1. FC Saarbrücken – F.C. Hansa Rostock 2:4, 30. August 2026, Ludwigsparkstadion, 3. Liga, 3. Spieltag
Hopping: Bor. Neunkirchen – TuS Steinbach, Bonusspiel: Frauen, SSV Elversberg U20 II – FC Bierbach
So schnell kann es gehen, nur drei Monate nach der Saisonabschlusstour 2026 treibt es mich wieder ins Saarland, das bedeutet: lange Bahnfahrt mit Übernachtung(en). Die regionalen Ansetzungen im Amateurbereich ermöglichen mir, im „Rahmenprogramm“ des Hansa-Spiels im Ludwigsparkstadion einer legendären Spielstätte, die auf mehr als 100 Jahre Fußballtradition zurückblickt, die Ehre zu erweisen, in der Saarlandliga Nordost trifft Borussia Neunkirchen am Sonnabend um 18 Uhr im heimischen Ellenfeld-Stadion auf die TuS Steinbach. Das ist mir dank maßgerechter Reiseplanung möglich, sogar den Hotel-Check-In in Saarbrücken (Ankunft 15 Uhr) gleich in Bahnhofsnähe kann ich da vorher noch bequem erledigen.
Soweit die Theorie. Ich hätte schon stutzig werden sollen, als einige Tage vor der Reise eine Fahrplanänderung und Aufhebung der Zugbindung herein flatterte. Vier Monate nach Abschluss der Komplettsanierung Berlin-Hamburg wird schon wieder zwischen Bergedorf und Hamburg Hbf. gebaut. Danke, Merz!
Aber es wird noch viel besser. Ich möchte hier niemanden mit meinem bedauerlichen Einzelschicksal langweilen, aber der perfekte Reiseplan geht sich nicht aus, wie sie in Österreich sagen, liebe Grüße gehen nach Wien.
Was geht aaaab? Zugausfall des ECE nach Basel (Hamburg-Mannheim), der von mir ersatzweise gewählte ICE nach Stuttgart (mir gelingt geistesgegenwärtig sogar noch die sofortige Sitzplatzreservierung, bevor die zahlreichen konkurrierenden Reisenden überhaupt bemerken, was Phase ist) verschafft mir als positive „Nebenwirkung“ die Möglichkeit, dank des um eine Stunde verlängerten Aufenthaltes in Hamburg noch ein kleines Frühstück beim Amerikaner einzuwerfen.
Pünktlich zur Abfahrtszeit nehme ich, nicht ohne vorherigen Lastminute-Gleiswechsel, auf meinem Sitz Platz, aber der Zug macht keine Anstalten, sich in Bewegung zu setzen. 10 Minuten später die ermutigende Durchsage: „Für unseren Zug liegt noch kein Fahrplan, bzw. erst ab Hannover, vor. Die Abfahrt verzögert sich um unbestimmte Zeit.“ Endlich mal was Neues, nicht immer diese ewig langweilige „verspätete Bereitstellung“, damit habe ich wohl ein neues Level im „Deutsche-Bahn-Bingo“ freigeschaltet, schon das zweite Upgrade in diesem Jahr. Das erste war im März „Es stehen nicht genügend Gleise zur Verfügung“.
Mit 35 Minuten Verspätung verlassen wir Hamburg. Am Bahnhof Frankfurt/M. Süd stehen wir wieder. Ihr werdet es nicht glauben, es liegt kein Fahrplan vor. Nach Hamburg kann nun auch Frankfurt/M. weg. Danke für nichts!
Okay, beruhigen wir uns wieder, es dauert zwar „nur“ 10 Minuten, aber das ist genug, um in Mannheim den Anschluss nach Saarbrücken zu verpassen. Wenn‘s läuft, dann läuft‘s.
