Hanseator

Musik & Fußball

So lange wir leben, so viel wie geht

Ein Kommentar

20 Jahre Feine Sahne Fischfilet, 18. Juli 2026, IGA Park Rostock

Die Party im IGA-Park ist mein 40. Besuch bei einer Feine-Sahne-Veranstaltung. Keine andere Band/Musiker/in habe ich öfter gesehen. (Preisfrage: Wer nimmt wohl Platz 2 und 3 ein? Ratet!)

Mein erstes Mal: 9. Mai 2009 bei „Rock deine Meinung“ in Ludwigslust, Stadthalle. Vor der Veranstaltung gehe ich vom Parkplatz zum Einlass, als aus einem Garderobenfenster Monchi herausschaut. Wir kannten uns zwar vom Sehen bei diversen Hansaspielen, dort waren wir aber in der Regel in verschiedenen „Bezugsgruppen“ unterwegs, wodurch wir wenig bis keine direkten Berührungspunkte hatten. Er schien etwas überrascht, mich alten Zausel dort auflaufen zu sehen, aber auch erfreut.

Ich gehöre also nicht zu dem exklusiven Kreis derer, die schon bei den ganz frühen Auftritten die Band begleitet haben, aber zumindest habe ich doch ein ganzes Stück die musikalische Entwicklung beobachten können: weiter über das Force Attack, Konzerte in kleinen Läden wie „Komplex“ (Schwerin), dann die großen, wie M.A.U., Astra, Columbiahalle, Große Freiheit, bis ich ab „Sturm und Dreck“ plötzlich feststellte, dass ich mich zu den hinterherfahrenden Leuten aus „Alles auf Rausch“ zählen kann, mit der Krönung, zu einem Festival-Wochenende in Süddeutschland als Teil des „Background-Chores“ im Nightliner mitfahren zu dürfen. Nie zuvor und auch danach war mein Leben mehr Rock’n’Roll. Danke!

Wen es vielleicht interessiert, ein paar Reise- und Erlebnisberichte sind über die Jahre entstanden: Klick

Dann kommen wir mal zur Jubiläumsparty.

17:10 oder Wer zu spät kommt, den bestraft die Möwe

Zum dritten Mal nach 2018 (Stadthalle Rostock & Wasted in Jarmen) Shantycore & Stadiongesang im Rahmenprogramm für Feine Sahne Fischfilet, das macht sich schon ganz gut auf dem Briefbogen. So viel Zeit wie vor acht Jahren haben wir heute nicht, es sind nur zwanzig Minuten. Diszipliniert, wie wir Boomer es gewohnt sind, gehen wir 17:09 Uhr, eine Minute vor Plan, raus, schneller, als Monchi uns ansagen kann. Alte Schule, Diggi!

Unsere Ölmützen-Allesfahrer*innen grüßen aus der ersten Reihe vor der Bühne, dann startet unser Power- Set, fast ohne Gelaber wird solide abgeliefert. Stellt euch vor, aus Richtung Einlass kommen da Leute gerannt (Mein erster „Stagerush“). Um uns nicht zu verpassen! Kann aber auch sein, dass die sich einfach nur bessere Plätze für das Hauptereignis sichern wollen.

Thees Uhlmann

Leider beginnt Thees‘ Festrede, während wir uns gerade völlig erschöpft von der Bühne in unseren Wellnessbereich schleppen, so dass ich sie versäume. Vielleicht bekomme ich sie ja mal zugeschickt.

Als ich wieder vorn bin, läuft schon der Schluss-Song „Junkies und Scientologen“. Ich warte ganz gespannt, ob er heute, zur Feier des Tages, den Versuch unternimmt, mit einem kleinen Buchstabentausch in der 10. Strophe (DTH –> FCH) die norddeutsche Fußball-Ökumene für eine Sekunde zu befrieden, aber das müssen wir ein anderes Mal machen. Ligatechnisch sind wir einander ja schon etwas nähergekommen. Immerhin gelingt heute ein vorzeigbares gemeinsames Foto, womit sich ein Anfang 2025 an der Reeperbahn begonnener Kreis schließt.

