Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Macht Musik*

5 Kommentare

*Sorry an Heinz Rudolf Kunze, diesen Titel musste ich mir ausborgen.

Wer hätte es gedacht, mein Leben als Musikfreund begann nicht mit Bruce, Neil, Dave, Pink Floyd, Jethro Tull oder gar Toten Hosen, Dritte Wahl, Feine Sahne. Es könnte interessant werden, mal in den Erinnerungen zu kramen (erste Platten, erste Lieblingslieder, erste Konzerte usw.) – ganz ergebnisoffen, also keinesfalls soll dabei herauskommen, ob ich bei anderen Hörgewohnheiten über Kindheit und Jugend heute musikalisch anders drauf wäre. Lassen wir uns überraschen. Den Anfang macht ein heute (hoffentlich nicht) vergessener griechischer Künstler, dessen Namen ich schon im Vorschulalter fehlerfrei aussprechen konnte (und heute immer noch kann)

Perikles Fotopoulos – „Varka sto yalo“ (Schiff am Strand)

Wie es begann:die Kindergartenzeit

Ganz weit draußen in den Weiten der musikalischen Erinnerungen schwingt eine Melodie in den Sphären meines Unterbewusstseins: ein Lied, das mich, ohne zu übertreiben, schon mein ganzes bewusstes Leben, seit meiner Vorschulzeit, begleitet, ich würde es durchaus als mein allererstes Lieblingslied bezeichnen.

Schon die ersten Takte des mehrstimmigen Bouzouki-Intros beanspruchen die Aufmerksamkeit des Hörers und lassen ihn nicht mehr los bis zum finalen Refrain, wenn Sänger und Instrumente unisono auf den melodischen Wogen des Meeres an den Strand gleiten.

Ich war vielleicht vier oder fünf Jahre alt, über die Möglichkeit mal an einem griechischen Strand ein Schiff zu besteigen, machte ich mir damals™ keine Gedanken. Mein Lied konnte ich vom ersten bis zum letzten Ton auswendig und „fehlerfrei“ auf „griechisch“ (jedenfalls hielt ich meine Zungengymnastik dafür) mitsingen, so unbekümmert und enthusiastisch, wie es eben nur ein Vorschulkind kann. Meine Enkelin, 4 Jahre alt, hat diese Fähigkeit offenbar von mir geerbt, nur sind es bei ihr eben die angesagten Lieder in Spanisch, die von früh bis spät bei den heutigen „Hit-Radios“ laufen. Ihr solltet mal hören, wie sie „Senorita“ mitträllert. Man muss diesen Song nicht mögen, aber bei meiner kleinen Mia geht einem unwiderstehlich das Herz auf.

„Gelernt“ habe ich den Text „meines“ Songs damals ganz einfach beim wiederholten Zuhören, heute nennt man das „Heavy rotation“. Was war ich froh und stolz, zu Hause allein Schallplatten auflegen zu dürfen. Die Vorsicht beim Auspacken (Platte nur am Rand und mit dem Antistatiktuch berühren!), Auflegen und langsamen Absenken der Nadel ist mir bis heute in Fleisch und Blut übergegangen und längst Teil meiner DNA.

Noch heute könnte ich mit den ersten Versen öffentlich auftreten, wenn mich die Sorge um eine drohende Blamage vor etwaigen griechischen Muttersprachlern unter den Zuhörern nicht davon abhielte. Die erste Strophe beginnt (phonetisch) in etwa so (Ich bitte alle, die Griechisch sprechen, um Verzeihung): „Bende bende bäka …“ Es ist diese frühkindliche Erinnerung, die mich seit damals bis heute immer noch zuhören lässt, wenn sich irgendetwas „griechisch“ anhört. In den 1980er Jahren brachte mich das sogar dazu, mir im DDR-Fernsehen eine zweistündige Costa-Cordalis-Show in voller Länge reinzuziehen. Kein Scheiß! Wenn mich dabei jemand erwischt hätte, unvorstellbar …

„Mein“ Lied stammt aus der Feder des großen Mikis Theodorakis und wurde als Single beim staatlichen DDR-Label AMIGA veröffentlicht, übrigens mit der B-Seite „Zurba“, die bei Filmfreunden sicher auch ohne Anhören Assoziationen auslösen dürfte, beim Rest sollte es mit dem ersten Ton „Klick“ machen.

