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Musik & Fußball

Regen bringt Segen

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Wasted in Jarmen 2026, 5. & 6. September 2026

Ich könnte mich jetzt über Wettererscheinungen aufREGEN, bis der Endboss kommt, aber was/wem nützt das? Und so richtig neu wäre das ja auch nicht wirklich. In Ermangelung eigener künstlerisch wertvoller Produkte habe ich stattdessen unter Ausblendung jeglicher Genre- und Geschmacksgrenzen eine kleine, private Playlist erstellt, aus der ihr euch, wenn es sich anbieten sollte, bedienen könnt. DIY! Ihr findet sie am Ende dieses Artikels.

Ein „richtiger“ Report über das Wasted sprengt nach wie vor meine Möglichkeiten, ich werde mich also auf ausgewählte Momente und Eindrücke beschränken. Das wird dem Gesamtereignis und den vielen Beteiligten, auf und vor den Bühnen wie hinter den Kulissen, nicht gerecht, aber mehr ist bei mir derzeit nicht drin.

Donnerstag

Beginnen möchte ich mit dem Dank an meine liebe Gastfamilie, die mir in diesem Jahr sogar eine Couch zur Verfügung stellt, nie zuvor ruhte ich bei einem Festival bequemer. Erfolgreich „hochgeschlafen“, würde ich mal sagen.

Ich reise in diesem Jahr schon am Donnerstag an, damit ich auch wirklich beide Festivaltage komplett miterleben kann. Bei der Gelegenheit probiere ich gleich mal einen neuen Weg zwischen Quartier und Festgelände aus, mit besserer Sicht nach Einbruch der Dunkelheit, die Gefahr unheimlicher Begegnungen oder gar Kollisionen in der tiefschwarzen Nacht ist praktisch beseitigt.

Und kürzer ist die Strecke auch noch: Stellt euch (grob vereinfacht) ein rechtwinkliges Dreieck vor, bei dem ich fortan statt der beiden Katheten der Hypotenuse folge. Mathematik macht das Leben leichter. Solange man sie nicht an der Tafel erklären muss.

Der gemeinsame Pavillon von Nepalmed und Rostkloppers ist auch in diesem Jahr mein persönlicher „Rückzugsort“, wo ich zwischendurch Luft holen oder mal „einfach nur sitzen“ ( ©Loriot) kann.

Beim Wasted 2026 werden über die bereits laufenden Nepal-Projekte hinaus finanzielle Mittel zur Unterstützung der Nothilfe nach der schrecklichen Sturzflut vom 26. August gesammelt, per Geldspende, mit dem Verkauf von T-Shirts, Büchern und Tonträgern oder auch per Verlosung „Mäuse für Nepal“.

Es ist mir eine große Freude, dass ich mit der Weitergabe von alten Band-Shirts gegen Spende auch persönlich einen Anteil dazu beitragen und bei der Gelegenheit gleich noch etwas Platz in meinem Kleiderschrank schaffen kann. Danke an alle „Käufer*innen“!

Über das Spendenergebnis und die Verwendung der Mittel werden Nepalmed und die Rostkloppers in den nächsten Tagen auf ihren Kanälen informieren.

Donnerstag ist Kinotag, so war es, so ist es, und so wird es immer sein, da macht das beste Dorffest natürlich keine Ausnahme. Gezeigt wird der Dok.-Film„Im Osten was Neues“, der „Eichi“, einen Aussteiger aus der rechtsextremen Szene, und einige Spieler der von ihm betreuten Torgelower Freizeit-Fußballmannschaft FC Pio im Alltag begleitet. Regisseurin Loraine Blumenthal ist anwesend und beantwortet im Anschluss Fragen.

Was soll ich sagen? Es gibt den Film im ZDF-Streamingangebot zu sehen, nutzt die Möglichkeit, auch mal eine „andere“ Geschichte aus „dem Osten“ zu hören und zu sehen. Vielleicht klappt es ja mit der in der Runde spontan geäußerten Idee, „Eichi“ und seinen FC Pio zum nächsten Wasted zu begrüßen.

