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F.C. Hansa Rostock – Aston Villa F.C. 3:1, 19. Juli 2025, Ostseestadion, (Jubiläums-)Testspiel 

Sommerpause?

Saisonpausen, egal in welcher Jahreszeit, werden gemeinhin als „schreckliche“ – wahlweise „fußballlose“ – Zeit bezeichnet. Besonders letzteres ist so nicht korrekt, denn die Pause betrifft ja „nur“ den jeweiligen Wettbewerb (Liga, Pokal), wobei die Pausen mit Relegations- und Qualifikationsspielen für die Folgesaison sowieso verkürzt werden. Und dann gibt es ja noch die großen internationalen Turniere.

Also: Wer unbedingt ins Stadion gehen will, findet auch die Gelegenheiten dafür. Bei mir ist das beispielsweise eine dreiteilige Groundrocking-Tour, mit der schon mal der Juni mehr als nur überbrückt werden konnte.

Aber auch fußballerisch gab es nicht nur Leerlauf. Testspiele boten die Möglichkeit, neue Groundperlen zu kreuzen, ich nenne mal stellvertretend den Heinrich-Langeloh-Platz in Bardowick, oder „alte“ wiederzuentdecken.

Als ungeahntes Highlight erweist sich der Spielbetrieb der „älteren Semester“. Wer übermotivierte Spielereltern bei der D-Jugend langweilig findet, sollte auf keinen Fall versäumen, wie bei einem Ü35-Pokalspiel ein Veteran jenseits der 70 frei von Regelkenntnis, aber dafür ordentlich abgefüllt, erst dem Schiedsrichter und bald allen an die Wäsche will. Seid dabei, wenn plötzlich beim Kreisliga-Dorfduell jemand empört feststellt: Die (gegnerische Spieler und Schiri) kennen sich doch! (das neue „Der hat schon gelb!“)

Und nicht zuletzt im fußballerischen Wohnzimmer wird etwas geboten. Die Filmnächte im Ostseestadion laden zur Rückschau auf 60 Jahre bewegter und bewegender Hansa-Historie ein, ein emotionaler Höhepunkt, den sich dreimal 1965 Hanseatinnen und Hanseaten nicht entgehen lassen, so natürlich auch ich.  

Kein Sommer ohne Loch

Sicher habt ihr von den hungrigen Wasservögeln elbaufwärts gehört, die der Hunger auf einen Dynamo-Trainingsplatz getrieben haben soll. Ist das wieder nur eine der typischen „Geschichten“ der „Zeitung“, die ihre Existenz nur Löchern aller Art verdankt? Weiß ich nicht, will ich auch nicht wissen. Vielleicht wäre das aber eine innovative Idee: „Dritte Halbzeit“ auf Kunstacker? Wir schicken einfach unser Fressgeschwader nach Sachsen. Trainiert wird offenbar schon:

Kalle’s Crew

Der Tag

Die eingespielte Heimspiel-Fahrgemeinschaft steht heute nicht zur Verfügung, also reise ich mit ÖVM an. Noch fahren diese ja „normal“, aber wehe, wenn in Kürze die monatelange Streckensperrung Hamburg-Berlin beginnt! Ich mag gar nicht daran denken. Für die Rückfahrt findet sich ein freundlicher Mitnehmer, vielen Dank nochmal nach Stixe.

Der RE1 ist heute reichlich besetzt, einschließlich der Treppenstufen, aber ich finde sogar noch einen Sitzplatz.

Am Hauptbahnhof in Rostock steige ich in die Straßenbahn Richtung Zoo ein, deren Fahrt eine Haltestelle vor dem Doberaner Platz von einer Demonstration gestoppt wird, also gehe ich zu Fuß weiter. Ob es sehr warm ist, wollt ihr wissen? Kein Kommentar. Als die Bahnen wieder fahren, bin ich dem Reiseziel zwei Stationen näher gekommen und steige erfreut wieder ein. Läuft bei mir, aus allen Poren.

