TSV Alemannia Aachen – F.C. Hansa Rostock 1:1, 2. Mai 2026, Tivoli, 3. Liga, 36. Spieltag
Gefährderansprache
Die Ticketbestellung für meinen Tribünensitzplatz (W4) hatte im Vorfeld reibungslos geklappt, auch mit der „falschen“ Postleitzahl, schön, dass es noch Vereine gibt, die die unsinnige pauschale Aussperrung nach Wohnort nicht praktizieren. Der nicht besonders dezente Hinweis auf dem Ticket, doch außerhalb der Gästeblöcke auf das Tragen der auswärtigen Farben zu verzichten, wurde einen Tag vor dem Spiel noch einmal bekräftigt mit einer Ankündigung per Mail: Tu es trotzdem, und du kommst hier nicht rein.
Bei Stadionöffnung beobachte ich, wie am Nordwesteingang tatsächlich ein paar Hanseaten, die es nicht gelesen haben oder glauben wollten, abgewiesen werden, aber lange halten die Öcher das offensichtlich nicht durch, es sind bei Spielbeginn schon einigeTrikot- und Schalträger im Block zu sehen, beim Führungstor reißt es eine relevante Menge aus den Sitzen. Das Leben (der Fußball) findet immer einen Weg. Gut so.
Wetter – Wetter – Wetter
Es ist mein zweiter Besuch im neuen Tivoli, zwischen beiden Spielen liegen 14 Jahre, beide Male sorgten Wettererscheinungen für Störungen im Spielablauf:
Am 19.02.2012 setzte etwa eine Stunde vor dem Anstoß Schneefall ein, der für eine dicke Schneedecke auf dem Platz sorgte. Zahlreiche Helfer jagten mit Schneeschiebern und Schaufeln kreuz und quer über den Platz und versuchten, schneller zu räumen, als von oben der Nachschub kam. Die Anstrengung hatte sich gelohnt, die drohende Spielabsage konnte abgewendet werden, das Publikum erfreute sich an einem öden 0:0 der schlechteren Sorte.
Ich war damals fest davon überzeugt, dass die Verantwortlichen vor Ort es nicht wagten, ich meine: übers Herz brachten, die etwa 1500 bis 2000 Hansafans in den dicht gefüllten Gästeblöcken einfach wieder – je nach Wohnort – 650 bis 800 Straßenkilometer zurück nach Hause zu schicken, vielleicht das kleinere Übel: Lieber 150 (?) schon vor dem Spiel erschöpfte ATSV-Helfer als 2000 übel gelaunte Hansafans. Ein schlechter Ruf kann auch Gutes in sich bergen, kommt auf die Perspektive an. Ich spreche seither vom „Aachen-Syndrom“.
Für Sky war bei diesem Spiel der unvergessene Ulli Potofski als Kommentator im Einsatz, den ich kurze Zeit später bei einem Besuch in unserem Sky Service Center in Schwerin persönlich kennenlernen durfte, wobei er sogar ein paar Minuten bei mir im Büro verweilte. Meine steile These ließ die Reporterlegende damals unkommentiert, immerhin hat er mir nicht widersprochen, was ja schon einem Ritterschlag nahekommt. Liebe Grüße nach oben, Ulli. ❤
2026 fängt es in der 1. Halbzeit an zu regnen, in seiner Intensität steht der Niederschlag dem von vor 14 Jahren nicht nach. Es kommen Blitz und Donner hinzu, eine kurze Unterbrechung ist unausweichlich. Als das Spiel weitergeht, ist die Drainage dem Ansturm der Wassermassen kaum gewachsen, wovon wir beim 0:1 durch Maxi Krauß sogar profitieren. Schließlich kommen wir aus Rostock, der Stadt am Meer.
Leider ist von unserem Seepferdchen-Bonus im zweiten Spielabschnitt nicht mehr viel übrig. Ein berechtigter Elfmeter (wer erinnert sich eigentlich noch ans Hinspiel?) wird verwandelt, die Gastgeber kriegen sich wegen eines obskuren „Rekordes“ gar nicht mehr ein: Das erfolgreichste Drittliga-Angriffsduo aller Zeiten spielt nun bei Alemannia Aachen. Gönnt euch! Gern noch ein paar Jahre mehr.
Spielberichte
Und nun?
Das war’s dann wohl. Es soll einfach nicht sein. Einmal mehr verfehlt Hansa das große sportliche Ziel, die besten Plan- und Rechenspielchen bleiben nun mal Makulatur, wenn der Eigenanteil nicht erbracht wird. Das ist umso bitterer, als die nun am Ende voraussichtlich erfolgreichen Konkurrenten um den Relegationsplatz sogar „mitgespielt“ haben. Na ja, es ist erst vorbei, … Ich habe leider vergessen, wie der Satz endet.
In diesem Sinne: Stuttgart weghauen, Saarbrücken zerpflücken, und dann dürfen wir zur Belohnung nächste Saison alle diese ätzenden, alles zersetzenden Endlostouren wieder antreten. Und nach Meppen! Ich kann das alles kaum erwarten.