Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Eine Rückrunde zum Verlieben

2 Kommentare

F.C. Hansa Rostock – Hannover 96 0:1, Ostseestadion, 14. Januar 2022, 2. Liga, 19. Spieltag

Es geht doch nichts über einen gelungenen Jahresauftakt. Aber erst mal eine kurze Rückschau:

Die Winterpause (Symbolbild oben) hielt zwei markante Ereignisse bereit:

Hansa hatte 56. Geburtstag (nachträglich auch hier nochmal alles Gute!) und wir standen mal wieder in der Zeitung. Traditionsgemäß ließ sich die Fanszene etwas einfallen, diesmal war es eine Gedenktafel, die nun an der alten Post am Rostocker Neumarkt an die Vereinsgründung in diesem Gebäude erinnert. Die Tafel ist optisch der historischen Gründungsurkunde von 1965 nachempfunden, laut Kommentar der Ostseezeitung „in Frakturschrift“ (was auch immer mit dieser eher unzutreffenden Anmerkung den Leser:innen des Blattes vermittelt werden soll; na ja, wir wissen es ja). Weitere wichtige Inhalte der OZ-Berichterstattung am Tag danach: „… sogenannte … massive Pyrotechnik … bla … verboten … Polizei nicht überrascht, …schaut nur zu … usw.“ Übrigens soll sogar Marteria anwesend gewesen sein (Instagram-Recherche, stark!) Hängen geblieben ist nach der Lektüre der Printausgabe bei mir nur, dass offenbar die Ostseezeitung (Claim: … weil wir hier zu Hause sind) von der Dimension der Fan-Geburtstagsfeier überrascht war. Das finde ich für ein Blatt aus der Hansastadt doch … ähm … überraschend. Aber genug davon, liebe OZ, lasst euch doch einfach akkreditieren, es findet sich bestimmt ein/e geeignete/r Reporter/in.

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Und da war das Trainingslager in Belek. (Meine) wichtigste Erkenntnis: Auch in Südeuropa kann Starkregen zur Unbespielbarkeit von Plätzen führen. Natürlich lässt es sich hinterher trefflich klugscheißen, aber gerade in einer derart kurzen Winterpause möchte ich die Sinnhaftigkeit organisatorisch aufwändiger, reiseintensiver Trainingslager im Süden doch mal grundsätzlich hinterfragen.

Frei nach dem legendären Vokal-Instrumental-Ensemble Possenspiel: Ja, die Ostsee macht was her, es regnet auch am Mittelmeer.

Den Rest der Spielpause verbrachte ich damit, meine diffuse Angst vor neuen Statements aus der FCH-Chefetage (zu welchem Thema auch immer) zu unterdrücken, besonders schlimm wurde es nach dem Zingler-Interview, aber der Kelch ging erst mal an uns vorbei, Glück gehabt.

Nun zum Sport

18. ST: Karlsruher SC – F.C. Hansa 2:2 / 19. ST: F.C. Hansa – Hannover 96 0:1

Eigentlich ist mein Credo, nur über Spiele zu schreiben, die ich im Stadion gesehen habe. Aber als nunmehr staatlich anerkannter Meckerrentner gestatte ich mir doch ein paar Tröpfchen Senf auf die nicht vegane Wurst. (Achtung: raue Sprache!)

In den ersten beiden Rückrundenspielen holt Hansa dank des Remis beim KSC mit einem Punkt zwei Zähler weniger als im Vergleichszeitraum der Hinrunde. Nicht genug, wissen wir ja alle. Als Laie schlage ich einfach mal eine Sofortmaßnahme vor: Vielleicht bietet es sich an, Abschlüsse auf das leere Tor zu üben. Ansonsten fand ich zumindest in der ersten Hälfte den hanseatischen Auftritt gar nicht so übel. Ich finde es nur zu kurz gegriffen, in der Ursachenforschung auf „dem einen Fehler“ herumzureiten, der uns den Punkt kostet. Herrgott, ein gewiefter Angreifer wackelt geschickt mit dem Hintern und der Verteidiger läuft ins Leere. Das gehörte in meiner aktiven Zeit bei den Alten Herren zur Routine (also zu meiner als Verteidiger). Ich will damit sagen, dass Fehler von Gegenspielern essentielle Voraussetzung für das Erzielen von Toren sind, also Kopf hoch, Nikki in die Hose und drauf auf den Gegner. Die haben doch selber Schiss.

Am besten probiert ihr das gleich mal am Mittwoch im Pokal gegen #themwhoshallnotbenamed (ihr wisst schon wer) aus. Was soll schon passieren?

Apropos „Analyse“:Möchte vielleicht ein hippes Startup meine „Analysen“ hier präsentieren? Ich schaffe es bestimmt, den Firmennamen auf fünf Zeilen häufiger zu nennen als ein gewisser TV-Rechteinhaber in 5 Minuten.)

Wie nun weiter?

In den vor uns liegenden Heimspielen kreuzen wir mit sämtlichen Nordclubs im Ostseestadion die Klingen. Ich wage die Prognose, dass wir am Saisonende mit Tränen der Rührung auf folgenden Moment für die Ewigkeit zurückblicken:

Es ist der langersehnte Tag der Rückkehr eines früheren Publikumslieblings in das Ostseestadion. Die im Mittelfeld hart umkämpfte Partie schleppt sich mühsam dem Abpfiff entgegen, Strafraumszenen sind Mangelware, von Toren ganz zu schweigen. In der 5. Minute der Nachspielzeit sprintet der „Heimkehrer“ in einen missglückten Kieler Rückpass und überwindet mit unhaltbarem Vollspannstoß in den rechten oberen Winkel seinen eigenen Torwart, der zu spät herausläuft. Aus Respekt für seinen derzeitigen „Arbeitgeber“ verzichtet Fin danach trotz seiner technischen Meisterleistung auf jede Andeutung von Torjubel. Später wird er im TV-Interview verraten: „Man muss auch mal etwas zurückgeben.“ Wer da nicht weinen muss, hat den Fußball nie geliebt. Ein Hansa-Aufsichtsrat drückt Fin später im Stadiontunnel verstohlen vier Freikarten für die nächste Tunnelparty in die Hand.

Mehr möchte ich heute über die Rückrunde nicht verraten, vielleicht nur so viel: Wenn wir nach dem Spiel gegen den HSV im Mai den Ligaerhalt feiern können, gibt es flambierte Erdbeeren, auch für die Hamburger, die ja das Gleiche zu feiern haben.

Also los, Hansa, Kämpfen und Siegen!

2 Kommentare zu “Eine Rückrunde zum Verlieben

  1. Wie immer sehr gut geschrieben, unterhaltsam und amüsant. Vielen Dank für due tollen Zeilen, Uwe
    Blau-weiße Grüße
    Thomas

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