Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

„Spiel“ ohne Grenzen?

29 Kommentare

Endlich ist es vorbei und alle können sich wieder auf Fußball konzentrieren.

Ist es so? Schön wär’s.

Schauen wir in die noch nicht ganz so ferne Vergangenheit zurück. Am letzten Spieltag der Saison 2009/10 trat der FC Hansa in Düsseldorf an. Das Spiel endete mit einer 1:3-Niederlage, die Begegnung wurde überschattet von schweren Ausschreitungen im Gästeblock, insbesondere wegen des wiederholten Abfeuerns von Leuchtraketen in Richtung anderer Blöcke und auf den Platz sowie des Zündens von Böllern wurde das Spiel gleich zu Beginn für mehrere Minuten unterbrochen und auch am Ende vorzeitig abgepfiffen.

In meinem Bericht auf hansafans.de schrieb ich damals unter anderem:

Ich kann mir momentan nur schwer vorstellen, dass unsere Fanszene aus eigener Kraft in der Lage ist, aus dieser Situation herauszukommen. Den „Aktiven“ scheint die Kontrolle im Block mehr und mehr zu entgleiten, es wurde eine Entwicklung losgetreten, die wohl nicht mehr beherrscht wird. („Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht mehr los.“)

Inzwischen wird deutlich: Die Kontrolle innerhalb der „aktiven Fanszene“ scheint nicht zu entgleiten, sie ist, wenn es sie überhaupt je gegeben hat, entglitten oder aber liegt in den Händen von Geistesgestörten. Das Kind liegt im Brunnen. Die Entwicklung ist über die Jahre völlig aus dem Ruder gelaufen und gipfelt mittlerweile regelmäßig in Vorfällen wie zuletzt wieder rund um das Spiel gegen den FC St. Pauli.

Was haben sich alle auf die Zweitligasaison gefreut, mit packenden, emotionalen Spielen gegen alte sportliche Rivalen, mit Traditionsvereinen und starken Fanszenen wie Eintracht Frankfurt, Dynamo Dresden, Union Berlin und – ja, auch die – St. Pauli. Natürlich war kaum jemand so blauäugig zu glauben, dass all diese Spiele völlig ohne unerwünschte Begleiterscheinungen über die Bühne gehen könnten, aber ein kleines bisschen Hoffnung auf menschliche Vernunft und ein Minimum sozialer Verhaltensweisen musste doch erlaubt sein. Aber schon Goethe wusste: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“

Es geht mir hier nicht um ein paar Bananen, die Idee als Reaktion auf das Vor-Spiel-Geplänkel mit dem berühmten Titanic-Titelbild von „Zonen-Gabi“ und ihrer Gurke war sogar ziemlich originell. Ein kurzer Bananenregen zu Beginn wäre als witzig durchgegangen, trotz oder vielleicht sogar wegen des großen Wehklagens der P.C.-Fraktion über „Missbrauch von Lebensmitteln“. Es geht auch nicht um ein paar brennende Schals, man muss das nicht gutheißen, aber eine Rostocker Erfindung ist auch das beileibe nicht. Aber wenn praktisch über das ganze Spiel verteilt immer wieder Bananen fliegen und fast durchgängig Schals und Shirts brennen, beweist das nur, dass jedes Maß völlig verloren gegangen ist.

Das gezielte Abfeuern von Signalraketen mitten in eine dicht gedrängt stehende Menschenmenge hinein, begleitet von zustimmendem Gejohle und begeistertem Applaus einer sichtbaren Mehrheit des Publikums, setzt allem die Krone auf. Natürlich verbietet sich die Gleichsetzung mit unrühmlichen Rostocker Ereignissen der 90er Jahre, vergleichen darf und muss man die Verhaltensmuster der Beteiligten durchaus. Dabei tun sich erschreckende Parallelen auf, die niemandem, dem das Wohlergehen und Ansehen des FC Hansa wie auch der Stadt Rostock etwas bedeuten, gleichgültig sein dürfen.

