Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Die richtige Seite der Bundesstraße

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Hopping-Impressionen, erster Versuch

Das nächste Hansa-Spiel am 10.09. in Düsseldorf findet ohne meine Anwesenheit statt, also habe ich mal ein bisschen Zeit, meine Notizen und Bilder vom Hoppen durchzusehen. Im gerade zu Ende gehenden Sommer 2022 war ich erfreulicher Weise wieder etwas mehr unterwegs und konnte neue Eindrücke sammeln, keine bahnbrechenden Neuigkeiten, aber alles in allem kleine Begebenheiten, die einem im Schatten des allgegenwärtigen „modernen Fußballs“ helfen, die Freude am Spiel und am Herumreisen zu bewahren. Als kleinen „Testballon“ habe ich mal ein paar Sätze zusammengeschrieben, vielleicht gefällt das ja der/dem einen oder anderen. Sollte das so sein, könnte da in loser Folge immer mal mehr kommen. Ich sehe ja an den Seitenaufrufen, ob sich das vielleicht lohnt. Schauen wir mal.

Ein „richtiger“ Groundhopper bin ich nicht, dazu bin ich viel zu wenig unterwegs. Mir fehlt die (motorisierte) Mobilität und Flexibilität, so dass ich auf Mitfahrgelegenheiten im Freundeskreis angewiesen bin. Die ergeben sich zum Glück regelmäßig und wenn es nicht zu zeitaufwändig ist oder mich zu sehr anstrengt, schließe ich mich gern an. Deshalb erst mal ein großes Dankeschön an alle, die mich immer wieder mitnehmen und oft sogar Umwege in Kauf nehmen, um mich zu Hause abzuholen und auch wieder abzuliefern. Das betrifft auch Fahrten zu Konzerten, um die es heute nicht gehen soll, aber die Gelegenheit , mich zu bedanken, ist günstig:

Danke, Ille, Mandy & Atze, Knödel, Tanja & Eike, Tino, Basti R., Basti K. und Sibbi und viele andere, die ich beim nächsten Mal erwähne.

Wir waren unterwegs auf Plätzen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Eine Erfahrung ist bisher überall die gleiche, je „kleiner“ der Verein, umso stärker ausgeprägt, und das sind die neugierigen, prüfenden Blicke, direkt oder aus den Augenwinkeln: Wer sind die denn? Wenn die Neugier erst mal gestillt ist, folgt die bewährte Mischung aus Freude und Erstaunen: Waaas, ihr kommt jetzt extra für dieses Spiel hierher? Ja, klar. Fußball, oder was?

 

Ich habe für diesen ersten Versuch mal drei Spiele ausgewählt.

08.07.22 Sportplatz Sülte

SV Sülte – SV Sukow 1:3 (Testspiel)

Wie das Spiel war, habe ich längst vergessen, neben dem Platz war es sowieso viel interessanter. Auf der Terrasse vor dem kleinen Vereinsheim, bei Bocker, Bier und Brause, im Schatten und mit Blick auf das Spiel, wenn auch leicht geblendet von der langsam über dem Acker hinter dem gegenüberliegenden Tor abtauchenden Sonne tauschten die Einheimischen ihre Jugenderinnerungen an Dorfdisco-Besuche seit den 1960er Jahren aus. Ihr kennt das ja: Opa erzählt vom Krieg. Bemerkenswert ist die alte Regel für das Zusammenfinden der richtigen Tanzpaare: Für einen friedlichen Ausklang der Tanzveranstaltung war immer wichtig (und ist es noch heute): Kommen beide von der gleichen Seite der B 106?

Und dann ist da noch DAS optische Highlight des Ausfluges: Ich kann nur spekulieren, aber kennt jemand einen vergleichbaren Sportplatz mit einem so großartigen Drehkreuz (siehe „Diashow“ unten)? Kann ein solches Teil noch mehr fehl am Platz und zugleich doch atmosphärisch sein?

