Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Abschied und Aufstieg

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SG Dynamo Schwerin – FC Anker Wismar 1:0, 4. Juni 2022, Sportpark Paulshöhe, Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern, 30. Spieltag

Paulshöhe Schwerin – ein Name, ein Begriff. Hier bin ich als Kind so manches Mal … STOP! Mit rührseligen Kindheitserinnerungen kann ich leider nicht dienen, schließlich lebe ich erst seit knapp 20 Jahren in Schwerin. Und doch war mir der Name dieser Sportstätte mit der imponierenden Historie schon lange ein Begriff, bevor mich mein Lebensweg in der Landeshauptstadt heimisch werden ließ. Für mich war der Schweriner Fußball, gerade in der späten DDR-Zeit, mit verschiedenen Teams in der (2.) DDR-Liga verbunden, besonders aber mit einem Husarenritt der Dynamos durch die FDGB-Pokalsaison 1989/90, der die „kleine“ SGD bis ins Finale und nach einer knappen Niederlage gegen den DDR-Meister, die „große“ SGD sogar in den Europapokal brachte. Hatte ich mich noch köstlich über den Schweriner Viertelfinal-Erfolg gegen die „Größten der Welt“ (ihr wisst schon) amüsiert, verging mir das Lachen spätestens nach dem Halbfinale, als dann mein damaliger Lieblingsverein fällig war.

Meinen persönlichen sportlichen Frieden mit der Paulshöhe schloss ich viele Jahre später bei einem Turnier der Hansafans Schwerin 2017, in dem unsere Sveriner-Mannschaft einen sensationellen dritten Platz eroberte. Im Südtribünen-Fanzine wurde später gespottet, dass wir „alten Leute“ das nur dank der Mitwirkung sportlich fitter Söhne schaffen konnten, dabei bestanden doch alle gegnerischen Teams ausschließlich aus Söhnen.

Egal, im ersten Vorrundenspiel konnten wir die Suptras mit 1:0 schlagen, womit eigentlich schon das„Mehr-geht-nicht“ erreicht war und wir das Turnier hätten abbrechen können. Gut, dass wir das nicht gemacht haben. Nach einem 1:0 gegen Revolte zogen wir sogar ins Halbfinale ein, und wie! Noch heute träume ich manchmal, wie ich, an der Mittellinie freistehend, den Ball bekomme und nach ein paar Schritten in die gegnerische Hälfte hinein bemerke, dass ich es wohl nicht zu Fuß und mit Ball bis in den Strafraum schaffen werde, aus dem mir der Torwart bereits entgegen kommt, als ich mich an die alte Weisheit erinnere: Wenn du nicht weißt, was du mit dem Ball machen sollst, schieß ihn einfach ins Tor. Gedacht – getan, was für eine Flugbahn, Hanseator – Fußballgott! Seht ihr, Söhne, so wird das gemacht. Seit diesem Moment ist es unwiderruflich meine Paulshöhe.

Heute ist nun der Tag gekommen, an dem hier das letzte Pflichtspiel ausgetragen wird. Es ist Zeit für den Abschied. Dynamo empfängt am letzten Spieltag der Verbandsliga den FC Anker Wismar. Ein Punkt würde reichen, um den zeitgleich siegenden 1. FC Neubrandenburg im Fernduell um den Ligatitel auf Platz 2 zu verweisen. Ich mache es gleich kurz, vom Spiel selbst habe ich nicht viel mitbekommen. Dynamo gewinnt mit 1:0 und darf sich auf Spiele in der NOFV-Oberliga freuen, ein toller sportlicher Erfolg, der diesem traditionsreichen Stadion gut zu Gesicht  stehen könnte, woraus nun bekanntlich nichts wird. Es ist, wie es ist, auf Spiele gegen die Hansa-Amateure, den MSV Pampow und das Schweriner Derby gegen den FC Mecklenburg  auf dem „schicken“ neuen Nebenplatz im Sportpark Lankow darf man aus den vielfältigsten Gründen gespannt sein. 😊

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Bei aller Enttäuschung über den nunmehr unumkehrbaren Gang der Geschichte soll jedoch eines nicht zu kurz kommen, das ist die Freude über die wirklich gelungene, zu Herzen gehende Art und Weise, mit der die Fans der SGD, Freunde des Schweriner Fußballs und unzählige Gäste aus allen Himmelsrichtungen und aus unterschiedlichsten Fangruppen der Paulshöhe Lebewohl sagten. Knapp 2300 Menschen (zweitausenddreihundert!) haben diesen historischen Tag „auf der Höhe“ miterlebt und mitgestaltet. Wer sich ein ungefähres Bild davon machen möchte, kann dies mit dem Video einer Mecklenburger Hopper-Legende tun, viel Spaß dabei.

Mach’s gut, Paulshöhe.

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