Leider versagt beim späteren gemeinsamen Auftritt mit Monchi auf der kleinen Bühne mitten im Publikum die Technik, so dass es nicht zur Aufführung einer akustischen Fassung von „15 Jahre“ kommt. Schade, vor allem für das Publikum, denn wir konnten das schon einmal beim Soundcheck genießen. Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben.

Ronny Platte

Fakt ist, früher waren sie härter. Tja, wir werden alle nicht jünger. Aber sie haben es immer noch drauf und ihre große Fresse gepflegt kultiviert.

Es erklingen die Titel der soeben erschienenen EP „Dagegen“, für die ich hiermit einen verbindlichen Kaufbefehl erteile. Um es mit den Worten unseres unvergessenen Ralph zu sagen, mit denen dieser auf der Scheibe noch einmal kurz zu Wort kommt:

MEHR GEHT NICHT!

Attic109, OXO86

Beide kommen von mir leider nicht die gebührende Aufmerksamkeit, was ich irgendwann wiedergutmachen werde, aber ich habe es nicht geschafft, mir ein paar Notizen zu machen, ohne die ich bei solchen Großveranstaltungen nicht mehr auskomme. Das ist in der Enge vor der Bühne einfach nicht machbar. Immerhin ein Surf-Foto als kleine „Entschädigung“ kann ich schießen.

Feine Sahne Fischfilet

Das Set bietet eine mitreißende Tour durch das Gesamtwerk der Band, einschließlich nur noch selten zu hörender Glanzstücke vom ersten Album „Backstage mit Freunden“ wie „So sind wir“ und „Eine lange Zeit“ und natürlich „Ostrava“. Info für interessierte Mitarbeiter gewisser Behörden: „Staatsgewalt“ ist nicht dabei. Nur falls mal wieder Füllstoff für einen Jahresbericht gebraucht werden sollte.

Axl G. am Saxofon

Taschentücher raus! Der Auftritt von „Vadders“ (sensationeller Hut, übrigens) ist ein emotionaler Höhepunkt des Abends. Nach kurzer Vorstellung (übrigens, Monchi, du kannst dir gewiss sein, dass ihn von den 17000 Anwesenden nur wenige nicht kennen. Wer einmal in Jarmen dabei war, wo Axel eine Präsenz an den Tag legt, die an Franz Beckenbauer bei jedem einzelnen Spiel der WM 2006 erinnert, kann ihn unter keinen Umständen nicht gesehen haben, an allen Bühnen wie beim gemeinsamen Tresendienst mit „Mudders“, nicht zu reden von den legendären Discofox-Performances.

Egal, der frischgebackene Rentner hat doch tatsächlich seit Anfang 2026 gelernt, Saxofon zu spielen. (Er darf ja nicht verkalken), das Resultat fleißigen Übens führt er heute eindrucksvoll vor, aber erst muss er noch etwas in Richtung der Band loswerden:

„Mir ist es ganz toll wichtig, dass ich diesen Hut aufhabe. Dieser Hut hat einen großen Grund. Ich ziehe vor diesen (nicht mehr Jungs, sondern) Männern meinen Hut, was sie im Grunde genommen bewegen, mit welcher Art und Weise, wie authentisch sie sind. Und ich ziehe den Hut vor euch, was ihr macht, was ihr leistet, wie ihr miteinander umgeht.“
„… Ihr werdet das Lied nicht erkennen, deswegen habe ich die Flasche von der Feine-Sahne-Tour aus Mexiko mitgebracht. Es ist:
 
TEQUILA!“

Wir haben immer noch uns!

Das große Finale vereint alle Mitwirkenden (Ups, ich hatte Finch und Mauler noch gar nicht erwähnt, sorry!)zum kollektiven Abmallen auf der Bühne, bevor traditionsgemäß mit „Komplett im Arsch“ die letzte Schallwelle an der Platte von Lütten Klein bricht.

Danke für einen positiv „kranken“ Abend!

Ein Kommentar zu “So lange wir leben, so viel wie geht

  1. Avatar von Unbekannt

    Danke Uwe für diese schöne Zusammenfassung. Leider hat ein Aufeinandertreffen mit dir diesmal nicht geklappt. Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben sagte mal einer. Bis demnächst Susan und Silvio

    Ralph unvergessen!!

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