SSV Jahn Regensburg – F.C. Hansa Rostock 2:1, 31. Oktober 2026, Jahnstadion, 3. Liga, 12. Spieltag
Der Weg ist das Ziel
Ich darf mich heute einer motorisierten Reisegruppe Rostock-Regensburg und zurück anschließen. Um die übliche Hanseator- Übernachtungsquote zu erfüllen, reise ich schon am Freitag nach Rostock, wo es am Samstagmorgen um 4 Uhr losgeht. Nach dem Spiel erwartet uns ein gediegenes Siegesbankett mit anschließender Übernachtung in Augsburg*, ich kann verraten: Dieser Programmpunkt übertrifft die Erwartungen in fast jeder Hinsicht. Der ausgebliebene Hansa-Sieg kann natürlich nicht den Gastgebern zur Last gelegt werden. Danke für den wunderbaren Abend.
Besonderer Dank gebührt unserem Reiseleiter für exzellente Planung, Vorbereitung, Organisation und nicht zuletzt für seinen überirdischen Einsatz am Steuer.
Serientäter. Das Spiel
Schon lange vor Reisebeginn bin ich beim Gedanken an diese Auswärtstour guter Dinge, Regensburg ist (war?) eines meiner liebsten Fußballreiseziele, und das, neben der touristischen Attraktivität, in nicht geringem Maße aufgrund sportlicher Gesichtspunkte: Es ist mein fünfter Stadionbesuch beim SSV Jahn, bei den vorherigen, von mir begleiteten, vier Gastspielen nahm Hansa insgesamt 8 Punkte mit, jeweils 4 in Liga 2 bzw. 3: zwei Unentschieden im alten Stadion 2011 (L3) und 2014 (L3) und zwei Hansa-Siege (3:0!) 2022 (L2) und 2025 (L3) im neuen. Von dieser positiven Grundstimmung konnte mich weder das Desaster im Heimspiel der vergangenen Saison noch unser aktueller Saisonverlauf abbringen. Wo, wenn nicht hier, soll die Rückkehr in die sportliche Erfolgsspur gelingen?
Das ist nun vorbei, meine Ungeschlagen-„Serie“ ist gerissen, Regensburg hat seine Unschuld verloren.
Eine andere, wenig erfreuliche Serie ist hoffentlich gerade nicht dabei, sich aufzubauen. Es wirkt, als wären wir dabei, ungewollt die viel beschworenen „Mechanismen des Geschäfts“ außer Kraft zu setzen: Wir tauschen den Trainer schon vor der Sieglos-Serie aus. Jetzt muss ich nur noch die Universal-Plattitüde „Ergebnissport“ dranhängen, und kann den denkbar hottesten Take in die Kommentarspalten rotzen. Feuer frei: Bekommen wir 2026 einen zweiten „Hansa-Herbst“?
Dabei läuft doch alles ganz solide, nachdem ich auf meinem Tribünensitz Platz genommen habe. Der Block auf der Westtribüne ist fest in hanseatischer Hand, der gut gefüllte Gästeblock gleich nebenan ist bestens aufgelegt und wird durchgängig seiner Favoritenrolle gerecht. Die Unterstützung der Mannschaft hält bis nach dem Schlusspfiff an, aufmunternde Worte des Vorsängers begleiten das Team in die Kabine. Aufgeben? Isnich! (Ich gebe zu, das fällt momentan von Spiel zu Spiel schwerer, aber wir wissen doch: „Ob in Freude oder in Schmerz …“
heute versperrt nicht mal ein USK-Filmteam die Sicht auf den Platz. Kurz, bevor die Mannschaft zum Aufwärmen auf den Rasen läuft, donnert, wie bei den erfolgreichen letzten beiden Besuchen Perkele’s „Heart full of pride“ aus den Boxen. Wir machen das schnelle 1:0.
Ich lehne mich zurück, läuft. Wie wir jetzt wissen, leider gegen den Baum.
Im hanseatischen Halbzeit-Fachgespräch auf „Smokey Island“ beschließen wir: Jetzt noch 40 Minuten Abwehrschlacht, dann wird Maxi Krauß eingewechselt und macht den Deckel drauf. So ähnlich kommt es beinahe, nur anders herum, es steht plötzlich 2:1 gegen uns, die „Abwehrschlacht“ liefert nun Regensburg und unterm Deckel stecken am Ende wir. Mann, Mann, Mann!
Die Spielberichte: SSV Jahn F.C. Hansa
Begegnung. Das Stadionheft
Am Einlass, gleich hinter dem Drehkreuz stehen zwei Jungs, so um die 9 bis 10 Jahre alt, und preisen die aktuelle Stadionzeitung (2 Euro) an, unter anderem mit der verlockenden, aber offenbar der kindlichen Phantasie entsprungenen Aussicht: „Wir können bis auf 20 Euro rausgeben.“ Ich schaue im Portemonnaie nach, da ist nur ein Fünf-Euro-Schein, ich habe kein Kleingeld. Der gewiefte Knabe mit der “Kasse“ entscheidet schneller, als der letzte MacRib aller Zeiten im Rachen des bajuwarischen Ministerpräsidenten verschwunden ist: „Dann bekommen Sie eben zwei Hefte“, verrechnet stillschweigend den verbleibenden Euro auf dem Provisionskonto, bedankt sich mit treuherzigem Blick, dann wünschen mir die beiden g‘scheiten Buam einen schönen Tag. 2-1 Regensburg im Vorspiel.
Und ich?
überlasse eine Zeitung einem anderen Hansafan im Block, meine bleibt nach dem Spiel auf meinem Sitz liegen. Hat sich für mich ja richtig gelohnt. Verrechnet es einfach mit dem nächsten Länderfinanzausgleich.





*Augsburg ist die Geburtsstadt von Bertolt Brecht, womit der Titel erklärt ist.
Ähm … und Goethe? Kommt aus Frankfurt/M. Das hat zwar nur wenig mit unserem Roadtrip zu tun („Ich hätte Lust, nun abzufahren.“), aber Johann Wolfgang geht immer. Alles für den Klick!