Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Auswärtsspiele

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Kann man besser in den Sommer starten als mit einem Open Air? Kurzfristig hat sich ein freier Gästelistenplatz für das ausverkaufte Konzert der Toten Hosen in Dresden ergeben, und wenn dann eine der Supportbands auch noch Feine Sahne Fischfilet heißt, steigt man schon mal spontan ins Auto.

Dynamo Dresden U15 – F.C. Hansa Rostock U15 1:2, Sportpark Ostra, 2. Juni 2018

12 Uhr mittags erreiche ich das erste Etappenziel. Im Sportpark Ostra trifft die U15 des F.C. Hansa auf ihre Altersgenossen der SG Dynamo Dresden. Als ich eintreffe, steht es bereits 1:0 für die Gastgeber, das Spiel geht aber am Ende mit 2:1 an die Jungs von der Küste. Da muss man erst der C-Jugend hinterherfahren, um mal drei Punkte an der Elbe abzugreifen. Ich nehme das gern als Vorgriff auf eine strahlende Zukunft, die vor unserem Verein liegt.

Etwas überrascht bin ich von der körperlichen Überlegenheit der angehenden Männer aus dem Norden. Ob das nur am Leben in rauer Seeluft liegt oder die Dynamos ein paar mehr Spieler des jüngeren Jahrgangs dieser Altersklasse am Start haben, kann ich nicht einschätzen. Dennoch ist es nach dem Spielverlauf schon ein verdientes Ergebnis. Am Ende darf ich sogar mit den Jungs abklatschen, dafür muss ich nicht mal auf den nicht vorhandenen Zaun klettern. Es hat also auch Vorzüge, als Uraltra unterwegs zu sein.

Das eigentliche Highlight der Veranstaltung ist jedoch ein etwa 15köpfiger, sehr aktiver Ultra-Block, der die Schwarz-Gelben während des gesamten Spiels lautstark und ausdauernd unterstützt. Siebzig Minuten Dauergesang ohne Ausfall, dazu Trommeln, Zaun- und Schwenkfahnen, Schals – es fehlt an nichts, was einen anständigen Supportblock ausmacht. Die gesungenen Lieder bekommt man im Stadion eher selten zu hören, es sind durchweg eigene Kreationen, in denen die Fans die Liebe zu ihrer SGD beschwören.

Besonders bemerkenswert – es gibt seitens „Solo Ultra“ (so heißt die Gruppe, wie ich später am Tage aus berufenem Munde erfahre) keinerlei Diss gegen den Gastverein, ich bin mir nicht sicher, ob das bei uns auch so liefe, gerade bei einem Gegner, mit dem nun nicht gerade eine „Fanfreundschaft“ besteht. Ansonsten ist das Repertoire bei drei bis vier Liedern nicht sehr abwechslungsreich, dafür verlasse ich den Sportpark mit einem Ohrwurm: „Jenny, Jenny, dreams are ten a penny …“ Wenn ihr das auf Deutsch hören wollt, besucht ruhig mal ein Nachwuchsspiel in Dresden.

 

 

Eine halbe Stunde vor der zugesagten Bereitstellungszeit treffe ich in meinem Hotel ein, das Zimmer ist erfreulicherweise schon fertig, so dass einem reibungslosen Ablauf des Konzertnachmittags und –abends nichts im Wege steht. Der Weg zum Stadion ist mit knapp sechs Kilometern für einen Fußmarsch bei 25 Grad Lufttemperatur unter Berücksichtigung meines hohen Alters unangemessen weit, daher greife ich auf öffentliche Verkehrsmittel zurück. Dazu informiere ich mich mit dem DB-Navigator, einer Smartphone-App, die in solchen Fällen gewöhnlich erstklassige Dienste leistet. Heute ist das nicht ganz so. Ich muss ein Stück mit dem Bus fahren und dann in die Straßenbahn umsteigen. Im Bus werde ich nach drei Stationen unruhig, da zwar die Liniennummer stimmt und der Bus auch zur richtigen Endstation fährt, aber irgendwie heißen die Stationen anders als angekündigt.

Ich steige vorsichtshalber aus und frage eine an der Haltestelle wartende Frau nach dem Weg: „Muss ich Richtung Striesen hier in den Bus einsteigen oder auf der anderen Straßenseite?“ Die Bürgerin ist gerade schwer damit beschäftigt, sich eine Kippe anzustecken und wirkt nicht erfreut über die Belästigung. „Sie müssen mir schon sagen, wo Sie hinwollen!“ In Thüringen aufgewachsen und während meines „Ehrendienstes“ in den 1980ern auch noch ein Jahr am Flugplatz Klotzsche eingesetzt, habe ich mit der Mundart der Eingeborenen natürlich keinerlei Probleme. „Zum Konzert? Da vorne an der Kreuzung fährt die ‚Zehn‘, an der Haltestelle ‚Georg-Arnhold-Bad‘ steigen Sie aus, das ist direkt neben dem Stadion.“ Ein kurzer, skeptischer Blick noch, dann wendet sie sich wieder ihrer Zigarette zu. Ich höre auf die Frau – eine gute Entscheidung.

