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Stay on board

Ein Kommentar

Bruce Springsteen & the E Street Band – Land of Hope and Dreams Tour 

Gelsenkirchen*, „Veltins-Arena“, 27. Juni 2025

*“… wo immer das ist.“ (Bruce Springsteen, 22. Mai 2003)

Nach diesem berauschenden Konzertabend bin ich mir sicher, dass der Boss nun genau weiß, wo sich die Stadt mit dem anstrengenden Namen befindet, in der er heute nach 22 Jahren zum zweiten Mal aufgetreten ist. Das war ein unfassbarer Abend, für mich eine Boss-Erfahrung, die immer nachhallen und erst aus meinem Gedächtnis verschwinden wird, wenn ich mal keines mehr habe.

Sightseeing / Mythbusting

Wie in Berlin und Frankfurt möchte ich auch meine letzte Tourstation in diesem Jahr noch ein wenig privat erkunden. Das ist doch etwas schwieriger, ohne dass ich Gelsenkirchen zu nahe treten möchte:   Greif mal einem nackten Bergmann in die Taschen.

Selbst meine Hotelbuchungsplattform, die mich vor jeder Reise mit mehr oder weniger nützlichen Touri-Tipps versorgt, scheint da ratlos, macht Vorschläge für Attraktionen in Oberhausen, Bottrop, Düsseldorf, Köln (ok, alles nett gemeint, ist nur am Konzerttag mit seinem begrenzten Zeitbudget nicht zu schaffen, das können die nicht wissen). aber wie, zur Hölle, soll ich es verstehen, dass booking.com mir das Dortmunder Borusseum empfiehlt? Weiß die Gelsenkirchener Hotelbranche, was ihr Marketing-Partner da treibt?!

Schalker Meile, Kampfbahn Glückauf

Na gut, ich ziehe am Donnerstag also auf eigene Faust los, um Schauplätze der lokalen Fußballhistorie zu besuchen und vielleicht vom Atem der Geschichte einen Hauch abzubekommen. Im Kopf hat sich der berühmte Nordkurven-Gesang über den „Mythos vom Schalker Markt“ als Ohrwurm eingenistet, also fange ich dort an, besser gesagt: da, wo sich dieser Markt befand. Ein paar Stationen sind es mit der Straßenbahn Richtung Buer, die auf der Berliner Brücke den einstigen Markt überquert, bevor ich an der Station „Schalker Meile“ aussteige und zu Fuß weitergehe. Ich entdecke ein paar Kneipen, Büros von Faninitiativen, Beratungsstellen und sogar vom Schalker Fanprojekt, aber leider alles im saisonbedingten Sommerschlaf, wie es aussieht. Immerhin stoße ich unverhofft am Ernst-Kuzorra-Platz (in der Landessprache „Ernst Kuzorra ihm sein Platz“) auf einen traditionsreichen Ground, die „Kampfbahn Glückauf“, wo gerade umfangreiche Bauarbeiten stattfinden. Immerhin lässt ein historisches Eingangsportal eine Ahnung großer sportlicher Vergangenheit aufkommen. Ich lasse den Mythos Mythos sein, mache ein paar Bilder und nehme mir vor, morgen mal zu schauen, was vom nicht weniger berühmten Parkstadion übrig ist.

Der Konzerttag

Warm-up / Fanzone

Zur Einstimmung auf das Konzert öffnet Gelsenkirchen eine Fanzone am zentral gelegenen Heinrich-König-Platz. Dort kann man sich, akustisch untermalt mit Springsteen-Musik, übrigens nicht nur die üblichen Radio-Verdächtigen, mit Versorgung aus Foodtrucks und Getränkeständen, gemeinsam mit anderen Fans in Konzertstimmung bringen. Der DJ schafft es sogar, für eine Frau mit überzähligem Ticket eine Konzertbegleitung zu vermitteln, kostenlos, ihr ist nur wichtig, dass es nicht verfällt.

Du kannst über die Stadt sagen, was du willst, aber dass die so etwas veranstalten (auch schon zwei Tage vorher für Robbie Williams, und ich nehme an, das wird auch mit Iron Maiden am 11. Juli so sein), ist schon groß, spontan fällt mir nichts Vergleichbares von anderen besuchten Konzerten ein. Wie gesagt, das ist in der Innenstadt, nicht neben dem Stadion. Ich bekomme als Erinnerung auch noch einen Fanzonen-Kühlschrankmagneten vom Toilettenmann geschenkt. Klasse!

Ich bleibe ein großzügig bemessenes Stündchen, bevor ich in die Straßenbahn zur Arena steige. Unterwegs entdecke ich im Vorbeifahren sogar noch den ehemaligen Tabakladen von Ernst Kuzorra, so steht es jedenfalls auf einem Schild, und schon packt mich der Mythos noch einmal ganz kurz, aber heftig.