Ich bekomme also nochmal 45 Minuten „geschenkt“, die ich nutze, meinen persönlichen Reiseplan anzupassen. Ich werde den RE nach Saarbrücken in Homburg verlassen und von dort gleich direkt mit einer Regionalbahn nach Neunkirchen fahren. (Apropos Homburg, der dort ansässige Fußballclub hat heute um 14 Uhr Stuttgart/Blau zu Gast, das hätte ich aber auch bei Einhaltung des Original-Planes nur sehr knapp geschafft, wenn überhaupt. Hätte, hätte … Eijo!
Hopping: Borussia Neunkirchen – TuS Steinbach 0:1, 29. August 2026, Ellenfeld-Stadion, Saarlandliga
Etwa 17:30 Uhr erreiche ich den Hauptbahnhof Neunkirchen, wo mich mein im Saarland ansässiger Freund und Reisebegleiter Nick (Hörfehler) abholen wird. Während ich kurz auf ihn warte, kann ich beobachten, wie eine Busladung Leverkusener Fans ausgeladen wird, die gerade ihrer Mannschaft bei der Lieferung der ersten drei Bundesligapunkte nach Elversberg zusehen durften. Worüber rege ich mich eigentlich auf?
Fast pünktlich erreichen wir den Gelobten Ground. Das Spiel der heimischen Borussia wird der Großartigkeit des Ellenfeld-Stadions leider nicht gerecht, der aktuellen Spielklasse schon. Es setzt eine knappe, aber verdiente 0:1-Niederlage, wobei die Gäste auch noch einen Handelfmeter, flankiert von tätlichem Angriff des Verursachers auf den Schiedsrichter und somit „Rot“, vergeben. Den größten Unterhaltungswert bieten die Reaktionen von Spielern und Betreuern der Gastgeber auf verschiedene Schiedsrichterentscheidungen. In der Schlussphase erleben wir noch eine formidable, von dem früher des Feldes verwiesenen Spieler ausgelöste Rudelbildung, an der sich alle Personen, die schnell genug zum „Tatort“ sprinten können, aktiv zu beteiligen versuchen, euphemistisch ausgedrückt: Sportlich geht bei Borussia auf dem Platz nur sehr wenig, aber die Mannschaft lebt. Da ich zum Spiel inhaltlich nicht viel zu sagen vermag, empfehle ich den Borussia-Spielbericht und die bemerkenswerte Stellungnahme des Vorstands.
Aber mal abgesehen von alledem, würde ich gern mal ein Spiel im vollbesetzten Ellenfeld-Stadion erleben. Ich wünsche der Borussia daher nur das Beste und perspektivisch eine kontinuierliche Weiterentwicklung.




Würde und Respekt
Über dem Spiel des F.C. Hansa im Ludwigsparkstadion liegt ein Schatten, schwer lasten die tragischen Ereignisse beim letzten Aufeinandertreffen im Mai auf der Begegnung. Moritz, ein Hansafan, hatte im Gästebereich einen schweren Unfall, an dessen Folgen er wenige Tage später verstarb. Heute kehrt der F.C. Hansa und mit ihm viele Fans, die Zeugen des Geschehens und der dramatischen Rettungsversuche waren, an den Schauplatz zurück.
Zugleich trauern der 1. FCS und seine Anhänger um B, einen Fan, der nach einem medizinischen Notfall im Stadion während des Pokalspiels am 22. August trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebung und medizinischer Weiterbehandlung in einer Klinik nicht gerettet werden konnte.
Die Erinnerung an beide Fans bestimmt die Begegnung auf dem Platz und besonders auf den Tribünen. Das ist schon auf dem Weg aus der Innenstadt zum Stadion zu spüren. Es fehlt die vorfreudige Aufgeregtheit der Massen, einzeln oder in Gruppen, die zum Spiel pilgern, die üblichen, fußballtypischen Geräusche und Klänge, die Gesänge und Schlachtrufe, selbst die Sirenen der Einsatzfahrzeuge nerven heute nicht so penetrant und aufdringlich.