Vorspiel

Ankunft an der Trotzenburg, jetzt schnell was trinken. Der Biergarten ist erstaunlich gering gefüllt, aber da soll ich wegen der „Fantrennung“ nicht reingehen. Ich sehe zwar keine Engländer, die mit Stühlen werfen, aber Lust auf Diskussion habe ich gerade auch nicht, also gehe ich zum Fanhaus, auf’n Alster und ein Paar Wiener.

Grundsätzlich finde ich aber gut, dass mit der Trotzenburg eine Möglichkeit gefunden wurde, einen Treffpunkt für die angereisten Villans anzubieten, ich hätte gern auch die persönliche Begegnung gesucht. Dann eben beim Rückspiel irgendwann. 😊 (Wäre echt eine schöne Sache… vielleicht in einem anderen Leben.)

Vom Fan- und Familienfest am Ostseestadion bekomme ich leider nichts mehr mit, dafür bin ich zu spät dran. Schade, ich höre später viel Gutes darüber.

Vor dem Spiel erhält der Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrates, Prof. Horst Klinkmann, nachträglich die persönlichen Glückwünsche der Vereinsführung und den Applaus des Publikums zum 90. Geburtstag und den Dank für 60 Jahre Vereinszugehörigkeit.

Juri Schlünz und Andreas Zachhuber verabschieden Axel Schulz, als Spieler und später in verschiedenen Funktionen „lebenslang“ für Hansa tätig, in den Ruhestand, drei Legenden auf engstem Raum.

Spiel

Im Spiel gegen das Premier-League- Team zeigt Hansa eine solide und einsatzstarke Leistung, wobei mir die starke körperliche Präsenz in der Abwehr gut gefällt. Dass mit David Hummel (2x) und Maximilian Krauß zwei Neuzugänge Tore erzielen, freut mich ebenfalls. Von mir aus kann es in der Liga losgehen. Ausführliche Spielberichte überlasse ich, wie immer, gern den Fachleuten:

Aston Villa

Hansa

HANSANEWS

Stimmung

Das Spiel sehen im Stadion 20000 Zuschauer, es herrscht eine gute Atmosphäre. Organisierten Support gibt es nicht, der eine oder andere spontane Gesang macht dafür die Runde. Im Gästeblock machen sich etwa 400 Fans immer mal bemerkbar, in großen Teilen dem Spielverlauf folgend. Ein paar Fahnen mit dem roten Georgskreuz und Beschriftung, wie man sie von Auswärtsspielen englischer Clubs im Europapokal und der Nationalmannschaft kennt, bieten einen schönen Anblick, ganz ersetzt das den Reiz eines möglichen Gesangsduells nicht, dafür müssen wir noch ein bisschen auf den Europacup warten.

Insgesamt habe ich einen stimmungsvollen Tag bei und mit Hansa erlebt, als Höhepunkt darf ich beim Verlassen meines Blocks sogar noch dem Professor die Hand schütteln. Was soll jetzt noch kommen?

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Gästesicht

In dem Video von „Villa On Tour“ kommt auch der AVFC-Fanclub „Berlin Lions“ zu Wort. Die Lads waren so nett, noch ein kleines, persönliches Statement für meinen Text beizusteuern. Herzlichen Dank dafür.

Die Hansa-Fans sind bekannt für ihre Leidenschaft. Diesem Ruf sind sie allemal gerecht geworden. Was Hansa an Stimmung bei einem Testspiel erzeugt, schaffen andere Vereine nicht mal bei Pflichtspielen. Abseits des Stadions ist diese Leidenschaft aber nicht in Feindseligkeit umgeschlagen, im Gegenteil, wir wurden sogar von einigen Fans an der Hauptstation freundlich begrüßt. Auch die Innenstadt hat uns positiv überrascht. Rostock hat eine sehr schöne Altstadt die es in Berlin so gar nicht gibt. Falls irgendwann noch ein Testspiel im Ostseestadion stattfindet, sind wir gerne wieder eure Gäste.“

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