Spiele des FC Hansa Rostock werden inzwischen fast immer als Risikospiele deklariert, auswärts sowieso, aber zunehmend auch im heimischen Ostseestadion. Die Freude auf packende sportliche Duelle auf dem Rasen und lautstarke Gesangsduelle auf den Rängen ist längst verdrängt worden von einer alles überlagernden Feindseligkeit – wir lassen uns das Hassen nicht verbieten. Eine noch vor wenigen Jahren für ihre Kreativität und lautstarke Vielfalt weithin geschätzte Fanszene zerfrisst sich Woche für Woche in erstarrten Hass-Ritualen nach vorhersehbarem Ablauf, die den Fußballsport zur Nebensache machen. Kritische Geister, die der schleichenden Gleichschaltung im Wege standen, wurden unter dem scheinheiligen Motto „Keine Politik im Stadion“ gnadenlos ausgegrenzt und brutal vertrieben.

Wenn es dann gekracht hat, sind meist schnell „Probleme der Gesellschaft“ als Ursache zur Hand, wie ja auch das Publikum ein angebliches Spiegelbild der Gesellschaft ist. Wenn damit eine schlechte Kinderstube oder die Unfähigkeit, elementare Regeln des menschlichen Zusammenlebens zu befolgen, gemeint ist, lässt sich das wohl nicht abstreiten. In der Regel war aber die öffentliche Entrüstung auch in weiten Teilen des eigenen Lagers groß – zuletzt erst nach dem Spiel bei Eintracht Frankfurt. Wenn es gegen St. Pauli geht, ist dann aber plötzlich alles akzeptabel, oder warum sonst applaudieren gefühlte 80 % des als „normal“ geltenden Tribünenpublikums bei jedem erfolgreichen Einschlag eines Geschosses?

Man muss den FC St. Pauli nicht mögen, man muss sich nicht mit seinen Anhängern abgeben, wenn man deren Ansichten und ihre Art, Fußball zu (er)leben, oder die ihnen exklusiv nachgesagte „Politisierung“ des Sports nicht teilt. Es steht jedem frei, sie dafür zu verachten und ihnen alles Schlechte zu wünschen, Aktionen wie am letzten Wochenende lassen sich damit aber nicht erklären oder gar rechtfertigen.

Wie soll es nun weiter gehen? Auf den FC Hansa kommen schwere Sanktionen zu, das dürfte klar sein. Wahrscheinlich ist es, um noch größeren Schaden abzuwenden, das Vernünftigste, beim Rückspiel auf das Gästekartenkontingent zu verzichten. Wenn es für sie gut läuft, steigen die Hamburger nach der Saison wieder auf, wenn es für uns schlecht läuft, müssen wir wieder in die 3. Liga, beide Optionen hätten den kleinsten gemeinsamen Nenner, dass zunächst erst mal keine weiteren Spiele gegeneinander stattfänden, momentan wäre wohl niemand wirklich traurig darüber. Aber das kann es doch auf Dauer auch nicht sein.

Vielleicht ist selbst zwischen so gegensätzlichen „Welten“ ja auch so eine Art friedliche Koexistenz möglich, wie sie in den 80er Jahren zwischen Ost und West praktiziert wurde, nur ohne gleichzeitiges Wettrüsten? Das müsste doch zu machen sein, es ist und bleibt doch am Ende ein SPIEL!

P.S.

Ich habe bewusst alle etwaigen „Ultra-Gesichtspunkte“, die bei der Bewertung der Vorfälle sicher auch noch zu berücksichtigen sind, ausgeklammert. Ich bin selbst kein Teil dieser jugendlichen Subkultur, obwohl ich durchaus gewisse Sympathien für viele ihrer Erscheinungsformen hege. Ich bin nicht nah genug dran, um die „Gesetze“ dieser Bewegung – geschriebene wie ungeschriebene – zu kennen, und wahrscheinlich auch schon zu alt, um sie in ihrer Komplexität zu verstehen, vielleicht sogar verstehen zu wollen. Inwieweit die Rostocker Ultras mit ihrer Hauptgruppe Suptras den eigenen Idealen noch entsprechen oder was ihre Ideale noch mit dem ursprünglichen Ultra-Gedanken zu tun haben, muss die Szene selbst beantworten.

