Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Gesucht wird: Sascha

Ein Kommentar

Ein Jahr lang hat man sich gefreut, und nun ist es schon wieder vorbei. Das 12. Fanturnier der Wildauer Kickers wird als eines der schönsten in Erinnerung bleiben. Wer nicht dabei war, hat echt etwas verpasst. Hier ist nun mein persönlicher Rückblick auf zwei Wahnsinns-Tage.

Nach vier durchaus schönen Jahren in Wernsdorf stand in diesem Jahr ein Tapetenwechsel auf dem Programm, und zwar in die schon von 2008 bekannte Anlage der SG Südstern Senzig. Damit war es den Wildauer Kickers auf Anhieb gelungen, eines der gravierendsten Probleme der letzten Jahre zu lösen und dem ewigen Wernsdorfer Schmuddelwetter den Rücken zu kehren. Der Sportplatz in Senzig bietet außerdem schon aufgrund seiner Lage in einem Talkessel perfekte äußere Bedingungen, die sowohl den Bedürfnissen des Partyvolkes als auch der friedlichen Koexistenz mit den Anwohnern entgegen kommen.

Meine Anreise gestaltete sich trotz freitäglichen Reiseverkehrs und jeder Menge Baustellen ohne Verzögerungen. Ich war dieses Mal allein unterwegs, da ich am Sonntag direkt vom Turnier aus noch nach Leipzig zum letzten Deutschland-Konzert Bruce Springsteens und der E Street Band in diesem Jahr weiter reisen wollte. So ganz allein war ich trotzdem nicht, denn meine besorgten Reisegefährten aus dem letzten Jahr, besonders „Pauline“, die unbedingt in diesem Bericht erwähnt werden möchte, was hiermit erledigt ist, nahmen mit regelmäßigen Erkundigungen nach meinem Verbleib Anteil an meiner Fahrt.

Nach meiner Ankunft am frühen Nachmittag gelang der Zeltaufbau in Rekordgeschwindigkeit, fast schon so schnell wie mit dem unsäglichen Wurfzelt 2011. Die Standortwahl erwies sich etwas unglücklich – meine mobile Behausung stand genau auf dem Dreiländereck Österreich/Rheinland/Ruhrpott, im Herzen des Megacity-Molochs Salzburg/Essen/Köln. Um die Fronten gleich zu klären, wurde das Zelt kurzzeitig mit der Hansakogge dekoriert, worüber sich besonders die Kölner sichtlich irritiert zeigten. Hätte ich vielleicht doch etwas von Fortuna D. oder Borussia M. nehmen sollen? Lebenslanges Köln-Kalk-Verbot wäre die Folge gewesen.

Nach getaner Arbeit wurde dann die obligatorische Begrüßungsrunde gedreht. Und da waren sie wieder: altbekannte Strategen wie die Burghauser Fanaten, Salzburger Stierwascher und natürlich die eisernen Gastgeber, aber auch „neue“ Gesichter wie die Stauder-Kommilitonen (Rot-Weiss Essen) und nach einjähriger Unterbrechung auch wieder die Celtic-Fans vom St. Andrews and District CSC.

Die überaus angenehmen Temperaturen luden kurzzeitig zum Baden in der nahe gelegenen Dahme ein. Mit Rücksicht auf das einheimische Publikum wurde darauf verzichtet, komplett blank zu ziehen – erst mal jedenfalls. Dafür durften alle Anwesenden einen Schwimmrekord bestaunen: dem Fanaten „Schua“  gelang es als erstem Menschen, nur mit einer Lederhose bekleidet die Dahme zweimal zu durchschwimmen, wofür er in gebührender Weise gefeiert wurde. Das heißt – ganz genau weiß man nicht, ob auch der Rückweg schwimmend oder vielleicht doch heimlich im Ruderboot absolviert wurde, denn Hunger, Durst und der vier Stunden später drohende Einbruch der Dunkelheit trieben den Rest der Baderunde mit aller Gewalt zurück zum Südstern-Sportplatz.

Am Freitagabend taten dann alle bereits angereisten wieder das, was sie am besten können: Feiern bis zum Umfallen, was der eine oder andere sogar wörtlich nahm – Business as usual. Mike aus Schottland gab dabei eine Kostprobe seines Gesangstalents, mit seiner Band Amber Road darf er am 20. Juli beim ausverkauften Tiree Music Festival auf der Hauptbühne auftreten.  Da haben die Teilnehmer des Internet-Votings wirklich eine gute Wahl getroffen. Wer sich selbst mal ein Bild bzw. Ton machen möchte, kann das hier tun.

Ich musste mich unterdessen noch nach einer Mannschaft umsehen, da die Stierwascher in diesem Jahr genügend eigene Spieler am Start hatten. Die Suche nach einem Team trieb mich in die Arme des umtriebigen Celtic-Managers Paul, der mich umgehend verpflichtete – ein klassisches Win-Win-Geschäft, wie sich am nächsten Tag herausstellen sollte.

