Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Ein Lied für Hansa

3 Kommentare

Ich habe die ehrenvolle Einladung erhalten, für den vom Blog/Podcast „Millernton“ ausgerufenen „Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest“ um das schönste Vereinslied der deutschen Profiligen einen Song für den F.C. Hansa ins Rennen zu schicken, eine nette Idee, die mir auf jeden Fall mehr Spaß macht als TV-Geisterspiele mit „Fangesängen“ aus der Tonkonserve. Schon bei Erhalt der Einladung war mir klar, welches Lied es sein wird, im Weiteren ein paar Erläuterungen zur Songauswahl.

Die Masse der Wettbewerbsteilnehmer wird von Bloggerinnen und Bloggern der jeweiligen Vereine auf ihren Seiten per Voting ermittelt, aber als Zögling des Staates der Arbeiter und Bauern – oder, wie damals so gern gesagt wurde: Sohn meiner Klasse – habe ich es nicht so mit der Basisdemokratie. Was dabei herauskommt, wenn man die Leute über Musik abstimmen lässt, sieht man ja an den gängigen Chartplatzierungen. Aus Zeit- und Kapazitätsgründen habe ich daher, kraft meiner Wassersuppe als selbstherrlicher Blogwart, auf Basis der Ausschreibung willkürlich ein paar Kriterien definiert, die für mich den Ausschlag geben sollten:

Es ist ein Original-Song, und wurde gezielt fürs Stadion geschrieben, also keine Abwandlung bereits existierenden Materials.

Die Autor(en)/Interpret(en) sind oder waren Hansafans oder in irgendeiner Form mit dem Verein verbunden.

Das Lied wird/wurde regelmäßig vor Spielen/in der Halbzeit im Ostseestadion gespielt und im Idealfall sogar in der Kurve gesungen. Es ist der Mehrheit der Stadionbesucher bekannt, es gibt eine hohe, textsichere Mitsingquote, nicht nur, wenn es über Lautsprecher eingespielt, sondern auch wenn es aus dem Block angestimmt wird.

Und das ist nun meine persönliche Rangliste:

„Zusammen“ erfüllt meine (subjektiven) Anforderungen an ein Vereinslied wie kein anderes: eine einprägsame, gut mitsingbare Melodie, die in Verbindung mit dem ans Herz gehenden Text, der euphorische Gedanken an Hansastadt, Ostseestrand und natürlich das gemeinschaftliche Stadionerlebnis weckt, beim Anhören sofort Gänsehaut auslöst, und der Kloß beim Mitsingen im vollbesetzten Hansa-Block (egal, ob Heim oder Auswärts) will auch jedesmal wieder neu verschluckt sein.

Hinter „Kollektiv Hein Butt“ verbergen sich Musiker und Crew der Rostocker Punk-Legende „Dritte Wahl“, „Zusammen“ ist einer von 5 Tracks auf der 2000 veröffentlichten EP „Heimspiel – Stadionrock von Fans für Fans“.

Der Titelsong der Scheibe entzückt in der 5. Strophe mit den zeitlos schönen Versen

„… Freundschaft mit den Gästefans, die sind genau wie wir. Sie lieben ihren Club und trinken gerne mal ein Bier.“

Dafür gibt es natürlich einen symbolischen Bonuspunkt.

Platz 2 – Rollo: Hansa forever

Was gibt es dazu zu sagen? Nur eines: Wer das nicht kennt, war noch nie im Ostseestadion. Mit eingängiger Melodie und einem pathetischen Text, den jeder Hansafan (egal, ob „Normalo“ oder „sogenannter“) jederzeit (und das heißt ZU JEDER ZEIT) auf Kommando fehlerfrei intonieren kann, gelang es Rollo nahezu spielend, dem Puhdys-Song (siehe Platz 4) den offiziellen Hymnenstatus zu entreißen und diesen seither nicht mehr herzugeben.

