FC Würzburger Kickers – F.C. Hansa Rostock 0:2, 10. Oktober 2026, Stadion am Dallenberg, 3. Liga, 8. Spieltag
(Hopping: FT Würzburg – (SG) SV Oberpleichfeld/DJK Dipbach 3:1, Kreisliga I)
11. September bis 17. Oktober
Es gibt plausible Gründe dafür, dass der Drittliga-Spielplan so ist, wie er ist, aber gut finden muss ich das deshalb nicht. Die Abfolge für mich als reisenden Fan nervt maximal, dabei habe ich aus kulturellen Gründen sogar noch ein Spiel ausgelassen:
In zehn Tagen „englische Woche“ werden drei Spieltage durchgepeitscht, es folgen drei Wochen ohne anständigen Fußball, beim DFB nennen sie das „Länderspielpause“, um uns nahtlos durch die nächste zu hetzen.
Für mich bedeutet das außerdem, erheblichen Schreib-Zeitdruck, besonders für diesen Text. Rückkehr aus Würzburg ist am Montagnachmittag, schon am Dienstag steht das nächste Spiel an. Nützt ja nichts, also versuche ich mal, mich zu straffen. Schließlich geht es ja am Ende der Woche gleich wieder in die Ferne. Also flüstere ich leise, aber deutlich „SCHEISS DFB!“ und mache mich ans Werk:
Ich merke schon bei der Suche nach dem Einstieg, dass ich das nicht vor der Abreise zum Meppen-Spiel fertigbekomme, also wird das mein erster Artikel, dessen Entstehung von einem Spiel, samt Hin- und Rückreise und allem, was dazugehört, unterbrochen wird.
Der oben angekündigte Hopping-Teil hätte einen eigenen Text verdient, aber das ist aufgrund der schon erwähnten Aktivitäten bei drei Spielen innerhalb von 7 Tagen für mich nicht realisierbar, oder er erscheint erst in zwei Wochen. Wo bleibt da die Belastungssteuerung?
Wohlan:
Bahnporn und Touri-Freuden. Die Reise
Was für eine sensationelle Bahnverbindung: 8 Uhr in Schwerin in den ICE steigen, 12:30 in Würzburg aussteigen. Klingt (natürlich) zu schön, um wahr zu sein:
Ich sitze gerade im Bus zum Schweriner Bahnhof, als mich die Nachricht ereilt, dass mein vorgesehener Zug ausfällt. Im Sekundenbruchteil verspüre ich den dringenden Wunsch, jemanden mit bloßen Händen zu erwürgen. Aber das bringt mich ja auch nicht an mein Ziel.
Auslöser der Misere, die den Fernverkehr im Bermuda-Dreieck Hamburg-Rostock-Berlin den ganzen Freitag lang beeinträchtigen wird, ist die Reparatur einer Weiche zwischen Büchen und Hamburg. Da ich mir für keinen blöden „Witz“ zu schade bin, rege ich hiermit an, bei der nächsten Generalsanierung (kann ja nicht mehr lange dauern bis dahin) jede Weiche durch eine Harte zu ersetzen.
Zum Glück muss ich die Suche nach einer Ersatzfahrt nicht selbst übernehmen, denn in der wunderbaren Reisegruppe, der ich angehöre, finden totale Bahnkompetenz und Insiderwissen zusammen. Wir fahren nun also per IC und ICE über Berlin nach Bamberg, das letzte Teilstück ab da mit einem RE. Sogar an meine Platzreservierung ab Berlin ist gedacht.
Natürlich bleibt es nicht bei den durch den Umweg entstehenden drei Stunden Verspätung, auf der Strecke bis Halle wird der Ärger nicht alle, es rebelliert eine Oberleitung, In Würzburg haben wir bei der Ankunft vier Extrastunden auf dem Zähler. Das Zauberwort heißt: Fahrgastrechte.