29 Kommentare zu “„Spiel“ ohne Grenzen?

  1. Pingback: Zündelnde Chaoten – Jubelnde Idioten | Der Hönower

  2. Schön, dass es besonnene Hansafans gibt, die sich zudem auch noch in der Öffentlichkeit zu Wort melden.
    Wir werden am kommenden Freitag wieder den Gästeblock füllen. Und hoffen auf ein friedliches, respektvolles trotzdem emotionales Fußballspiel!

  3. Danke für deinen guten Kommentar zur Sachlage in Rostock. Ich sehe das ähnlich. Wenn man aber die Arbeit der unterschiedlichen Fanforscher und sozialpädagogischen Fanbetreuung ernst nimmt, und das sollte man wohl tun!, dann kann die Konsequenz nicht erneut die Kollektivstrafe sein. Diese führt doch wieder nur zu einer Solidarisierung innerhalb der Szene mit den Straftätern(ja, so muss man sie bezeichnen und behandeln!). Stattdessen muss gezielt gegen die einzelnen Straftäter mit harten Strafen vorgegangen werden, um tatsächlich mögliche Sympathisanten abzuschrecken und diese Kriminellen aus die Stadien raus zu bekommen. Pyro auf Menschen zu schießen, nimmt in Kauf, dass diese lebensgefährlich getroffen werden. Wenn das nicht vorsätzlich gefährliche Körperverletzung ist, dann zumindest fahrlässige. Diese Täter zu identifizieren sollten doch angesichts heutiger Hight-Security-Arenen kein Problem sein.

  4. Denke diese Worte sprechen tausenden aus der seele…..

  5. DANKE, einfach nur DANKE!

  6. Respekt, ein sehr guter Beitrag!!! Danke dafür!

  7. Hut ab! Alles richtig. Das ist unter anderem der Grund, weshalb ich nach 18 (!!!) Jahren als NDR Hansa Reporter jetzt lieber den NDR Angelreporter mache.

  8. Vielen Dank für diesen großartigen Blogeintrag. Er spricht genau das aus, was ich, und ich hoffe sehr viele weitere Menschen auch, ebenfalls denken.

    Ich habe ihn mal geteilt und hoffe, dass ihn noch mehr lesen und hoffentlich auch ein wenig zum Nachdenken anregen.

  9. Auch mir (aus dem Fan-Lager der Eintracht Frankfurt) gefällt Dein Kommentar zur (nicht nur in Rostock) aktuellen Situation sehr gut. Wir müssen allerdings die Vorkommnisse in den Stadien sehr differenziert betrachten: DFB/DFL, Medien, Ultra-Gruppierungen und sinnbefreite Idioten bilden vier miteinander unversöhnliche Fronten – alle auf einen gemeinsamen Nenner zu bekommen ist schier unmöglich. Was dem einen nutzt, geht auf Kosten des anderen (z.B. Vorschlag zur Abschaffung der Stehplätze, s. ‚Englische Verhältnisse‘).

    Ein Kapitel streifst Du leider zu kurz: Meines Erachtens sind es durchaus gesellschaftliche Probleme, die die zu beobachtende Eskalation hervorbringen: Fehlende Moralvorstellungen, Aggression, mangelnde Mitmenschlichkeit, verfehlter Witz* („Bomben auf Dynamo“) und unbegründete Gewaltausbrüche sind nun mal kein spezifisches Merkmal bei Fussballspielen, sondern alltäglich überall zu beobachten. Oder liege ich da falsch?

    LG Hackentrick

    *Ob das beim Auswärtsspiel in Dresden unbedachte Ironie oder dümmlichste Provokation seitens meiner ‚Adler‘ war, ist bis heute ungeklärt

    • Mein Reden! Es ist absolut ein gesellschaftliches Problem. Außerhalb eines Stadions werden behinderte Menschen an Bahnhöfen angegriffen, ältere Menschen überfallen, Menschen die herbei eilen um zu schlichten werden ins Krankenhaus geprügelt. Die meisten Menschen schauen ja schon fast gar nicht mehr hin (lediglich um derer Sensation-Gier zu stillen). Die pure Gewalt im Fußballstadion sieht anders aus, aber es bleibt pure Gewalt. Und neulich in Rostock wurde es Kriegsähnlich. Das hat dann wieder etwas von einer neuen Dimension, obwohl man denken könnte, schlimmer als in den letzten Wochen und Monaten kann es doch nicht werden… Rostock zeigt… doch!