Ebenfalls aus Rollos Feder stammt das folgende schöne Stück, das den Beweis liefert, dass ein Fußball-Lied den eigenen Verein feiern und gleichzeitig (selbst-)ironisch angelegt sein und sogar ab und zu beim Support in der Kurve erklingt:

Platz 3 – Horst Köbbert: FC Hansa ohé (Original – DDR-Oberliga)

Horst Köbbert war in den 1970er und 1980er Jahren ein Gigant der DDR-Fernsehunterhaltung, bekannt vor allem aus Sendungen wie „Klock Acht – achtern Strom“ und „Ein Kessel Buntes“, in denen er die norddeutschen und maritimen Akzente setzte. Kein Wunder also, dass ihm die ehrenvolle Aufgabe zuteil wurde, die Stadionhymne für den populärsten Nordclub im DDR-Fußball aufzunehmen, was er souverän meisterte.

Eine 2004 veröffentlichte, gepimpte Bundesliga-Version des Liedes hörte sich zwar „moderner“ an, versprühte aber nicht annähernd den Charme des Originals, das völlig zu Recht noch heute im Stadion gespielt und selbstverständlich weiterhin in der Kurve gesungen wird.

Platz 4 – Puhdys: FC Hansa, wir lieben dich total

Entstanden ist die langjährige Hansa-Hymne zum Bundesliga-Aufstieg 1995, zu verdanken ist das Puhdys-Engagement wohl guten persönlichen Kontakten des damaligen, laut Songtext „schönsten Fußballpräsidenten auf der Welt“, Peter-Michael Diestel zu Puhdys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr. Lange Zeit galt der Song nun als „offizielle“ Vereinshymne, hat noch heute bei Spielen im Ostseestadion seinen festen Platz auf der Playlist des Stadion-DJ und wird tatsächlich auch immer mal wieder im Block angestimmt und meist begeistert mitgesungen.

Musikalisch und textlich reicht das Stück aus meiner Sicht allerdings nicht an „Zusammen“ heran. Kein Podestplatz für die Puhdys.

Außerhalb der Wertung – Lupus in Fabula: Mit Hansa Rostock unterwegs

Das schöne Stück erfüllt Kriterium 1 nicht und ist somit nur aus formalen Gründen schon vor dem Start aus dem Rennen. Freunde der Folk Music werden melodische Übereinstimmungen mit dem traditionellen Song „Mrs. McGrath“ bemerken, den Bruce Springsteen mit der Seeger Sessions Band für „We shall overcome“ (2006) aufgenommen hat. Die (mittlerweile leider nicht mehr aktiven) Barden aus Vorpommern werden das verkraften, das Lied wurde ja nicht für irgendwelche Wettbewerbe eingespielt.

Eine ehrenvolle Erwähnung haben Band und Song dennoch mehr als verdient, und zwar aus folgenden Gründen:

„Lupus …“-Mitglied Stefan (am Akkordeon) war viele Jahre selbst regelmäßig mit Hansa unterwegs, es gibt in Deutschland kaum einen Gästeblock, vor dem seine Zaunfahne „ECC Bandelin“ zwischen 1995 und 2010 nicht hing.

Lediglich ins Kurven-Repertoire, sprich: in den Blocksupport während Spielen hat es „Mit Hansa Rostock unterwegs“ nicht geschafft, zum lauten Mitgrölen ist es doch weniger geeignet und gesanglich/rhythmisch zu anspruchsvoll. Sonst wäre es für mich ein ernsthafter Kandidat für die Nominierung.

Bonus: Unbedingt erwähnt werden muss noch, dass es Lupus in Fabula gelungen ist dem früheren Hansaspieler Andreas Babendererde einen Song zu widmen und somit ein musikalisches Denkmal zu setzen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer schöner Hansa-Songs, von denen wenigstens einer hier unbedingt zu nennen ist, denn der Interpret hat sich nicht nur musikalisch, sondern mit 298 Spielen (12 Tore) von 1980 bis 1994 auch sportlich um den F.C. Hansa verdient gemacht. Anhören und genießen:

Gernot Alms & Heart of Stones: Hey FC Hansa

3 Kommentare zu “Ein Lied für Hansa

  1. Pingback: Lage am Millerntor - 18.August 2020 - MillernTon

  2. Mein lieber Sohn deiner Klasse, da muss ich schmunzeln. Als getrennt aufgewachsenes Geschwisterkind gestehe ich, zumindest in den eigenen Räumen von ähnlicher Basisdemokratieskepsis befallen zu sein. Dort organisiere ich nur Abstimmungen, deren Ergebnis sehr sicher ist.

  3. Pingback: #GPdlVSC - Halbfinale 3.Liga & Guests - MillernTon

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.