Groundhopping in Grand Est, 16.&17. Mai 2026
Letzter Spieltag der 3. Liga. Hansa spielt in Saarbrücken. Das ist eine gute Gelegenheit, zehn Jahre nach meiner Kurztour zur Euro2016 in Frankreich mal wieder im Nachbarland vorbeizuschauen. Nichts Spektakuläres, im Blickpunkt steht Amateurfußball in der näheren Umgebung der Saar-Metropole.
Nach dem Hansa-Spiel im Ludwigsparkstadion begeben wir uns zu meinem Hotel, steigen dort ins Auto und fahren hinüber nach Frankreich. In der langfristigen Planung stand für 18:30 Uhr ein Spielbesuch im „Stade du Schlossberg“ von Forbach (Regional 1, 6. Liga) auf dem Programm, das sind etwa 20 bis 30 Autominuten. Das Spiel wurde aber auf Sonntag 15 Uhr verlegt. Zum Glück fehlt es nicht an Alternativen in vergleichbarer Entfernung.
Wir haben nun die Wahl zwischen Freyming-Merlebach und Nousseviller-Saint-Nabor, beides Standorte der „Regional 2 Grand Est“ (7. Liga), wir entscheiden uns für Merlebach.
Stade Olympique de Merlebach – ASL Robertsau 2:2
16. Mai 2026, Stade Léopold Brom-François Konrady
In Frankreich führen nicht wenige Vereine „Stade“ (dt.: Stadion) oder „Olympique“ (ist klar, oder?) im Namen. Das hängt mit ihrer Entstehungsgeschichte zusammen, in der Regel steckt dahinter eine Huldigung der antiken griechischen Athleten, die in Stadien trainierten. Mein (hoffentlich nicht gefährliches) Halbwissen zu diesem Thema entspringt einer Schnellrecherche in einschlägigen bekannten Wissensportalen. Vielleicht ist das zu stark vereinfacht, es erscheint mir aber plausibel, ich kann damit sehr gut leben. Keep it simple, wie schon … wer auch immer (müsste ich googlen) … sagte.
Das alles ist nicht wirklich hilfreich beim Suchen und Finden der richtigen Reiseroute: Müssen wir INS Stade oder ZU Stade? Gar nicht so einfach, hier erweist sich Futbology aber als äußerst nützlich, die in der App verlinkte Route bringt uns wirklich vor die Groundtore, mitten hinein in ein chaotisch anmutendes Ringen um den letzten freien Parkplatz, Irgendeine freie Lücke am Straßenrand findet sich, wir sind mutig und lassen das Gefährt stehen. „Saarländer“ dürfen das. Spoiler: Wir finden später alles unversehrt an Ort und Stelle wieder.
Drinnen geht es deutlich ruhiger zu. Anstoß soll um 18:30 Uhr sein, wir betreten etwa 17:45 das Stadion, das einen guten Eindruck macht. Ich logge mich schon mal in Futbology ein, was muss, das muss. Es sind keine anderen Nutzer angemeldet.
Wir entdecken keinen Kartenverkauf. Ach doch, da drüben steht ja ein Bretterkiosk, da ist auf einem Schild das Wort „Tickets“ zu lesen, aber damit sind Wertbons für Speisen und Getränke zur Abholung an weiteren Ständen gemeint. Ich nutze die Chance, zum ersten Mal in meinem Leben „Merguez“ zu verspeisen, eine würzige Bratwurst aus Lamm- und/oder Rindfleisch. Nick, der vor mir dran ist, nimmt eine Art Senf dazu, der ihn etwas „überrascht“, so dass ich den vorsichtshalber weglasse. Eine gute Entscheidung, die Wurst lebt von ihrer Eigenwürze. Geschmacklich bin ich rundum von dem Produkt aus der Maghreb-Küche überzeugt.