      Ich bin auch ganz bei Dir, was die „vier miteinander unversöhnlichen Fronten“ angeht. Zeigt mir, man muß viel tiefer rein gehen in dieses Thema. Auch dafür muß es Lösungen geben! Wie soll´s denn sonst weitergehen? Englische Verhältnisse (Ticketpreise), um die Gewalt erst einmal aus dem Stadion zu ziehen, um dann im nächsten Schritt Polizeistaat-ähnlich alles vor dem Stadien „regeln“? Die Polizei wird sich schön austoben.

      Das Problem der Gewalt in unserer Gesellschaft kann m.E. auch nur von der Gesellschaft gelöst werden.

  10. Sehr schön dargelegt. Schade nur, dass man als Außenstehender den Eindruck bekommt, dass du mit solchen Ansichten in Rostock einer exklusiven Minderheit angehörst. Und wird das ganze dann zum Problem. Es scheinen bei euch an der Küste nicht mehr nur einige wenige zu sein, die den Fußball in Misskredit bringen. Insofern muss man fast eben wieder zur Kollektivstrafe greifen. Leider.

  11. Guter Kommentar! Allerdings bezweifle ich, Zitat: „…dass zunächst erst mal keine weiteren Spiele gegeneinander stattfänden, momentan wäre wohl niemand wirklich traurig darüber. “ Ist das wirklich so? Angesichts der Reaktionen der Zuschauer in der Arena auf den Beschuss des Gästeblocks, muß ich doch davon ausgehen, dass die meisten Leute scheinbar ihren Spaß an diesem Wahnsinn hatten.

  12. Bin nicht in allem einig, z.B. was die „originellen“ Bananen angeht oder die „noch vor wenigen Jahren für ihre Kreativität und lautstarke Vielfalt weithin geschätzte Fanszene“ von HRO … Aber insgesamt finde ich (als St. Paulianer), gut, was du schreibst – und dass du es schreibst. Reflektierte und gut geschriebene blau-weiß-rote Selbstkritik – wer Highlights wie das „In Arsch … Ihr Homos“-Plakat erleben durfte, das unbehelligt durch Ordner von vermummten Kreativdirektoren der Eventagentur „Feuer und Flamme“ in der Pufferzone zwischen eurer „Süd“ und unserem Block aufgehängt wurde, kommt da aus dem Staunen nicht mehr raus. Wie mutig ist das, als Hansa-Fan zu sagen, was du sagst? Keine rhetorische Frage, kann das nicht einschätzen. So oder so Respekt.

  13. Einer Deiner besten Texte und einer, der mir aus der Seele spricht! Vielen Dank!
    Ich hoffe auf die Einkehr von Vernuft, soweit diese beim Fussball möglich ist, auf unendliche Freude, Tränen, Gänsehaut, Empörung (gerne über den Schiri), Sangesfreude, ein Meer von Schals, Stehplätze, vernüftige Anstoßzeiten und reichlich Auswärtsabenteuer und natürlich Deine Berichte darüber. Das wäre toll!
    Danke!

  14. Pingback: Hansa Hilflos | Du Gehst Niemals Allein

  15. Pingback: Die Kogge ist in Arsch… | Übersteiger-Blog

  16. Bravo für diesen sehr guten Beitrag. Auch wenn ohnehin jedem klar ist, dass sicher nicht alle Rostocker Anhänger die oben beschriebenen Untaten zu tolerieren bereit sind, ist es wichtig, dass solche Stimmen publik gemacht werden und dass Fans von HRO deutlich machen, dass sie das nicht mehr weiter tatenlos mit ansehen können. Das schon rituelle Schulterzucken der Vereinsführung von Hansa, die einfach behauptet, da nicht gegen vorgehen zu können, ist einfach nur noch beschämend für alle Beteiligten.

  17. Ich möchte fast den Glauben verlieren, dass es in Rostock mehr solch´ selbst reflektierender Menschen gibt. Aber Rostock hat doch sicher auch seine 200-300 tausend (weiß nicht, vielleicht auch 500tausend) Einwohner. Und so gern ich, aufgrund der Bilder von den anderen „Normalo“-Tribünen, alle pauschalisieren möchte, so zeigt mir dieser gute Beitrag… Ich kann nicht pauschalisieren!

