Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa


Ein Kommentar

Wenn du aus Hamburg kommst …

F.C. Hansa Rostock – Hamburger SV, 15. Mai 2022, Ostseestadion, 2. Liga, 34. Spieltag, vor dem Spiel

Was haben eigentlich alle gegen den HSV?

Offensichtlich nichts „nachhaltig“ Wirksames.  Sonst würden nicht ‘zigtausende Freundinnen und Freunde des runden „Leders“ von der Nordsee bis zum Oderhaff, zwischen Ostseestrand und Seenplatte bis zum Äußersten gespannt auf ein „normales“ Zweitligaspiel hin fiebern, ein Spiel zweier Mannschaften, deren eine (das Gästeteam) ihr Saisonziel „eigentlich“ längst resigniert abgehakt hatte, sich dann aber plötzlich noch einmal wie mit dem Defibrillator getriggert im Aufstiegsrennen zurückgemeldet hat und aus eigener Kraft die Rückkehr in die höchste Spielklasse schaffen kann. Die Gastgeber hingegen haben ihr Saisonvorhaben sogar vorfristig realisiert*, und das mit „zwei Wochen Planvorsprung“, wie wir im Land des Fünfjahrplanes zu prahlen pflegten.

* „Realisieren“: Ich warte seit Jahren auf einen Vorwand, den inflationären Missbrauch dieses Fremdwortes in der Umgangsprache, gerade durch Sportler, Trainer, Sport-TV-Konsumenten und vor allem Reporter und „Experten“, öffentlich anzuprangern, die auf der Jagd nach authentischen Emotionen nur allzu gern Anglizismen „eindeutschen“ (I realised, that …  – Ich erkannte / begriff, dass …, während „realisieren“ im Wortsinn bedeutet, etwas zu verwirklichen, in die Tat umzusetzen, eben Realität werden zu lassen).

Bitte verzeiht mir diese inhaltliche Entgleisung, das musste jetzt raus, bevor ich daran ersticke. Aber offenbar hat selbst die Duden-Redaktion längst ihren Frieden mit diesem Thema gemacht, was nun wiederum ICH erst noch „realisieren“ muss. Da haben wir doch alle etwas gelernt und ertragen weiterhin tapfer bis ans „Ende des Tages“ die Interviews mit von ihrem Erfolg überwältigten Titelgewinnern und Aufsteigern.

Reicht jetzt, oder? Also zum Thema: Hansa spielt gegen den HSV. Ein Spiel, das für sich selbst steht, das nach erster Liga klingt, schließlich fanden die Begegnungen beider Mannschaften vor der nun ausklingenden Saison immer in der höchsten deutschen Spielklasse statt, im Ostseestadion war das zuletzt in der Saison 2007/2008 der Fall, Ergebnis … äh … habe ich vergessen, auch, was in den Jahren danach noch so war.

Es kann nun passieren, dass wir uns bis zum nächsten Mal schon wieder ein Jahr oder noch länger gedulden müssen. Wir werden sehen, das hängt (auch) nicht unwesentlich vom Spielausgang am Sonntag ab. Im Vorfeld des Spiels hatte ich die Ehre und das Vergnügen, Gast beim Podcast „HSV-Klönstuv“ zu sein, wo mich Gastgeber Christian im fairen Eins-gegen-Eins gestellt hat, also „gute Leute“ auf beiden Seiten. Die erste Reihe gefiel. Hört euch unsere durchgängig friedliche Plauderei gern an, es hat viel Spaß gemacht, in Erinnerungen zu kramen, die Saison zu „analysieren“ und den Spielausgang zu prognos.., ich meine: erraten.

Das erspart mir und euch nun an dieser Stelle langweilige, fachfremde Ausführungen, zumal ich es hasse, mich ständig wiederholen zu müssen. Also hört es euch an. Danke und Grüße an Christian und seine Kollegen. Für alle rothosigen Skeptiker noch ein kleiner Mutmacher: In meiner traditionell korrekten Saisonprognose hatte ich übrigens den Aufstieg des HSV vorausgesagt, schaut bitte hier, die achte Frage. Dazu müsst ihr in Rostock nicht mal gewinnen, wenn sich alle anderen an den Plan halten.

Ich sehe mich ja regelmäßig dem Vorwurf ausgesetzt, ich würde zu wenig pöbeln. Da ist was dran, und bevor nun in einem bestimmten Block des Ostseestadions demnächst ein Banner „Gegen moderne Blogger“ aufgehängt wird, schalte ich nun den Harmonie-Modus ab und wende mich erneut der Eingangsfrage zu.

Es ist ja nun nicht so, dass der HSV in den 135 Jahren seines Bestehens gar nichts Lobenswertes vollbracht hätte, aber man muss schon sehr lange überlegen, um etwas zu finden. Also bitte, hier sind die Top3:

III) Kevin Keegan! Einen der größten Fußballstars der 1970er dazu zu bringen, Woche für Woche seine Kunst in deutschen Stadien (für mich auf einem völlig verrauschten Schwarz/Weiß-Röhrenbildschirm) zu zelebrieren, ist ein großes Ruhmesblatt in der HSV-Historie.

II) Nach jahrelangem, vorsätzlichen Ignorieren der Zeichen der Zeit wurde 2018 „die Uhr“ endlich abgehängt! Selbst die richtigen Dinos hatten nicht so lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass ihre Zeit abgelaufen war. Plottwist 2022: Mit sehr viel Glück kann ja vielleicht bald ein neues Chronometer installiert werden, das Display kann ja diesmal etwas schmaler ausfallen. Die Bundesliga hätte ihren liebsten Running Gag wieder.

I) Im Jahr 2019 entschied sich der HSV, mit dem unsäglichen Machwerk eines mäßig begabten „Singers/Songwriters“ nicht länger die Gehörgänge unschuldiger Gäste im Volksparkstadion zu quälen. Dazu sage ich nur ein Wort: Vielen Dank! Auch für den großartigen „Nachfolge“-Song von Abschlach.

Das soll es dann auch gewesen sein. Allen Stadionbesuchern ein ordentliches Spiel und einen wunderschönen Saisonausklang, oder, wie wir im Ostseestadion immer gern an Tagen wie diesem shouten:

Freibier für alle!

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