Screenshot ZDF Streaming

Freitag

Mein Tag beginnt an der Kieskuhle beim Bieryoga. (Aufgabe für Rätselfreunde: Sonnengruß mit fünf Buchstaben?) *

Hat hier jemand Frühsport gesagt? Für mich ist ja eigentlich das Aufstehen, also der Wechsel aus der horizontalen in eine vertikale Körperhaltung Sport genug. Einigen, nicht wenigen, Festgästen reicht das nicht, also geben sie sich am Strand der Kieskuhle einer besonderen Form der Morgengymnastik hin, deren Originalität darin besteht, neben der Wahrung des eigenen Gleichgewichtes ein offenes Getränkebehältnis zu balancieren. Wem dies ohne zu kleckern gelingt, die/der darf sich zur Belohnung am Ende jeder Figur einen Schluck gönnen, während sich das Gefäß am Ende des senkrecht über dem Kopf ausgestreckten Arms befindet. Liebe Kinder, probiert das bitte nicht zu Hause, wenn ihr keinen Ärger mit Mutti oder Vati bekommen wollt.

 *Lösung:Pr…t! Wisst ihr doch selbst!

Mit einem amtlichen „Bäuerchen“ (Dorffest, Diggi!) übernimmt Attic 109 auf dem Dach einer Feuerwehr für den ersten musikalischen Beitrag des Wochenendes. Die Jungs aus MV behandeln in ihren Zwischentexten besonders die zu erwartende Wetterlage, Hinter mir stimmt jemand an: „Es regnet nicht genu-hug!“, womit die „Agenda Jarmen 2026“ gesetzt ist. Danke dafür!

Ortswechsel: Traditionell beginnen die „offiziellen“ Feierlichkeiten beim Jarmener Dorffest in der „Biberburg“, dem Kinder- und Familienbereich des Wasted, mit dem interaktiven Event „Singen mit Hauke“, das ich in den letzten Jahren aufgrund meiner Anreise am Freitagnachmittag immer verpasst hatte. Dieses Versäumnis kann ich ja nun endlich korrigieren, und es wird mir auch in Zukunft nicht mehr unterlaufen. Nach Dehn- und Lockerungsübungen für Lippen, Zunge und Stimmbänder gelingt es mit Songs von Queens of the Stone Age bis FSF zwar nicht, die Sonne zum Verweilen zu bewegen, aber ein bisschen wird es wenigstens sporadisch „da hinten hell“.

Da hinten wird es hell…

Eine kleine Kostprobe kann ich für die Nachwelt festhalten:

Schnell zurück zum See, auf der dortigen Bühne begrüßt Monchi den einhundertjährigen Andrei Moisseenko aus Minsk, ein Überlebender des faschistischen Konzentrationslagers Buchenwald, der aus seinem Leben erzählt, über Zwangsarbeit und Lagerhaft, wie es ihm nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion erging und wie er heute sein Leben als Selbstversorger meistert. Beeindruckend finde ich, wie es Andrei gelingt, auf die schrecklichen Dinge in seinem Leben ohne späte Rachegedanken zu blicken, er liebt es einfach, am Leben zu sein. Am Abend wird es noch ein großartiges Wiedersehen und -hören auf der Hauptbühne geben.

Am Nachmittag feiert Korken, ein neuer Stern am vorpommerschen Hiphop-Himmel, seinen ersten öffentlichen Live-Auftritt. Es kommen eigene Songs zu Gehör, die vom jungen Künstler wahlweise zwischen „mit Inhalt“ und „auf die Fresse“ angekündigt werden, es geht um „Tequila Mittwoch“, „Schönster See der Welt, „Ein bisschen Empathie“ und vieles mehr. Seine Songs sind auf allen gängigen Plattformen zu finden, schaut nach „KØRKEN“.