    Respekt für Deinen Beitrag.

    Mich würde auch die Antwort auf die Frage von Gegengeraden-Gerd sehr interessieren.

  18. @ Heinz Galling (wenn Sie es denn wirklich sind): Wir haben uns in Schwerin schon gefragt, wo Sie eigentlich geblieben sind! Danke für den Kommentar (auch wenn es natürlich nicht schön ist)!

  19. Also wirklich ganz vortrefflich formuliert mein bester! Ich habe den „Gefällt mir“-Button extra fest angeklickt, um damit meine Unterstützung auszudrücken, denn auch ich bin sprachlos über die Ereignisse vom Spieltag! Jetzt kann also nichts mehr schiefgehen und alles wird gut! Wenn man hinterher nur jedesmal so viel wischiwaschi-Scheißdreck wie von Dir hier zu lesen bekäme – das wäre was feines! Wir haben zwar alle keinen Einblick und nullkommanull zu tun mit der Hansaszene (was Du ja zum Schluss auch zu bemerken scheinst), aber hey – wenn man schonmal nen eigenen Blog hat, dann muss mensch den ja auch vollkäsen und sich über Tausende Fans das Maul zerreißen… Wenn man dann auch noch Zustimmung von so vielen angenehmen und anständigen Leuten von überall her bekommt, dann hat sich das stundenlange Schreiben ja wirklich gelohnt! Und das beste ist: man hat auch ein Stückchen die Welt verändert oder etwa nicht? Leute, wie Du, die sowas schreiben (können) und Leute, die das gut finden können doch mit ihrem weiten Horizont und ihrem großen Intellekt sich so lange selbstreflektieren, bis die ganzen Chaoten von der ganzen Reflektion regelrecht geblendet werden. Dann knallt es garantiert nie wieder!

    Danke! Ein ganz großes Danke!

  20. Pingback: „Spiel“ ohne Grenzen? « fussball von links

  21. Auch wenn ich als St. Pauli Fan den Glauben auf beiden Seiten fast verloren hab, bin ich auch wirklich froh, dass es noch Menschen mit genug Reflektion und gesundem Menschenverstand gibt, die die Dinge richtig, reflektiert und sachlich sehen.
    Ich kann nicht abstreiten, dass ich selbst viele Vorurteile gegen ueber Hansa Fans habe, aber auch auf der anderen Seite weiss, dass diese durchaus nicht der Mehrheit entsprichen.
    Aehnlich sieht es ja auch bei uns aus.
    Und aufgrund einer Diskussion, gefuehrt nach dem Spiel mit einem Freund aus Rostock ein abschliessender Kommentar:
    Rivalitaet gehoert dazu und ist auch gut, dieser aeussert sich aber teilweise nur noch in purer Gewalt und Hass, das darf nicht sein, egal auf welcher Seite!

  22. Vielen Dank für diesen Beitrag.
    So richtig, so wichtig und zeigt er doch, dass es noch mehr Leidensgenossen gibt.

    Ich frage mich schon lange, was aus unserem (!) FCH geworden ist. Ich sah ihn immer als Opis-mit-Prinz-Heinrich-Mützen-Verein. (Das ist gar nicht despektierlich gemeint, so war meine Wahrnehmung mit sieben, acht Jahren.) Die Zeiten sind vorbei. Lange vorbei.
    Um ehrlich zu sein, wundert es mich, dass der mediale Aufschrei erst jetzt kommt. Schon die Szenen vom Spiel bei der Eintracht waren mehr als erschütternd. Dort hat bereits die breite Masse gejubelt.

    Morgen wäre „mein“ Spiel gewesen, was man am Nickname ja ablesen kann. Doch freuen kann ich mich nicht. Nicht, weil ich am liebsten für beide Vereine drei Punkte hätte, sondern weil ich um Hansa Angst habe. Man kann mich Verräter nennen, aber zu mir gehören beide Vereine.