Während der obligatorischen Platzumrundung, besonders die imposante Tribüne weiß zu gefallen, wachsen innere Zweifel, ob das Spiel pünktlich beginnen wird. Es sieht eher aus wie bei einem Volksfest mit gerade beendeten Kinderturnier, auf dem Rasen stehen einige Bänke, und an den Toren sind nicht mal Netze dran. Noch eine halbe Stunde bis zum Anstoß, es sind keine Spieler, die sich vielleicht erwärmen könnten, zu sehen, unsere Zweifel wachsen. Findet hier überhaupt ein Spiel statt?
Der Kunstrasen nebenan scheint sich auch nicht im Wettkampfmodus zu befinden. Um jemanden zu fragen, reichen unsere Sprachkenntnisse nicht aus. Außerdem verdunkelt sich der Himmel bedrohlich, eine schnelle Entscheidung muss her.
Wir beschließen, zu dem anderen Spiel (19:00) zu fahren, das schaffen wir ja locker. Bedauerlich, aber wohl die bessere Option, als von der schicken Tribüne aus dem Platz beim Einregnen zuzusehen.
Und so wechseln wir gedankenschnell vom Groundhopping zum Groundspotting, ich lösche schweren Herzens meinen Futbology-Eintrag und wir fahren durch den Regen zum nächsten Ziel.
Gespielt wird dann später doch, offenbar auf dem Kunstrasen, wie es hier geschrieben steht. Wir lernen: Der Schein trügt mitunter.
US Nousseviller – FC Kronenbourg Strasbourg 1:0
16. Mai 2026, Stade Francis Scheck
Die Fahrt durch einen soliden Landregen zum „Ersatzspiel“ dauert nicht lange, etwa 15 Minuten vor dem Anstoß rollen wir auf den Parkplatz am Stade Francis Scheck und begeben uns zügig hinein. Der Eintritt kostet 5 Euro, Tickets gibt es leider nicht, aber der Platz gefällt uns gut. Rechts vom gut gepflegten Rasen erhebt sich eine überdachte Stehtribüne, auf der wir das Spiel verfolgen werden und uns um das Wetter keine weiteren Gedanken machen müssen.
Auch hier steht am Anfang die Platzumrundung. Auf der Gegengerade wird sich ein kleiner, etwa zwanzigköpfiger Supportblock zusammenfinden, an einem mobilen Zaunfeld hängt ein Banner, das die Gastgeber animiert (grüne Schrift auf weißem Grund): „Auf geht‘s, Nouss“. Supportet wird später auf Französisch, was wir leider nicht verstehen. Das stört aber nicht, Tonfall und Lautstärke sind Aussage genug.
Auf unserer Stehtribüne erklingt das universelle Schimpfen und Pöbeln, Weltsprache des Amateurfußballs, selbsterklärend und vertraut.
Die Aussicht in alle Richtungen ist reizvoll, hinter der Gegengeraden erhebt sich die Kirche Saint-Nabor, deren Glockengeläut pünktlich mit dem Anpfiff einsetzt, ein erhebender Moment, muss ich zugeben.
In der anderen Blickrichtung bietet sich eine schöne Aussicht auf die bewaldeten Hügel Lothringens.
Die Gastgeber gewinnen nach intensivem Spiel mit vielen Zweikämpfen 1:0 und erobern nach dem Spieltag (der 20.) die Tabellenspitze.
US Forbach – FCSR Haguenau II 0:1
17. Juni 2026, Stade du Schlossberg
Den Sonntag gestalte ich allein und wage mich „auf eigene Faust“ in unbekannte Gefilde. Auf dem Programm steht nun das Spiel, das seit Saisonbeginn in meinem Hopping-Fokus stand.
