Hanseator

Musik & Fußball

Scheiße, wir haben den Ball

2 Kommentare

F.C. Hansa Rostock – Alemannia Aachen 1:2, 19. Oktober 2024, Ostseestadion, 3. Liga, 10. Spieltag

Zwischenbilanz Hansa in der 3. Liga 2024/25

Die Mannschaft

Zehn Spiele hat Hansa in der neuen Ligasaison bestritten, und was hat es gebracht?

2 Siege, 4 Unentschieden, 4 Niederlagen, das sind zehn Punkte. Aus zehn Spielen, ich muss das ständig wiederholen, damit ich es glaube: Ein Schnitt von 1,0. Auf die Saison hochgerechnet, wären das 38. Tja, mit dem 40-Punkte-Orakel will ich gar nicht erst anfangen, zumal dieser Mythos ja aus Ligen mit 18 Teams stammt, die „nur“ 34mal antreten müssen. Da kämen wir mit unserer aktuellen Quote auf 34, was in der letzten Saison immerhin für Platz 16, natürlich mit nachfolgendem Verkacken der Relegation, gelangt hätte. Von wegen 40.

Na ja, wisst ihr alles selbst. In unserer aktuellen Liga ist 16 der letzte Nichtabstiegsplatz, den feiern wir bekanntlich wie die Meisterschaft. Aber erst mal schaffen! Es ist zum Heulen.

Spielberichte:                 Alemannia                      Hansa

„Aufarbeitung“

Nach der Heimkehr vom Spiel gebe ich mir erst mal die Pressekonferenz. Meine Lieblingsphrase „endlich mal belohnt“ darf diesmal der Gästetrainer für sich beanspruchen, das sei ihm gegönnt. So völlig unverdient war der Auswärtssieg in meinen Augen nicht. Unserem Cheftrainer haben die ersten 20 Minuten nicht gefallen. „Nein! Doch! Oh!“, um einen legendären Filmdialog zu zitieren. Mich würde interessieren, ob erwogen wird, zielgerichtete Offensivaktionen bei eigenem Ballbesitz in den engeren Fokus zu nehmen.

Und dann unsere Standards (übrigens auch eine Art Ballbesitz)! Trauriger Höhepunkt ist ein flach (auf dem Rasen rollend?) in den Strafraum gespielter Eckball. Kann man natürlich auch mal machen, nur wurde das vorherige Signal des Ausführenden an seine Mitspieler wohl nur von den Alemannia-Verteidigern wahrgenommen.

Auch sonst versuchen wir natürlich alles, beschreiten dabei unorthodoxe Wege, wie z. B. ein Doppelwechsel, nachdem bei eigenem Rückstand schon die Hälfte der Nachspielzeit vergangen ist. Vom Kopfschütteln kann einem schwindlig werden.

Die kurze Zusammenfassung des übertragenden Pay-TV-Anbieters (auch bei YouTube zu finden) gibt mir endgültig den Rest. Der Kommentator klingt in seiner Sprechweise, als wähnte er sich in einer Hamlet-Aufführung, und zum Schluss meint unser sichtlich angefressener Kapitän im Feldinterview, das könne doch nicht „unser Anspruch“ sein, gegen Aachen wäre selbst ein Punkt schon zu wenig. Kleiner Tipp: Schau mal auf die Tabelle.

Der Fan

2 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen, macht 9 Punkte aus 7 Spielen in meinem Beisein. Quote und möglichen Platz in der Schlusstabelle dürft ihr gern selbst aus- und hochrechnen. Na gut, ich will nicht so sein: 1,29, das wären 48 Punkte. Es liegt statistisch also nachweislich nicht an mir. Denkt doch mal darüber nach, was euch meine Anwesenheit bei allen Spielen im Stadion wert wäre.

Stadionatmosphäre

Der Einstieg ins Spiel weicht heute etwas vom üblichen Ablauf ab. Nach Hansa forever verstummt die Südtribüne, mit einem Banner vor dem Block wird an den kürzlich verstorbenen Hansafan „Arti“ erinnert. Im Gästeblock wird dies nicht nur schweigend respektiert, sondern ein eigenes, gleichlautendes Banner gezeigt, eine bemerkenswerte Geste. Da sich das Publikum auf allen Tribünen dem Gedenken auch ohne Ansage durch die Stadionmoderation anschließt, entsteht spontan ein würdevoller Moment, bevor kurz, nachdem der Spielball ins Rollen gekommen ist, dann auch die Ränge loslegen.

