grüße an Max und Crew.