Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Wasser und überall Wasser

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Zweiter Tag, 28. November 2015

Tomatin Distillery & Loch Ness mit Urquhart Castle

Der Sonnabend startet mit einem fürstlichen Frühstück im Hotel. Das umfangreiche, vielfältige Angebot haut mich regelrecht vom Hocker, in stillem Gedenken an das „continental breakfast“ im Glasgower Eurohostel muss ich mit einer Träne kämpfen. Vom Frühstückstisch aus habe ich eine tolle Aussicht auf den in kaum 50 Metern Entfernung vorbeifließenden Fluss, der Loch Ness über Moray Firth mit der Nordsee verbindet. Der Name des Flusses ist übrigens „River“, wie Reiseleiter Pfütze in nächtelanger investigativer Recherche herausgefunden hat.

Nach so viel landeskundlicher Theorie ist es Zeit für praktische Erfahrungen, die der heutige Tag für uns bereithält. Eine wesentliche Rolle wird dabei Wasser in den verschiedensten Aggregatzuständen spielen. Ab 9:45 Uhr trudeln alle nach und nach im bereit stehenden Bus ein, der sich pünktlich um 10 Uhr in südöstlicher Richtung in Bewegung setzt, Ziel ist die Tomatin Distillery.

Alle sind schon ganz aufgeregt, können es kaum erwarten, vom Wasser des Lebens zu probieren. Eine beinahe kindliche Vorfreude greift im Bus um sich, während die knapp 30 Kilometer lange Fahrt einfach nicht vergehen will. Mancher ist richtig ungeduldig und will auf die Besichtigung verzichten („alles schon hundertmal gesehen“) und stattdessen direkt mit dem Tasting beginnen. Nun, so ganz uninteressant ist die Führung nicht, zumal ja auch Distillery-Neulinge wie ich dabei sind. Und unterwegs gibt es sogar eine kleine Kostprobe des gar nicht mal unleckeren Destillates in einer sehr frühen Verarbeitungsstufe, dann üben wir gemeinsam mit unserer Führerin erst mal die Aussprache des deutschen Wortes „Schnaps“, bevor es weitergeht.

Der Rundgang führt uns in zwei Gruppen durch verschiedene Abteilungen, neben den einzelnen Stationen des Brennprozesses bekommen wir auch die Böttcherei und ein altes Lagerhaus, in dem das Fass mit der ältesten Abfüllung (Jahrgang 1967) aufbewahrt wird, zu sehen. Die 15 Minuten Vorsprung, mit denen unsere Gruppe gestartet ist, sind von der zweiten Gang inzwischen aufgeholt worden, wer weiß, wo die abgekürzt haben. Allerdings ist da auch das größere Trinkerpotenzial versammelt, die Gesetze der Gravitation gelten natürlich und erst recht in einer Distillery.

Nach der etwa 30minütigen Führung versammeln sich beide Gruppen im Probierzimmer, wo es fünf verschiedene Kostproben gibt, vorher bekommt jeder noch eine weitere Probe „Schnaps“. Im Probierzimmer sind drei Tische in U-Form aufgestellt, die auf dem mittleren Tisch präsentierten Probiergläser bieten einen prachtvollen Anblick, als Besucher bekommt man eine ungefähre Ahnung davon, wie mittelalterlichen Königen beim Betreten ihrer Schatzkammer zumute gewesen sein muss. In solch märchenhafter Umgebung fließt das Wasser des Lebens nahezu von selbst durch die Kehlen, nicht ein einziger Tropfen wird verschwendet. Mittlerweile wähnt sich auch unsere Gastgeberin in einer anderen Welt, eigenem Bekunden zufolge hat sie noch nie eine so große Gruppe zu Gast gehabt, die tatsächlich nichts übrig lässt.

Gegen 13 Uhr verlassen wir den Tempel in Richtung Loch Ness, für die etwa 45 Kilometer lange Fahrt nehmen wir sicherheitshalber noch zwei Fläschchen aus dem Werksverkauf mit – man weiß ja nie. So gelangen wir wohlbehalten, allerbestens gelaunt und pünktlich zur Abfahrt unseres Nessie-Suchbootes an der Ab-/Anlegestelle der Jacobite Cruises an. Auf dem Programm steht eine Bootstour über den berühmten See, inclusive Landung und Aufenthalt in den Ruinen von Urquhart Castle.

Die Fahrt mit dem Boot verläuft ohne nennenswerte Zwischenf.. äh, Ereignisse, zu einer Nessie-Sichtung kommt es nicht, auch wenn das eine oder andere Mitglied der Reisegruppe langsam Ähnlichkeit mit der Kreatur annimmt. Der Besuch der Schlossruine wird zu einem einschneidenden Erlebnis für alle Anwesenden, denn während des individuellen Rundganges verbreitet sich frohe Kunde von daheim: Hansa soll ein Tor erzielt haben. Spontan wird die Burg weiß-blau beflaggt, die Gruppe nimmt Aufstellung für ein triumphales Foto. Aber das Tor zählt wohl nicht. Egal, wir schießen so selten welche, da feiern wir auch Abseitstore.

Wenig später erhalten wir aber Gewissheit: Hansa hat doch noch den ersten Sieg in der Liga seit drei Monaten eingefahren. Eine vorzeitige Aufstiegsfeier muss leider sofort wieder abgebrochen werden, einem Mitarbeiter der Schlossverwaltung sind wir etwas zu laut. Nun, da sich Hansafans neben exorbitanter Lautstärke vor allem durch hohe kommunikative Kompetenz auszeichnen, bereinigen wir die Situation in gegenseitigem Einvernehmen: wir dürfen ein Mobfoto schießen, dafür bleiben die Schlossreste stehen.

Zurück in Inverness gehört der Abend nach einer kleinen Stärkung (etwas feste Nahrung kann zur Abwechslung auch nicht schaden) verschiedenen Bars. Im „The Keg“ arbeitet die Jukebox auf Hochtouren, eine Gruppe betrunkener Polizistinnen entpuppt sich als Freundinnengeburtstag, die Mädels geben ordentlich Gas, jetzt heißt es aufzupassen, nicht dass sie uns noch verhaften. Musikmäßig besteht bei unserem Eintreffen Handlungsbedarf (Tony Christie, Neil Diamond), mit Ramones, Sex Pistols und Motörhead sind aber die Fronten schnell geklärt, so dass man sich im Raucherbereich vor der Tür Fußballfachgesprächen über Vorzüge und Nachteile ausgewählter Teams widmen kann:

Aberdeen – sheep shaggers – meheheheheh …      Bayern – f…ng wankers …       und so weiter.

Etwas später landen wir dann im „Johnny Foxes“, einer feinen Bar mit Livemusik, vor deren Tür sich eine „Gedenktafel“ mit Prominenten befindet, die mal zu Gast waren, darunter „Stifler“ Seann William Scott. Die Stimmung ist famos, die Getränke laufen, nur den Sambuca will niemand anzünden (wohl doch ein bisschen zu viel Holz bei der Einrichtung), dafür wird aber die Kaffeebohne per Hand überreicht. Kurz vor Mitternacht, die Sperrstunde macht es möglich, geht ein langer zweiter Tag mit viel Wasser zu Ende, Sonntag geht es früh raus – Fußball ist angesagt!

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