Flashback und Soundcheck / Parkstadion

Bei meiner Ankunft an der Arena ist noch genügend Zeit bis zum Einlassbeginn, also setze ich mein Vorhaben um, noch einmal am Parkstadion vorbeizuschauen. Dort stehen jetzt eine Rehaklinik und ein Hotel. Ich lasse mich auf einer Sitzbank mit Blick auf die Reste der Stadiontraversen und einen stehengelassenen Flutlichtmast nieder. Meine Gedanken wandern zurück zum 20. Mai 2000. Es ist der letzte Bundesligaspieltag. Hansa rettet sich mit einem 2:0 gegen den FC Schalke 04 vor dem Abstieg in die 2. Liga, die Torschützen sind Christian Brand und Victor Agali.

Das waren Zeiten, ich gerate ins Träumen, als ich von den Klängen aus der wenige hundert Meter entfernt in Sichtweite befindlichen Arena in die Gegenwart zurückgeholt werde. Der Soundcheck beginnt:

Human Touch, My love will not let you down, No surrender.

ein schöner Moment, ich habe schon Konzerte erlebt, bei denen ich im Publikum weniger von der Musik verstehen konnte. Das wäre wohl eine gute Alternative, wenn man mal gar nicht an Tickets herankommt.

Is there anybody alive out there? EVERYBODY!

Gegen 17 Uhr beginnt der Einlass, entspannt und geordnet wie auch an den letzten beiden Konzertorten. Ich habe heute einen Sitzplatz auf dem Unterrang der Westtribüne mit der drittbesten Bühnensicht aller Zeiten, ich neige fast dazu, zu behaupten: Die FOS-Besucher im hinteren Bereich haben es heute nicht so gut wie ich. Die Video-Schirme brauche ich nur als Ergänzung für Detailansichten und Untertitel.

Es ist atmosphärisch das beeindruckendste meiner drei Konzerte in diesem Jahr. Immer wieder gönne ich mir den „Rundblick“ und bin schwer begeistert vom Mitgehen des (gefühlt) gesamten Publikums, im Innenraum, auf allen Tribünen, bis in die letzten Reihen des Oberrangs.

Als kurz vor 19:30 (liebe Grüße nach Wien!) die Bandmitglieder nacheinander die Bühne betreten, stehen bei mir im Block umgehend fast alle, die dazu in der Lage sind. Mit Bruces Erscheinen bricht ein Jubelsturm los, der ununterbrochen bis zum Ende anhält, begleitet vom Mitsingen, Tanzen und Hüpfen der restlos begeisterten Menge. Die Atmosphäre setzt einen fulminanten Schlusspunkt und markiert für mich den unbestrittenen Höhepunkt der drei Deutschland-Shows. Gut, dass diese Show am Ende stand. Die Terminierung in der Reihenfolge erweist sich als absoluter atmosphärischer Glücksgriff: Ohne dass es jetzt „schlechter“ gewesen wäre, konnte jedes von mir gesehene Konzert seinen Vorgänger übertreffen. Grandios!

Die Show

Wir werden verwöhnt mit 28 Songs, von denen 13 schon bei meinem ersten Konzert 1988 in Berlin-Weissensee im Programm waren, mit dem unvergesslichen, überwältigenden Schlusschor „Twist and Shout/La Bamba“ Auch heute, knapp 37 Jahre später, wird „La Bamba“ kurz angedeutet, und ich gebe zu, dass meine Augen zu jucken beginnen. Zufall oder ein „Zeichen“? War es das nun für mich? Ein bisschen hoffe ich ja immer, wenigstens einmal noch dem Ruf zu folgen: Grab your ticket and your suitcase! Sollte das heute nun doch mein endgültig letztes Konzert mit Bruce gewesen sein, könnte ich mir keinen würdigeren Abschluss vorstellen.

Get well soon, Stevie!

Bekanntlich muss der „Consigliere“ aus gesundheitlichen Gründen aussetzen, musikalisch wird er bestens vertreten vom Maestro Nils Lofgren. Nicht, dass das jetzt überraschend käme … Hier haben wir eine weitereParallele zu meinem ersten Boss-Konzert, als Steven einige Jahre solistisch und mit den Disciples unterwegs war.

Jake hat nun vorübergehend eine neue Position in der Bandvorstellung „erobert“, nämlich die Spitze des „last but not least“, weiter in den großen Spuren des Big Man, ein berührender Höhepunkt des emotionalen Abends. Und obwohl das heute „eigentlich“ mein persönlicher Abschied von großen Stadionshows sein soll, wünsche ich mir nun gerade in dem Moment, es möge doch nicht der Abschluss sein.

E Street forever!

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Setlist

No Surrender

My Love Will Not Let You Down

Land of Hope and Dreams (+ People get ready)

Death to My Hometown

Lonesome Day

Rainmaker

Darkness on the Edge of Town

The Promised Land

Hungry Heart

The River

Youngstown

Murder Incorporated

Long Walk Home

House of a Thousand Guitars

My City of Ruins

I’m on Fire

Because the Night

Wrecking Ball

The Rising

Badlands

Thunder Road

Born in the U.S.A.

Born to Run

Bobby Jean

Dancing in the Dark

Tenth Avenue Freeze-Out

Twist and Shout

Chimes of Freedom

Mehr zum Konzert:

Anna Lind (engl.)

Ein Kommentar zu “Stay on board

  1. Avatar von sori1982

    Berührend, bewegend!

    Liebe Grüße aus Wien!

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