    Ein gesellschaftliches Problem ist es bestimmt, aber kann das die Antwort sein? Warum sammeln sich gerade soviele Leute bei uns? Warum ging es so rapide bergab? Warum hat anscheinend ein so großer Teil der Leute das Anspruchsdenken, die „wahren Fans“ zu sein und selbst auf andere Vereinsmitglieder herabzusehen?

    Ich weiß weder Rat noch Lösung. Dazu kann ich zu selten im Stadion sein, was auch anderen auswärtigen Verwandten und Freunden genauso geht…Vielleicht hat auch gerade das dazu beigetragen…

    Traurig.
    Traurig, ich habe Angst um diesen Verein.

  23. Er steht da nicht allein! Ich als Hansafan kann ihn da nur in seiner Meinung unterstüten. Ich war erschüttert, selbst Familienväter jubelnd über die Raketeneinschläge zu sehen. Ich habe mich geschämt für diese Hansafans. Ich war schon erstaunt, wer alles ins Stadion gefunden hatte. Es war ja nach langer Zeit wieder ausverkauft. Aber was dann abging, abartig! In dieser Situation ist man ohnmächtig! Schreit nur seine Wut heraus, die aber irgendwie ungehört durch die Massen verschluckt wird.

    Ich möchte mich hier auch nochmal entschuldigen, dass dieser unmögliche Eindruck eines Hansafans entstanden ist und keiner wirklich sofort reflektiert hat, was da geschah. Ich hoffe nur, mein Hansa Rostock wird wieder das was es einmal war. Auswärtsfahrten ohne Viehtrieb. Stimmung, die ausschließlich dazu da ist, die Mannschaft nach vorn zu treiben und erfolgreicher Fußball. Wobei das letzte fast schon zur Nebensache geworden ist, obwohl es an Nr. 1 stehen müsste.

    Sorry noch einmal an alle. Ich werde in Zukunft meinen Mund noch öfter aufmachen.

  24. Mirko der Dorfwürger ’s Kommentar spricht doch Bände. Wie kommt jemand zu solchen Aussagen? Das Feindbild Gutmensch; immer weiter verbreitet unter einkommensschwachen Schichten. Irgendwie zwar verständlich, aber auch erschreckend. Diese Randalis wollen sich dem Verständnis der alles Verstehenden ja gerade entziehen. Sie wollen irrational gewalttätig sein, damit eben kein hochpädagogischer Gutverdiener daherkommen und ihr Verhalten erklären kann. Sie wollen sich abgrenzen, ihren Protest kundtun und sehen dafür in Gewalt, in der Zerschlagung der achso friedfertigen, bürgerlichen Fußballguckidylle die letzte und einzige Möglichkeit. Sie sehen ihre Realität durch deren Gelaber nicht abgebildet. Sie fühlen sich missachtet, ausgehöhlt, im Stich gelassen. Und in gewisser Weise haben sie Recht. Sie leben in einer anderen Gesellschaft. einer Parallelgesellschaft, sind daran aber nicht ganz unschuldig.
    Wir haben als Gesellschaft einiges aufzuarbeiten. Die Wahrheit liegt eben doch auf dem Platz. Wenn auch auf seinen Rängen. Je weiter wir die Einkommens- und Vermögensschere auseinander gehen lassen, desto weniger brauchen wir uns über derartige Auswüchse in bald wohl nicht mehr nur unseren Stadien zu wundern, denn der Graben wird immer größer. Er wirkt jetzt schon unüberwindbar. Verhärtete Fronten? Ich sehe eher unterschiedliche Kommunikationsebenen. Die einen wollen den Kompromiss, die anderen sind des Laberns überdrüssig. Ständig wird ihnen Verständnis vorgeheuchelt, aber niemand tut etwas für sie. Nur nach härteren Strafen für ihr Verhalten (für die ich meinerseits übrigens entschieden plädiere) wird gerufen. Parallel zu angemessener Bestrafung (von der wir noch weit entfernt sind) aber muss der gesamtgesellschaftliche Versuch unternommen werden, diesen Graben mit etwas auszufüllen. Bestenfalls wieder mit der gemeinsamen Liebe zum Spiel.

  25. Pingback: Links der Woche #14 « Es lebe das Laster!

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