Von Saarbrücken nach Forbach zu gelangen, ist vergleichsweise unkompliziert: Am Hauptbahnhof in den Regionalexpress nach Metz ein- und am ersten Halt wieder aussteigen, das Ticket kostet je Richtung 7,60 Euro, buchbar in der DB-Navigator-App. Das schaffe sogar ich ohne ortskundigen Assistenten. Zum Stadion gelange ich zu Fuß, ich brauche etwa 20 Minuten. Der Name „Schlossberg“ trügt nicht, es geht beständig bergauf, mit kurzen, schnellen Schritten bewältige ich die Herausforderung. Mein „Navi“ leitet mich durch den Schlosspark zu einem Nebeneingang. Ich gehe einfach immer weiter den Zaun entlang um das Stadion herum, irgendwie komme ich bestimmt am richtigen Eingang an. Nein, komme ich nicht. Von draußen habe ich den Eindruck, hier ist heute wohl kein Spiel, so ruhig, beinahe „leblos“ ist es drinnen. Nur auf einem Trainingsplatz im Schatten der großen Tribüne kicken zwei Jungs ein bisschen vor sich hin. Ich gehe dann mal weiter.
Plötzlich endet der immer enger und matschiger werdende Trampelpfad, der Park mutiert zum Wald. Schon bei Rotkäppchen hieß es „Komm nicht vom Weg ab“, und wir wissen ja, wie es für das Kind beinahe ausgegangen wäre.
Ich kehre um. Und nun: Ich kann sehen, wie die Spieler beider Mannschaften hinter der Tribüne zum Spielereingang gehen, es wird also tatsächlich gespielt. Meine Schritte werden schneller.
Als ich aus dem Park herauskomme, sehe ich plötzlich einen direkten Weg am Schloss vorbei zum Stadioneingang, der mir sicher nicht entgangen wäre, wenn ich weniger auf die Karten-App fixiert gewesen wäre. Ich lerne: Auch mal in die Umgebung schauen! Schnell hinein, Eintritt wieder 5 Euro, heute auch mit Ticket! Geht doch!
Das Stadioninnere gefällt mir ausnehmend gut, es wird die Tourwertung (B-Note) für sich entscheiden. Zunächst erinnert es mich beim Hineinkommen mit den Mauern und Stehplatzstufen in der Kurve ein bisschen an den Schweriner Lambrechtsgrund.
Ich nehme auf der Tribüne Platz und versuche herauszufinden, welches das Heimteam ist. Das dauert bis zur 70. Minute, als die Gäste in Führung gehen. Nicht schlecht. Später vergibt Forbach noch einen Elfmeter.Ein ereignisreiches Spiel. Darüber hinaus gelingt mir sogar eine Spielballberührung, als dieser auf die Tribüne fliegt. Und das als einziger Hopper im Stadion (laut Futbology).
Ich gehe dann schon mal Richtung Ausgang, um gleich beim Schlusspfiff loszueilen. Für den Rückweg zum Bahnhof habe ich nur 30 Minuten, zum Glück geht es jetzt bergab, ich schaffe auch das locker. Was für ein Tag!
Fazit
Es war ein interessanter Trip, für atmosphärischen Reiz sorgten spielklassengemäß nicht die „Kurven“, aber alle Grounds hatten ihren eigenen Charme, was mich in meiner Auffassung bestärkt, dass nicht die Höhe der Spielklasse wichtig ist, nicht die zahlenmäßige Größe eines „Mobs“, nicht der spektakuläre Support oder „Action“. Es bleibt die Freude am Spiel und an der Begegnung im Stadion.
Herzlichen Dank nochmal an Nick für die 1a-Betreuung, auch schon beim Hansa-Spiel in Saarbrücken, ich freue mich auf eine Wiederholung.
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Damit ist die Fußballsaison 2025/26 blogtechnisch abgeschlossen. Ich möchte mich bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die mich hier begleitet haben. Eure Zahl mag immer mehr zurückgehen, was wohl für das Medium Blog insgesamt der Fall ist. Und doch freue ich mich weiterhin über jede einzelne Besucherin, jeden einzelnen Besucher dieser Seite.
Es wird auch 2026/27 weitergehen, vielleicht in geringerem Umfang und reduzierter Häufigkeit, aber immer mit Herz und Hingabe.
