Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Gelungene Generalprobe

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Solikonzert für den MAU-Club Rostock mit Dritte Wahl, 23. Februar 2015

Es gibt so Abende, da muss man einfach dabei gewesen sein. Meist wird einem das erst im Nachhinein bewusst, manchmal spürt man das Besondere aber auch vom ersten Moment an. Dass der Abend des 23. Februars 2015 ein ganz spezieller werden könnte, war zunächst nicht unbedingt zu erwarten. Montag ist nicht der klassische Ausgehtag, eher im Gegenteil: man kann sogar mal wieder etwas früher zu Bett gehen, meist gibt es ja vom Wochenende einiges nachzuholen.

Dennoch entscheide ich mich überaus kurzfristig, nach Feierabend nach Rostock zu fahren, wo ein Solidaritätskonzert für den Erhalt des MAU-Clubs auf dem Plan steht. Initiator und einzige Band des Abends sind keine Geringeren als Dritte Wahl, Rostocker Urgesteine, die mit ihrer vor einem Monat erschienenen neuen Scheibe „Geblitzdingst“ gerade die Musiklandschaft aufmischen und zwischenzeitlich schon mal Platz 23 der deutschen Albumcharts belegten und dabei keine geringeren als Pink Floyd hinter sich ließen, wobei mich mehr verwundert, wie viele Leute heutzutage doch auf Fahrstuhlmusik a la „Endless River“ stehen, aber das ist ein anderes Thema.

„Offizielle“ Live-Präsentation des aktuellen DW-Meisterwerkes ist am kommenden Wochenende, genauer am Freitag und Sonnabend im Berliner Astra, wofür ich mir schon Ende 2014 eines der begehrten Kombitickets sichern konnte, und genau das war ein weiterer Grund, weswegen ich ursprünglich nicht vorhatte, am Montagabend im MAU zu erscheinen. Aber gerade nach dem am Montag erlebten stelle ich wieder einmal fest:

Es ist nicht möglich, zu viele Konzerte mit Dritte Wahl zu besuchen. Punkt!

Zuletzt hatte ich die Wahle beim alljährlichen Familientreffen der „Rostock Family“, dem traditionellen Weihnachtskonzert mit Mainpoint und den Crushing Caspars gesehen. Bei diesen überaus stimmungsvollen Konzerten platzt der MAU-Club regelmäßig aus allen Nähten, was das Konzerterlebnis durchaus auch mal beeinträchtigen kann. Insofern ließ die Ankündigung des montäglichen Konzertes auch ein wenig die Erwartung aufkommen, dem Geschehen auf der Bühne etwas entspannter folgen zu können, ohne zum Beispiel ständig irgendwelchen Biertransporten im Wege zu stehen.

Schon beim Eintreffen am MAU wird klar, dass dies eine Fehleinschätzung ist. Der Parkplatz ist fast vollständig gefüllt, am Einlass gibt es eine lange Schlange: Dritte Wahl beim „Heimspiel“ zieht immer, egal an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit. Was soll‘s, für die Stimmung kann das nur gut sein und ein deutlicheres Bekenntnis von Band und Publikum zum MAU, ihrem Wohnzimmer, als den Laden an einem Montagabend zu füllen, gibt es nicht. Mögen dort noch viele so gut besuchte Veranstaltungen stattfinden.

Beinahe pünktlich gegen 20:45 Uhr steht die Band dann auf der Bühne und packt mit dem Titelsong des neuen Albums gleich einen guten Opener aus – fürs Publikum natürlich ungewohnt, passt aber. In der Folge erklingen ältere Stücke im Wechsel mit neuen, von den zwölf Titeln des Albums schaffen es tatsächlich sage und schreibe zehn auf die Setlist, Respekt! Das Ganze hat ja so in gewisser Weise den Charakter einer öffentlichen Generalprobe für die Tour. Für meinen Geschmack haben die Songs den ersten Praxistest bestanden, fügen sich gut in das Gesamtprogramm ein, ohne „negativ aufzufallen“, wenn ich das mal so despektierlich formulieren darf.

Im Ernst, gerade bei Konzerten altgedienter Helden des Rock’N’Roll tun sich Teile des Publikums oft schwer damit, neueren Stücken eine Chance zu geben, weil sie eben lieber die „alten Sachen“ hören. Im MAU-Club stellt sich diese Frage gar nicht erst. Im Gegenteil, viele Konzertbesucher offenbaren gerade mal drei Wochen nach Veröffentlichung schon eine erstaunliche Textsicherheit, und das nicht nur bei so einprägsamen Texten wie dem Refrain von „F.D.S.“. Ich wage daher auch die Prognose, dass Songs wie „Stillstehn“ oder „Noch einmal“ schnell ihren festen Platz im Konzertprogramm haben werden.

Die Band präsentiert sich vier Tage vor dem offiziellen Tourstart gut eingespielt und in bestechender Frühform, und das, obwohl Gunnar mit einer Erkältung zu kämpfen hat. Jedenfalls behauptet er das – anzumerken ist ihm das kaum. Auch Stefan und Krel liefern wie gewohnt mit vollem Einsatz ab. Holger, der neue Mann nicht nur an den Tasten, spielt seinen Part sehr konzentriert, bei relativ wenig Interaktion mit dem Publikum, was letztlich ja irgendwie auch normal ist. Eine echte Bereicherung ist sein Einsatz als zusätzlicher Gitarrist bei einigen Songs, was dem Gesamtsound der Band sehr gut tut. Da kann man sogar über das etwas irritierende Keyboard-Intro zu „Mainzer Straße“ hinwegsehen. Und schließlich unterbricht auch Dietmar für ein paar Songs noch einmal seinen einstweiligen Ruhestand, in den er beim Weihnachtskonzert verabschiedet wurde.

Nach knapp zwei Stunden Spielzeit verabschiedet sich die Band, ein stimmungsvoller Abend (nochmal zur Erinnerung: MONTAG!) ist für in Rostock wohnhafte Konzertbesucher natürlich noch nicht zu Ende, während ich auf dem Weg zum Auto aus offenbar nicht berufstätigen Kreisen mit dem etwas abgewandelten Refrain von Tobias verabschiedet werde: „Uwe geht zur Schicht, geht zur Schicht!“ Danke dafür, Porgi & Co.

Aber mal ganz unter uns: Montag oder nicht – an Konzerte, die vor Mitternacht enden, könnte ich mich echt gewöhnen. Ist irgendwie … altersgerecht, oder?

Wir sehen uns am Wochenende im Astra! Roggen Roll!

Setlist

Geblitzdingst / Keine Angst / Der Spiegel / Störung / Mainzer Straße / Der Schatten / Wo ist mein Preis / Auge um Auge / Stillstehn / Brot & Spiele / Greif ein / F.D.S. / Sirenen / Morgen schon weg / Tobias / Teufel & Dämonen / Immer auf der Reise / So wie ihr seid / Ich hab da diesen Tick / Zeit bleib stehen / Noch einmal / Fliegen

Schaum auf der Ostsee / Und jetzt? / Was weiß ich schon von der Liebe / Sonne & Meer

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