„Varka sto yalo“ war auch auf dem Sampler „AMIGA Expreß 1967“ veröffentlicht worden, die jährlich erscheinende Compilation des DDR-Plattenlabels enthielt noch einige weitere Perlen, aber das „Schiff am Strand“ (so die deutsche Übersetzung) wird für immer als „mein“ Lied den Beginn der Ausprägung meines persönlichen Musikgeschmacks , mindestens jedoch des Interesses für Musik jenseits „Alle meine Entchen“ oder „Dornröschen war ein schönes Kind“ markieren.

Bei Youtube habe ich eine Aufnahme mit guter Tonqualität gefunden, hört selbst (die merkwürdige Illustration beachtet einfach gar nicht):

und natürlich soll auch der Meister und Schöpfer dieses Liedes zu Gehör kommen, aufgenommen 1987 auf dem Ost-Berliner Rosa-Luxemburg-Platz, „dank“ PAL/SECAM leider „nur“ in schwarz-weiß, aber das verleiht der Aufnahme noch mehr Authentizität.

Damit also fing wohl an, was 50 Jahre später zu Konzertbesuchen in ganz Deutschland, weiter hinaus in Rom oder Glasgow und nicht zuletzt zur aktiven Teilnahme an Shows der M.-V.-Punkprominenz des beginnenden 21. Jahrhunderts führte.

Ich werde diesen Weg anhand von Erinnerungen versuchen nachzuzeichnen, sofern das noch möglich ist, nächster Schwerpunkt wird sicher die beginnende Herausbildung eigener musikalischer Vorlieben unter uterschiedlichsten Einflüssen werden. Das könnte durchaus spannend werden.

Disclaimer: Rechnet bitte nicht mit mehr oder weniger festen Terminen, ich habe da leider eine Sache auszufechten, für die mich viel Kraft kostet (und die CoViD-Isolation macht es nicht einfacher), aber es tut mir dabei gut, ab und zu schöne Erinnerungen aufzufrischen – das ist ja auch so eine Art Therapie.

Es würde mich freuen, wenn ihr mich bei meiner Zeitreise begleitet, natürlich streng unter Beachtung aller Auflagen. Bitte bleibt dabei gesund und stabil, halten wir es mit Good Old Neil:

Rock’n’Roll will never die …

NIEMALS KOMPLETT IM ARSCH!

Wird fortgesetzt / t.b.c.

5 Kommentare zu “Macht Musik*

  1. Gibt’s einen Zusammenhang zwischen „Varka sto yalo“ und den Abrafaxen?

    Sehr schöner Beitrag, denn ich kann mit Bestimmtheit nicht sagen, was mein erstes Lieblingslied war.

    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

    • Ich glaube nicht, dass zwischen der Illustration und dem Lied ein direkter Bezug existiert. Die Abrafaxe erschienen 1976 erstmals im Mosaik, das Lied ist ja doch um einiges älter. Auch als damaliger Mosaik-Stammleser kann ich mich an keine Erlebnisse des Trios in Griechenland erinnern, was aber auch nichts bedeuten muss.
      Liebe Grüße nach Wien.

  2. Ich erinnere mich, Brudi. Hätte es nur nicht so benennen können. Aber die erste Textzeile war sofort wieder da 🙂

  3. Frag doch mal Roli, ob er als jahrelanger BiBo-Nutzer besagten Amiga Expreß auf Band hat. 🙂

  4. Ich halte es schon immer und für immer ebenfalls mit Good Old Neil: „Keep on Rockin`in a free world….“

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