Dank meiner wunderbaren Reisegruppe (2x Kessin, 4x Rostock, am Spielort schließt sich 1x Neumünster an) gerate ich zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, vom Weg abzukommen oder mich auf dubiose Karten-Apps verlassen zu müssen, darf also den schnellsten Transfer zwischen Bahnhof und Quartier, seit ich vor inzwischen schon 8 Jahren meinen bis dahin legendären Orientierungssinn abgeben musste, quittieren.
Zwischen Weißwurst und Sauerbraten
Unnötig zu erwähnen, dass schon ein Tisch für ein angemessenes Abendessen und Begrüßungsgetränk(e) für uns bereitsteht. Bei leckerer fränkischer Küche und interessanten regionalen Flüssigkeiten verbringen wir nette Stunden im Brauereigasthof Alter Kranen, den ich euch für einen Würzburg-Besuch unbedingt empfehle (am besten vorher reservieren, geht unkompliziert über „Open Table“) und stellen stimmungsmäßig die Weichen (haha) auf Auswärtssieg.
Wir werden während unseres Aufenthaltes weitere gastliche Orte kennenlernen wie den Hofbräukeller, der am Samstagabend während des Drei-Punkte-Galadinners zum Schauplatz einer spontanen musikalischen Darbietung im „Rote-Erde-Stil“ wird (O Champs Elysées!), oder den Augustiner, wo wir uns am Sonntagvormittag ein amtliches Weißwurst-Frühstück gönnen. Natürlich sind bei Glockenschlag 12 Uhr die Teller leer, wie es das Gesetz befiehlt.
Ich gestehe, dass die Stadt bisher nicht zu denen gehörte, die mir beim Nachdenken über ein lohnendes Ausflugsziel spontan in den Sinn gekommen wären, aber da lässt es sich eine gute Zeit haben, versprochen. Überzeugt euch bei Gelegenheit gern mal selbst!
Die Heimreise am Montag zeichnet sich durch exorbitante Fahrplantreue aus, selbst der äußerst knapp bemessene Umstieg am Hamburger Hauptbahnhof, innerhalb von knapp 10 Minuten von Gleis 11 nach 8, gelingt problemlos.
Einen kleinen Schatten wirft nur die Anwesenheit einer Azubi- oder Schülergruppe mit mutmaßlichem HSV-Hintergrund von Hannover oder Lüneburg bis Hamburg. Die etwas kommunikationsauffälligen jungen Menschen mit Reiseziel Elmshorn quälen während der Anfahrt auf den Hauptbahnhof die Mitreisenden durch Beschallung mit einer Capo-Ansprache an den Block mit dem Inhalt:“ Hamburg! … Strafft euch! … Vorpommern! … Die lachen über euch!“ usw. Jedes einzelne Wort wird vn den Kids mitgegrölt.
Ich bin nicht aus Vorpommern und kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich bin mir sicher: Über EUCH Nasen lachen die nicht. Es ist eher zum Weinen. Bis neulich vielleicht.
P.S. Scheiß HSV! 😉
In den Blöcken getrennt. Der Spieltag
Als Treffpunkt für die angereisten Hanseaten dient vor und nach dem Spiel der Biergarten am Zollhaus, gut erreichbar mit der Straßenbahn vom Bahnhof, nur einen Halt vor dem Stadion. Vom Betreiber erfahren wir nach dem Spiel, dass die Biergartensaison „eigentlich“ schon beendet ist, man aber der Anregung, für zwei Fußballspiele mit erwartet großem Publikumsinteresse (nächstes FWK-Heimspiel gegen Mannheim am 17. Oktober) nochmal Zapfhahn und Herd zu aktivieren, gern nachkommt, was sich offensichtlich für alle Beteiligten auszahlt.