Zum Turnier waren nach ein paar Absagen in letzter Minute und spontanen Nachverpflichtungen letztlich 17 Mannschaften angetreten, die in drei Viererstaffeln und einer Fünfergruppe die Viertelfinalteilnehmer ermittelten. Mein Celtic-Team schaffte es bei nur einer Vorrunden-Niederlage mit Erfolgen im Viertelfinale gegen die Leipziger Chemiker von „Feinherb“ und im Halbfinale gegen die Kölner ins Finale, wo wir dem verdienten und würdigen Turniersieger Red Flame United nach großem Kampf knapp mit 0:1 unterlagen. Das Team war zwar aufgrund zu weniger eigener Akteure für das Turnier mit Gastspielern aus anderen Fanszenen verstärkt worden, aber auch diese Art der gegenseitigen Unterstützung ist schon seit Jahren selbstverständlich.

Schon in der Vorrunde, aber auch bei den späteren K.O.- und Platzierungsspielen legten alle Teams eine überaus faire und entspannte Gangart an den Tag, bei allem Siegeswillen bestimmten der Spaß am Spiel und gegenseitiger Respekt die Spielweise. Gemeinsam über Vereinsgrenzen und Rivalitäten hinweg Spaß haben und ein bisschen kicken – genau das ist es, was den Reiz des Turniers jedes Jahr wieder neu ausmacht.  Da ist es dann eben möglich, dass Fans von Union Berlin, St. Pauli und Hansa Rostock gemeinsam im Trikot von Celtic auflaufen – eine Konstellation, die im „Alltag“ Urlaubssperren für ganze Polizeihundertschaften auslösen würde. Ein weiterer schöner Moment war das gemeinsame Foto aller Turnierteilnehmer, natürlich mit ordentlich Feuer und einem kleinen Gesangsgruß an ausgewählte Vertreter des „modernen“ Fußballs.

Gut gefallen hat mir die Turniermoderation, die gewährleistete, dass trotz des etwas komplizierten Spielplanes (aufgrund der ungeraden Teilnehmerzahl ergaben sich unterschiedliche Spielzeiten auf den beiden Plätzen) die Mannschaften immer rechtzeitig aufgerufen und alle Spiele pünktlich angepfiffen werden konnten. Darüber hinaus sorgte der Sprecher mit unbeabsichtigten verbalen Fehlgriffen für Stimmung. Dabei bewiesen besonders die als „Wiener“ betitelten Stierwascher großen Sinn für Humor, denn das durften sie sich später noch öfter anhören, besonders von den „Fantanten“ aus dem deutsch-österreichischen Grenzgebiet – kurz gesagt, den „Burghause(ne)rn“.

Die abendliche Party war dann wie immer ein Selbstgänger. Die Zapfhähne glühten fast bei gleicher Temperatur wie der Grill, die Wartezeit auf das traditionelle Feuerwerk wurde mit weiteren musikalischen Einlagen verkürzt. Nachdem Mike noch einmal mit Amber Road-Klängen die Lust auf den nächsten Schottland-Urlaub weckte, präsentierten die Essener ihre neue Stadionhymne mit dem Titel „Humpa RWE“, ein Ohrwurm, der von Bier zu Bier immer besser wird.

Beim Feuerwerk gab es diesmal noch ein Vorspiel mit Flammen und ein Nachspiel ohne, dafür aber mit zwei heißen Stühlen – ein interessantes Experiment, besonders für die beiden ausgewählten Testpersonen, die jetzt wahrscheinlich froh sind, dass die schwache Ausleuchtung der Szenerie kaum beweiskräftige Fotoaufnahmen ermöglichte.

Heimlicher Turnierliebling wurde am Ende ein gewisser Sascha. Die lautstarke Suche nach dem geheimnisvollen Unbekannten sorgte für große Begeisterung auf dem Zeltplatz. Dem Vernehmen nach ist Sascha bis jetzt noch nicht wieder aufgetaucht. Zweckdienliche Hinweise auf seinen Verbleib nimmt der Leiter des Suchdienstes, Herr Z., entgegen – gern auch per Telefon zu jeder Tages- und vor allem Nachtzeit.

Beim abschließenden Frühstück vor der Bäckerei Wahl in Senzig machten noch ein paar wichtige Verbraucherinformationen die Runde, die ich euch für den nächsten Urlaub im brandenburgischen Outback unbedingt ans Herz legen möchte:

Hai-Attacken wehrt man am besten ab, indem man dem verfressenen Nager ordentlich auf’s Maul haut.  Einfacher ist es jedoch, den kleinen Räuber unter Wasser einfach auf den Rücken zu drehen. Hat sicher jeder schon selbst erlebt.

Wer keine Lust hat, zwischen den Kiefern eines Krokodils zu landen, muss sich einfach nur auf dessen Schwanz stellen. Wenn das gelingt, braucht man nur noch ausreichend Sprungkraft, um sich dann endgültig von der Speisekarte zu entfernen.

Und gegen Mückenstiche an den Beinen bzw. lästiges Jucken danach hilft ein Spaziergang in kurzen Hosen durch Brennnesseln.

Mir bleibt jetzt, allen Beteiligten für eine sensationelle Veranstaltung zu danken, allen voran den Wildauer Kickers, die sich wieder einmal als großartige und aufmerksame Gastgeber präsentierten, zu denen man immer wieder gern zurückkehrt.

In diesem Sinne – auf ein Neues 2014!

Ein Kommentar zu “Gesucht wird: Sascha

  1. Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Rückblick auf ein tolles Wochenende.

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