22.07.22 Sportplatz Pritzier

SV Pritzier-Schwechow – SV Warsow 3:7 (Testspiel)

Eh, Schiri, hast du die Karten vergessen?! Wer kennt ihn nicht, diesen beliebten Spruch, nicht nur im Amateurfußball? Tja, heute ist das tatsächlich der Fall. Im Liveticker zum Spiel bei fussball.de liest sich das so:

Fazit: Jede Menge Tore, ordentlich Zündstoff auf dem Platz, und dabei nicht mal eine „Rudelbildung“. Am Ende hatten alle Spaß, und das zählt doch.

Stichwort Spaß: Die Gastgeber haben einen „Fanbeauftragten“, der sich um die Bierversorgung kümmert. More goes not.

03.09.22 Ernst-Thälmann-Stadion Wittenberge

FSV Veritas Wittenberge/Breese – TSG Einheit Bernau 1:3 (Landespokal Brandenburg)

Erst mal freue ich mich über den Stadionnamen, der im Gegensatz zum heimischen Verein ohne mehrfache Umbenennungen die letzten 30 Jahre überdauert hat. Respekt! Mein lieber Begleiter ist tatsächlich jung genug, nicht zu wissen, wer Ernst Thälmann war, und spekuliert: „so ein Dichter oder so?“ Ich nicke erfreut. Wer kennt nicht den berühmten Westprignitzer Heimatpoeten, den alle liebevoll „Teddy“ nannten? Natürlich kläre ich den Irrtum auf, bevor wir an einer Gedenkbüste vorbei, die erstaunlicher Weise ebenfalls die Zeit überlebt hat, hineingehen.

Wir finden eine sehr gut gepflegte Sportstätte mit Tartanbahn und weiteren Leichtathletikanlagen vor. Auf den großzügig dimensionierten Rängen zerstreuen sich 150 Zuschauer, es gibt sogar eine kleine Supportergruppe mit dem schönen Namen „Elbmafia“, die alles hat, was dazu gehört: Zaunfahne, Schwenker, Trommel, Sangeslust und sogar einen „Capo“ mit Megaphon. Beim Einlaufen der Mannschaften wird ein Banner präsentiert, das leise Hoffnung auf optische Höhepunkte weckt: „Mit Volldampf in die Pokalsaison“ Den gibt es erst nach dem Spiel, nur sind wir da leider schon draußen. Vom Auto aus sehen wir eine schicke Rauchwolke abziehen und wissen nun: Man kann auch nach Abpfiff noch zu früh gehen. Es ist aber ein cleverer Move der Elbmafia: Was nach Abpfiff passiert, steht nicht im Spielbericht des Schiedsrichters.

Video-Quelle: Knödel on Tour (YouTube)

Während des Spiels supporten die „Elbmafiosi“ tapfer ihr Team, das den starken Bernauern lange Zeit nur wenig entgegenzusetzen hat. Schon nach 10 Minuten steht es 0:2. Mit „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ kommt bald ein ewig nicht gehörter Kurvenklassiker zu Gehör. Einfach herrlich, auch wenn das dem wacker kämpfenden Heimteam nicht gerecht wird.  

In Hälfte zwei kämpft sich Chemie/Motor (einer der vielen früheren Vereinsnamen von Veritas) gut ins Spiel zurück, steckt auch das schnelle 0:3 weg, ist dann aber am Drücker. Nur das 1:3 (89.) fällt zu spät, um das Spiel vielleicht noch zu drehen. Dann eben im nächsten Jahr, mit Volldampf von Anfang an.

Ein Tipp noch für Reisende: Im Stadion gibt es leckere Waffeln mit Puderzucker. Unbedingt probieren!

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

In der Nacht werde ich wach, weil mir im Traum Ernst Thälmann erscheint. Seitdem beschäftigt mich die Frage: War Teddy Fußballfan? Und wenn ja, ging er als Hamburger Hafenarbeiter eigentlich ans Millerntor? Damit beschäftigen wir uns irgendwann. Ich glaube, ich weiß schon, wen ich fragen könnte.

2 Kommentare zu “Die richtige Seite der Bundesstraße

  1. Pingback: Lage am Millerntor - 12. September 2022 - MillernTon

  2. Ich mag das Drehkreuzfoto wirklich gerne. Und ja, ich würde es nutzen und nicht drumrum gehen 🙂

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