Der Einlass (wir sitzen wieder auf der Nordtribüne) geschieht unaufgeregt, die Personenkontrollen werden entspannt-routiniert abgewickelt. Ein aufmerksamer Späher erkundigt sich betont freundlich nach dem Tattoo auf dem Ellenbogen meines Begleiters Nick, es ist das Logo des einzig wahren Leipziger Fußballvereins, gegen den der junge Mann offensichtlich nichts einzuwenden hat. An einem Ultra-Infotisch mit Aufklebern und ähnlichem stört sich derweil niemand daran, dass ich als mutmaßlich Fremder (oder vielleicht auch in die Jahre gekommenes „Hopperschwein“) mir bloß die „Warenauslage“ ansehe (ich wiederum hoffe, vielleicht einen Spieltagsflyer oder ähnliches erwerben zu können, leider gibt es da keinen). Kurzum: Die Szenerie atmet Ruhe und Frieden.
Wir nehmen Platz am rechten Tribünenende, Block T2, mit guter Sicht auf den Gästeblock und den Gedenkort an der Unglücksstelle, wo Kränze liegen und im Laufe des Nachmittages weiter niedergelegt werden.
Der Gästeblock erscheint komplett in Schwarz, es wird nicht dekoriert, vor dem Block erinnert eine schwarze Zaunfahne mit weißem Hansalogo an Moritz: „Ruhe in Frieden“ steht darauf in weißer Schrift.
Vor dem Verlesen der Mannschaftsaufstellungen, die ruhig und sachlich vorgetragen werden, erinnert der Stadionsprecher an Moritz und B und teilt mit, dass beide Blöcke in den ersten knapp 20 Minuten auf organisierten Support verzichten und schweigend ihrer verlorenen Freunde gedenken werden. Das ist sehr wirkungsvoll, denn bis auf die gängigen, fußballtypischen spontanen Lautäußerungen, die nun mal beim Spiel nicht völlig zu vermeiden sind, erleben wir eine beeindruckende Stille.
Ein überwältigender Moment ist die Niederlegung eines Kranzes für Moritz durch eine kleine Abordnung der Saarbrücker Ultragruppe Virage Est im Beisein von Vertretern der Rostocker Fanszene und (wenn ich es richtig erkannt habe) Hansa-Vorstand Ronald Maul, begleitet vom Applaus des gesamten Stadions, ein starkes Signal der verbindenden Kraft des Fußballs.
Danke an alle, die diesen Abschied in Würde ermöglicht und an ihm teilgenommen haben.




Zum Spiel möchte ich nicht viel sagen, ich freue mich über drei eminent wichtige Punkte, die die Startbilanz für Hansa recht ordentlich aussehen lassen: 7 Punkte aus drei Spielen, das kennen wir ja sonst ganz anders.
Die Spielberichte der Vereine: 1. FCS F.C.H.
Bonusspiel: Frauen, SV Elversberg U20 II – FC Bierbach 1:2, 30. August 2026, Betzental Stadion St. Ingbert, Verbandsliga
Zum Abschluss des emotionalen Spieltages „machen“ wir noch einen neuen Ground mit chilligem Ambiente, aus dem vor allem der Biergarten heraussticht, aus dem man schön Fussi gucken kann (passender Weise kommt doch eines der Teams aus Bierbach), alternativ steht eine vierstufige Tribüne, zum Teil mit Sitzschalen versehen, zur Verfügung. Besser geht es nach einem langen Fußballwochenende kaum, zumal es ein sehenswertes Spiel ist und die noch recht jungen Spielerinnen durchweg gut mit dem Ball umgehen können.
Originell ist die Lage des Platzes „zu Füßen“ einer Autobahn, die allerdings von dichtem Baumbewuchs verdeckt und kaum zu hören ist. Insgesamt eine sehr chillige Angelegenheit, geht da ruhig mal hin, wenn ihr in der Ecke seid.
Lieber Betzental als Betzenberg!