Selbst der Gästetrainer findet in der schon erwähnten Pressekonferenz lobende Worte für den spielbegleitenden Lärm (ich hätte es beinahe „Roar“ genannt, aber das geht aus bekannten Gründen nicht) auf den Rängen, ich zitiere sinngemäß: „… in dieser Liga das Nonplusultra …, was da so von drei Seiten auf die Trainerbank zu rollt“.

Ich denke, das Kompliment darf man heute gern zurückgeben, die etwa 1500 „Öcher“ haben nach empfindlicher Störung der Anreise des Heimpublikums über die A20 durch ihren „Konvoi“, powered by Blaulicht, auch im Gästeblock einen richtig guten Auftritt hingelegt, waren, natürlich auch spielbedingt, schon ein spürbarer Stachel im Fleisch der hanseatischen Glückseligkeit. Sehr viel Besseres werden wir im weiteren Saisonverlauf möglicherweise nicht angeboten bekommen, aber ein paar Kandidaten kommen noch, ich will ja niemandem zu nahe treten.

Gemeinsam für die Flutlichtmasten

Auch heute weise ich gern auf die Spendenaktion der Fanszene Rostock hin, den Link zum Crowdfunding findet ihr rechts neben diesem Text in der Seitenleiste. Informationen zum aktuellen Stand der Gesamtfinanzierung und des Baugeschehens bietet ein Gespräch mit den Hansa-Vorständen Roman Velke und Günter Fett bei Hansa TV (YouTube), brandaktuell: Die Baugenehmigung ist eingegangen, ausführlicher in dem Beitrag. Lohnt sich anzuschauen.

In Saarbrücken und gegen Rot-Weiss Essen werde ich nicht vor Ort anwesend sein, den nächsten Beitrag zu Hansa gibt es hier voraussichtlich nach dem Spiel gegen Osnabrück.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

2 Kommentare zu “Scheiße, wir haben den Ball

  1. Avatar von wholelottarosie

    Also…Also, ich muss gestehen: Ich habe nicht so viel Ahnung von Fußball. Der einzige Grund, warum ich den „Kicker“ kannte, bzw. kenne, ist, weil ich auf dem Weg zur Kasse immer am Zeitungsregal vorbeilaufe. Aber dann kam ich irgendwann, als ich Berichte über Bruce- Springsteen-Konzerte suchte, irgendwie auf diesen Blog und las dann auch mal was über Hansa Rostock ( war mir bis dato völlig unbekannt)! Ich weiß nicht, ob es die kreativen Wortspiele, die herzlichen Anekdoten oder einfach die Leidenschaft des Verfassers sind – aber mittlerweile finde ich diesen Verein total sympathisch!

    Ich meine, wer hätte gedacht, dass ein Verein mit einem so maritimen Namen wie „Hansa“ nicht nur für Seefahrer-Geschichten steht, sondern auch für packenden Fußball?

    Wenn Hansa Rostock nicht so weit weg wäre (ich meine, ich habe schon genug mit dem Bus zu kämpfen), würde ich wahrscheinlich sogar mal ein Spiel besuchen. Vielleicht könnte ich ja einen Fan-Schnupperkurs machen: „Wie man mit einer Fahne schwenkt und gleichzeitig das Bier balanciert.“ Das klingt nach einer Herausforderung!

    Also, lieber Uwe, liebe Hansa-Fans da draußen: Macht weiter so! Euer Enthusiasmus hat selbst einen fußballtechnischen Laien wie mich erreicht. Wer weiß, vielleicht sitze ich bald im Stadion und schreie „Hansa!“ – während ich versuche herauszufinden, wo genau der Ball gerade ist. Bis dahin bleibe ich euer großer Fan aus der Ferne! ⚽️💙

Hinterlasse eine Antwort zu wholelottarosie Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..