Eine Anmerkung noch: Der Künstler ist 2017 schon einmal beim Wasted aufgetreten, nämlich als Zauberer. Ich fand damals:

… spätestens bei der deutlichen Ansage des jungen Magiers an seine Mutter, bitte die Zwischenrufe zu unterlassen, wird deutlich: Da wächst wohl die nächste „Rampensau“ im Hause Gorkow heran.

Wasted 2017

Da habe ich wohl Recht behalten. 😉

Als Geste der Dankbarkeit übernehme ich während des FSF-Gigs die „Sturmwache“ im Nepal-Pavillon, der Wind hatte schon „ein wenig“ die Aufbauten ins Wackeln gebracht. Also muss jemand dableiben, der wenigstens Hilfe holt, wenn es gefährlich werden könnte. Das übernehme ich gern, mir ist das Gewusel vor der Bühne sowieso manchmal zu dolle, seit ich meine Moshpit-Ära hinter mir gelassen habe.. Nun also – ihr wisst schon: Einfach hier sitzen und schön in Ruhe das Konzert hören. Und die anderen können vor der Bühne eskalieren. Geben und Nehmen.

Zwei Highlights bleiben vom Konzert bei mir haften:

Es gibt endlich mal wieder „Solange es brennt“ für mich live, meine unangefochtene Allzeit-Nummer 1 im Feine-Sahne-Gesamtwerk.

Und natürlich ist es sehr bewegend zu hören, wie Andrei Moiseenko bei „Wenn’s morgen vorbei ist“ das Mikrofon übernimmt.

Sonnabend

Das ist bei mir traditionell der wortlastige Tag, ich besuche den Gottesdienst mit Justus Geilhufe, nach dem Segen folgt wieder Regen (sorry, ich kann nicht widerstehen, den zu bringen).

Weiter geht es mit Prof. Dr. Mathias Quent und Katharina König-Preuß (MdL Thür.) zum Thema „Keine Macht der Ohnmacht“, Wege zur Bewältigung der Krise. Ein Buch zur rechten Zeit“, wie es in der Literaturkritik (etwas zu?) oft, aber hier auf jeden Fall zutreffend, formuliert wird.

Am Nachmittag betätige ich mich weitgehend als Regenschauer, (Hammer Wortwitz, oder?), diesbezüglich gibt es ja auch eine Menge zu schauen. In den kurzen, seltenen Phasen, wenn nur noch ein paar Tropfen von den Blättern kommen, „springe“ ich von Bühne zu Bühne zu Bühne, hier sind ein paar Schnappschüsse davon:

Das war’s dann von meiner Seite. Ist doch mehr geworden, als ich gedacht hätte, bisschen oberflächlich, vielleicht schaffe ich es nchstes Mal, mich etwas besser zu organisieren,

Abschließend noch einmal herzlichen Dank an alle, die das Wasted zu dem machen, was es ist.

Lieder, unterm durchgeweichten Zeltdach zu singen, Edition Jarmen 2026 (Auswahl)

Singing in the Rain (Gene Kelly)

It’s raining again (Supertramp)

A hard rain’s a-gonna fall (Bob Dylan)

Raindrops keep falling on my head (B.J. Thomas)

Listen to the rhythm oft he falling rain (The Cascades)

Have you ever seen the rain? (C.C.R.)

No Rain (Blind Melon)

Verdammt! Und dann stehst du im Regen (Wolfgang Ziegler)

Als der Regen niederging (Holger Biege)

Regen in der Nacht (Michael Hansen)

Regen stört uns nicht (Monika Hauff & Klaus-Dieter Henkler)

She’s like the wind (Patrick Swayze)

Ride like the wind (Christopher Cross)

The wind cries Mary (Jimi Hendrix)

One way wind (The Cats)

Against the wind (Bob Seger)

Blowing in the wind (Bob Dylan)

Stormbringer (Deep Purple)

Stormfront (Billy Joel)

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