Unsere Reisegruppe trennt sich hier für die Dauer des Spieles, eine Hälfte wird im Gästeblock stehen, die andere sitzt auf der Haupttribüne. Dabei greife ich einen ganz besonderen Platz ab. Da ich in fremden Stadien einen Platz möglich weit oben, mit freiem Rücken und unmittelbar neben einer Treppe bevorzuge, bekomme ich auch genau diesen. Wie „speziell“ dieser Sitz tatsächlich ist, war bei der Bestellung nicht zu erkennen, wenn ihr das Gefühl, inmitten hunderter Menschen auf der Strafbank zu sitzen, mal selbst testen möchtet, wählt im „Saalplan“ Block A, Reihe 13, Sitz 1.

Nun ja, Das Spiel sehen, was ja nun mal die Mindestanforderung an einen Tribünensitz bedeutet, kann ich ja einigermaßen. Was ich zu sehen bekomme, gefällt mir weitestgehend. Hansa hat die Partie relativ souverän unter Kontrolle, Würzburg wirkt insgesamt vergleichsweise ungefährlich, wobei wir natürlich wissen, dass darin manchmal ein besonderes Risiko liegt, wenn sich doch plötzlich der Ball ins Tor verirrt, gern in der Nachspielzeit. Dem können wir heute gut begegnen: 1. Selbst in Führung gehen und in der Nachspielzeit einen Elfer beim Gegner versenken. Es könnte so einfach sein, ist es manchmal auch.
Zum Hansa-Spielbericht: KLICK

Es sieht also nach einer perfekten „englischen Woche“ für Hansa aus.
Ich lerne: In Zukunft Berichte lieber doch wieder GRUNDSÄTZLICH vor dem nächsten Spiel veröffentlichen.
Hoppingfreude. Der Sonntag
Es ist allgemein bekannt, dass alle existierenden Gounds „gemacht“ werden müssen. Da beißt der Conny Dachs (Props an alle, die ihn kennen und das auch zugeben) keinen Faden ab.
Am Sonntag klinke ich mich für ein paar Stunden aus dem Gruppenprogramm aus. Durch die Futbology-Funktion „Spiele in der Nähe“ war ich schon im Vorfeld auf einen Platz aufmerksam geworden, den konnte ich einfach NICHT nicht machen, ohne mir mein gesamtes restliches Leben lang Selbstvorwürfe machen zu müssen:

So aufgeregt wie bei der Straßenbahn-Anfahrt war ich zuletzt, als Premiere, wie mein Arbeitgeber damals noch hieß, den Launch von „Blue Movie“ ankündigte.
Zieht euch das rein: Beate! Uhse! KAMPFBAHN! Und f#ck’n Freie! TURNER! Sagt bitte nicht, ihr hättet jetzt keine Bilder im Kopf.
Schon auf dem Weg von der Straßenbahn zum Sportplatz nehme ich aus der Nachbarschaft intensives Stöhnen wahr. Alter! … Nein, ab hier ist jetzt keine FSK-Einstufung nötig, die Geräusche kommen vom benachbarten Tennisplatz.
Auf der Kampfbahn sind sie gerade beim Vorspiel der zweiten Mannschaft gegen TSV Gnodstadt (1:3). Ein Tor für die Gäste fällt durch einen schnell ausgeführten Freistoß ins leere Tor, während der Torhüter gerade an der Strafraumgrenze mit dem Schiedsrichter über die Berechtigung des Freistoßes diskutiert. Kann man so machen. Vor dem nächsten Freistoß bekommt der Keeper den expliziten Schiri-Hinweis: „Ball ist gesperrt.“ Dass man immer erst schimpfen muss …
Das Hauptspiel geht verdient an die Gastgeber, bei denen sich in der ersten Halbzeit ein Spieler am Knie verletzt, der mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht wird, gute Besserung!
Ich habe mir aus einer Regionalzeitung einen Kurzbericht geborgt:

Was bleibt besonders im Gedächtnis?
- Die Reaktionen aus meiner kleinen Futbology-Blase, als die Info über mein Log-in eingeht, kleine Auswahl:
„Hab herzlich gelacht gerade, viel Spaß!“
„Die Chance hätte ich mir auch nicht entgehen lassen.“
„Danke für den neuen Eintrag auf der To-Do-Liste.“
„Hausnummer 69?“
„Früher nachts auf DSF, wie sie sich an irgendeinem tschechischen Drittligaground an einem Pfosten geräkelt haben …“
Drei Spielball-Berührungen beim Vorspiel, da wird sogar Conny Dachs neidisch.
Vor allem aber ein netter (übrigens völlig normaler) Rasenplatz, ohne „richtigen“ Ausbau, aber mit Catering und einer originellen überdachten „Tribüne“, also genau das richtige für Freunde des kleinen Details. Also … MACHEN

