F.C. Hansa Rostock – SSV Ulm 5:1, 11. April 2026, Ostseestadion, 3. Liga, 33. Spieltag
Neben dem Platz
Anstoß im Ostseestadion ist um 16:30 Uhr – was macht man nur mit dem langen Tag? Ausschlafen wäre eine Option, mal etwas völlig anderes. (Rentner verstehen diesen Scherz.)
Hatte ich zunächst nur vorgesehen, mal wieder ein Spiel der Hansa-Frauen zu besuchen, war dieses Vorhaben fast schon wieder verworfen, als in der Pressekonferenz vor dem Spiel der Profis entgegen der überall, z. B. fussball.de, verfügbaren Info erwähnt wird, dass nicht etwa im Volksstadion, sondern auf dem NLZ-Kunstrasen gespielt werden soll. Na da habe ich ja Bock drauf. Aber was soll’s? Die Mädels können ja nichts dafür. Wenn ich zeitig genug losfahre, kann ich sogar noch in Ruhe in der Trotzenburg dinieren.
Neuer Status am Freitag: Mein Lieblingshopper fragt, wie ich nach Rostock fahre, eine Frage aus gutem Grund: 11 Uhr ist Anstoß auf dem Uni-Sportplatz in Rostock, Kreisoberliga Warnow, UFC Arminia Rostock gegen FC Rostock United. Genial, erster neuer Ground des Jahres, noch dazu in perfekter geografischer Lage, die es mir ermöglicht, ohne unnötige Hast innerhalb von nur7 ½ Stunden einen lupenreinen „Dreier“, einschließlich Ortswechseln und solidem Mittagsmahl, und alles Zu Fuß, auf’s Parkett zu zaubern. Und die Fahrt mit der Bahn kann ich mir auch sparen. Goil, wenn ich das mal so salopp sagen darf.
Arminia gewinnt vor etwa 30 Zuschauern und einem Hund bei angenehmer Frühlingstemperatur und in tiefenentspannter Atmosphäre 2:0 gegen United, ein angenehm unspektakulärer Auftakt, gut für den inneren Frieden.
Friedlich geht es weiter, der Trotzenburgfüllstand hat um 13 Uhr, 3 ½ Stunden vor dem Anpfiff im Ostseestadion, ein angenehmes Level, so dass Essen mit Messer und Gabel problemlos ohne Ellenbogeneinsatz und Tischgespräche ohne Geschrei möglich sind. Das ist der einfache Friede, den schätze nicht gering. (Wer kennt es noch?)
Kurz vor Zwei komme ich am Kunstrasen vor der Geschäftsstelle an und stelle mich zu den Leuten am Gitter. Der „Andrang“ ist überschaubar, kein Wunder bei den Sichtbedingungen, wer tut sich das schon gern an. Die hätten doch wirklich im Volksstadion spielen können.
Plottwist: Als ich dicht genug am Geschehen dran bin und etwas klarer sehe, stelle ich fest: Das sind doch gar nicht die Frauen, gleichzeitig dringt spielbezogenes Geräusch aus Richtung Volksstadion an mein Ohr. Na sowas aber auch. Ist euch schon Vergleichbares passiert? Neue Challenge: Wer schafft es, länger ein Spiel zu sehen, ohne es zu sehen?
Mein Fauxpas lässt sich zum Glück umgehend korrigieren, ich bin sogar rechtzeitig am richtigen Ort, um das 1:0 für Hansa gegen die Zweite des 1. FC Union Berlin zu erleben. Die knappe Führung schafft es nicht bis in die Kabine, noch vor der Pause gleicht Union zur Freude eines kleinen mitgereisten Mobs (davon ein Fahnen wedelnder Solo-Supporter) aus, am Ende der 90 Minuten bleibt es beim 1:1, der erste Punkt für die Hanseatinnen im Jahr 2026 ist eingetütet, ich kann frohen Herzens hinüber ins Ostseestadion gehen, um dort meinen persönlichen Tagesdreier zu vollenden.
Spielbericht Hansa
Auf dem Platz
Jetzt aber nichts wie hinüber ins Ostseestadion. Bevor ich hineingehe, greife ich beim letzten Exemplar der „Greif zu“ vor der Nordtribüne zu, dann zieht es mich direkt zu meinem Stammplatz, die obligatorische Waffel auf der Westpromenade lasse ich wegen drohender Magenüberlastung nach dem üppigen Mittagsmahl heute weg, hoffentlich hat dieser Verstoß gegen die übliche Vor-Spiel-Routine keine negativen Auswirkungen auf den Spielausgang. (Spoiler: hat er nicht!)
Drinnen läuft alles wie immer ab. Erst kommen die Torleute, dann die Mannschaften auf den Platz.
Erneut werden mehrere lebenslange F.C.H.-Mitglieder begrüßt. Langsam wird es wohl auch für mich Zeit. Ich denke ja schon länger darüber nach. In meinem Alter klingt „lebenslang“ gar nicht mehr so unüberschaubar. Und mit meinem 20jährigen Mitglieds-Jubiläum Ende November drängt sich ja ein passender Anlass förmlich auf. Ich bin gespannt auf mich.
Kurzer Blick hinüber zum gelben „Aufstiegsfähnchen“ und weiter zum Gästeblock, dort werden später etwa 400 Spätzle Zeugen einer weiteren desaströsen Niederlage ihrer Mannschaft, wobei ich dieses Attribut in erster Linie auf das Ergebnis bezogen verstanden haben möchte. Spielerisch ist der Unterschied zwischen beiden Teams nicht so deutlich, wie sich das 5:1 anhört. Das sehen später in der Pressekonferenz auch beide Trainer so. Für Pavel Dotchev, dem ich aus tiefstem Herzen ein anderes Ende seiner Mission Ulm gewünscht hätte, ist das eher kein Trost, außerdem wüsste ich geeignetere derzeitige Drittligisten, die anstelle des SSV den Weg in die 4. Liga antreten sollten.
Aber bleiben wir bei uns: Die Tabellensituation ist nach wie vor hoffnungsvoll, dazu bleiben wir aber zum Siegen „verdammt“, Möglichkeiten zur Reparatur von „Ausrutschern“ gibt es nun praktisch nicht mehr, wenn wir aufsteigen wollen, geht das wohl nur noch mit Siegen, nicht nur Verlieren ist nun verboten.
Ausblick
Meine persönliche Planung sieht den Besuch aller noch verbleibenden Hansa-Spiele bis zum Saisonende vor. Das kann ja nur gut werden. Ich brauche dazu auch nicht jede Woche fünf Hansatore. Jedesmal drei Punkte sind auch ok.
Wenn alles gut läuft, kann ich vor dem Aufbruch nach „Schnüdelhausen“ noch den versprochenen Gastbeitrag von der Tour nach Verl veröffentlichen.