Sportclub Verl – F.C. Hansa Rostock 1:0, 8. November 2024, „Sportclub Arena“, 3. Liga, 14. Spieltag
Das Spiel
So verschieden kann die Wahrnehmung eines Fußballspiels sein: Vor Ort bin ich nach 90 Minuten in erster Linie bedient vom (Gesamt-)Auftritt der Hanseaten. Ich hatte nur in wenigen, seltenen Momenten einen leichten Hauch Hoffnung verspürt, dass wir aus Verl etwas (drei Punkte!) mitnehmen könnten. Vielleicht war ich im Vorfeld einfach zu „euphorisch“, jedenfalls für meine Verhältnisse, dass der Rückenwind aus zwei gewonnenen Spielen in Folge stark genug wäre, unsere Kogge ungefährdet das Ziel erreichen zu lassen. Und so erlebe ich den Schlusspfiff reichlich angesäuert. Na ja, das übliche: SO kannst du doch hier nicht auftreten., was man so in der ersten Enttäuschung von sich gibt. Mir ist aber auch niemand begegnet, der sich anders geäußert hätte.
Und nun, mit etwas Abstand , nach dreimal Schlafen, einem Hopping-Doppler in Dänemark und ein paar TV-Zusammenfassungen? Wir hatten tatsächlich gute Torchancen und das beidseitige Trainerlob für den SCV-Torwart kommt ja nicht von ungefähr. Und doch habe ich 90 Minuten lang nicht das Gefühl: Jetzt geht’s los! Liegt ja vielleicht daran, dass die besten Gelegenheiten auf der entgegengesetzten Seite des Platzes stattfinden, etwa 80 Meter entfernt und zusätzlich „verzerrt“ durch die Perspektive (Gäste-Sitzblock): Freistoß Lebeau, ein Heber von Dirkner, beides kurz vor der Pause und bei Gelingen durchaus mit Potenzial zur „Initialzündung“. Aber das wird mir erst bei der TV-„Nachbereitung“ bewusst. Vielleicht brauche ich einfach eine Art „Video Fan Assistant“, der mir im Stadion ab und zu auf die Sprünge hilft.
Was bleibt nun hängen? Hansa war nicht so schlecht, wie ich dachte. Nur das Gegentor habe ich auch „live“ so „unglücklich“ wahrgenommen, wie es später in hochauflösenden Bildern aussah. Aber so oder so bleiben die Punkte in Verl. DAS zählt letztlich.
Spielberichte:
Der Ausflug
Es ist mein erster Besuch an der Poststraße, in der ersten gemeinsamen Drittligasaison 2020/21 mussten wir ja alle draußen bzw. zu Hause bleiben. Hansa konnte damals übrigens beide Spiele vor leeren Rängen mit 3:2 gewinnen. Egal, Schnee von gestern.
Ungeachtet dessen, ist die „Sportclub Arena“ nun mal einer von zwei Plätzen, deren Besuch mir zur Komplettierung der 3. Liga in der aktuellen Saison fehlt. Gibt also keine Entschuldigung für ein Fernbleiben. Die An- und vor allem Rückreise mit dem ÖPNV stellt grundsätzlich eine große Herausforderung dar, von der sogar der SC Verl selbst abrät. Die Spielterminierung am Freitagabend macht es nicht besser, sprich: unlösbar, so dass in beachtlicher Zahl Fahrzeuge aller Größenordnungen die Reise aus der Hansazone ins Westfälische antreten.
Dank frühzeitiger Abfahrt stecken wir beliebte Hindernisse wie die Hamburg-Passage via A1 oder die Durchquerung der Lüneburger Heide über A7-Dauerbaustellen, locker weg, auch stören keine möglicherweise unseren Weg kreuzenden Touristen aus dem Hamburger Norden Richtung Braunschweig den Reisefrieden. Unser Achtsitzer erreicht überpünktlich, mehr als zwei Stunden vor dem Anpfiff, den Gäste-Parkplatz. Der ist wirklich so klein, wie alle erzählen, sogar unser Navi schaltet schon bei Hannover unaufgefordert in den Parklückensuchmodus, aber für uns reicht der Platz, später wird noch eine Wiese freigegeben, die ich nur ungern bei jahreszeitüblichem Niederschlag nutzen würde, aber die Frage stellt sich heute nicht. Auftrag erfüllt, niemand muss wieder umkehren.
Auch am Stadioneinlass muss niemand umkehren, so klein die Anlage schon bei äußerlicher Betrachtung, erst recht aber von innen, erscheint. Sie entspricht den seit 2022 geltenden DFB-Richtlinien für die 3. Liga: Gesamtkapazität mindestens 5.001, davon 2.000 Sitzplätze, das Gästekontingent an Tickets beträgt mindestens 1.000. Diese Vorgaben sind offenbar erfüllt, Hansa wurden 1.500 Gästekarten zur Verfügung gestellt.
Da sich erkennbar eine nennenswerte Zahl von Hansafans im Heimbereich eingefunden hat, schätze ich, dass um die 2.000 Hanseaten das Spiel im Stadion erleben und begleiten.
Der Sitzbereich/Gäste bietet 236 Plätze in 5 Reihen, auf denen man sehr dicht am Spielgeschehen dran ist. Das hat durchaus einen gewissen Reiz und eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für direkte Kommunikation mit den Spielbeteiligten, von denen aber kein Gebrauch gemacht wird, soweit ich es mitbekomme, nicht mal, als unsere „Helden“ nach dem Spiel ihre „Ehrenrunde“ absolvieren. Gut so!
Insgesamt geht es im Block sehr entspannt und ohne klaustrophobische Gefahrenmomente zu, die Zugangskontrollen haben gut funktioniert.
Gut gefällt mir das Angebot der „Tresenplätze“, ein langes Abstellbrett für Becher und Gegenstände aller Art mit Hockern hinter der oberen Sitzreihe. Angeblich haben sie in Verl den längsten … Stadiontresen. Nächstes Mal wird nachgemessen. Im Vorfeld hatte ich sogar gedacht, an diesen Plätzen würde man während des Spiels auch noch beköstigt, aber das wäre wohl doch eine Spur zu dick aufgetragen, jedenfalls im Gästebereich. 😉
Die Abreise nach dem Spiel verläuft vergleichsweise reibungslos, wobei ich staune, wie lange es selbst auf dem kleinsten Parkplatz bis zur vollständigen Leerung dauern kann. Luxusproblem. Dass ich nächste Saison wieder dorthin muss oder so lange, bis ich von dort mal drei Punkte mitnehmen kann, blende ich bis dahin erst mal aus.
Abschließend vielen Dank, vor allem an die tapferen Fahrer, und Grüße an meine nette Reisegruppe, egal ob mit oder ohne Leggings, die kaufen wir zum nächsten Ausflug.