Die Toten Hosen – Laune der NaTour

Dresden, „DDV Stadion“, 2. Juni 2018

Als ich an der Stadionkasse eintreffe, um meine hinterlegte Eintrittskarte abzuholen, laufe ich als erstes Monchi in die Arme, bei dem ich mich gleich für den Zutritt zum ausverkauften Event bedanken kann. Er ist es auch, der mich über „Solo Ultra“ aufklärt, so dass ich den Aufenthalt in Dresden neben dem Konzerterlebnis auch noch als Bildungsreise verbuchen kann. Ich will ihm einen Aufkleber der Hansafans Schwerin übergeben, falls er „zufällig“ hinter der Bühne am Capo-Podest des K-Blocks vorbeikommen sollte, aber wir verwerfen diesen Plan, noch bevor er sich richtig entwickeln kann, das gebietet schon der Respekt vor der heimischen Fanszene. Andererseits – „Lehmi“ hat sich ja auch schon im Magdeburger Heinz-Krügel-Stadion feiern lassen, so what?

Ein paar Minuten später, in denen der ehemalige Fußballer Jens Jeremies an mir vorübergeht (das wäre mal was, wenn der als Gast zum „Bayern“-Lied auf die Bühne käme), treffe ich dann Emma und Tomas, mit denen ich gemeinsam den Abend verbringen werde und wir begeben uns in den Innenraum. Der Einlass ist hervorragend organisiert, ohne anstehen zu müssen, passieren wir die „Vereinzelungsanlage“, nur Emma wird ein bisschen intensiver kontrolliert – wahrscheinlich sieht sie von uns dreien am unverdächtigsten aus, was sie wiederum verdächtig macht. Wisst ihr ja selbst. Wir sind zeitig genug drin, um sogar noch in den Front-of-Stage-Bereich zu gelangen, für den es übrigens (und das darf sich gern mal unter anderen Künstlern herumsprechen!) keine gesonderten Tickets mit astronomischem Preisaufschlag gibt. Chapeau an Band und Veranstalter!

Wir suchen uns ein paar Plätze an der rückwärtigen Absperrung, rechts von der Bühnenmitte, so dass wir einen der großen Bildschirme genau vor uns haben. Perfekte Sicht, ein guter Sound und vor allem relativ unbedrängtes Stehen lassen einen entspannten Konzertabend erwarten. Von mir aus kann es losgehen.

Lange warten müssen wir tatsächlich nicht, denn pünktlich halb sechs beginnt das Programm, DTH-Bassist Andi kündigt die erste Band an: Schmutzki aus Stuttgart, eine Band, von der wir zuvor (wieder einmal) noch nie etwas gehört hatten. Damit sind wir in unserem unmittelbaren Unkreis allerdings klar in der Unterzahl, die Begeisterung ist groß, die Lieder werden lautstark mitgesungen. Auf mich persönlich wirkt die Musik etwas überdreht, 30 Minuten Vollgas, ohne Gelegenheit durchzuatmen und das Wort- und Tongewitter auch mal sacken zu lassen. Vielleicht ist das ja wirklich eine Altersfrage.

 

 

Als zweiter Programmpunkt sind Feine Sahne Fischfilet dran. Die Band hat 35 Minuten Zeit, das ist nicht wirklich viel und reicht gerade mal für sieben Lieder, gar nicht so einfach, eine Auswahl zu treffen. Die Jungs gehen auf Nummer Sicher und entscheiden sich für eine Mischung aus Party- und Heimatliedern. Heimatlieder gehen, wie man weiß, in Sachsen immer. … Kleiner Scherz. 🙂

Es wird ein triumphaler Auftritt, mit den bekannten Klassikern der „antifaschistischen Bierzeltmucke“ strebt die Stimmung im weiten Rund sekundenschnell in Richtung Siedepunkt. Monchi schüttelt zwischen den Songs immer wieder ungläubig den Kopf über das ekstatische Publikum. Es ist für ihn ja in mehrfacher Hinsicht bizarr: Eigentlich ist es ja „nur“ ein Supportauftritt, aber wenn dann mehr als 25000 Besucher, die ja hauptsächlich gekommen sind, um eine andere Band zu sehen, schon bei den „Anheizern“ derartig durchdrehen, ist das schon eine Hausnummer. Und nicht zuletzt ist da noch der ganz besondere Veranstaltungsort – ein Fußballstadion, auf dessen Rasen Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahren nicht allzuviel zu lachen hatten. Und heute steht da oben ein „Ostseekasper“ mit seinen Freunden und wird frenetisch gefeiert. Auswärtssieg!

Als wir uns später beim Feine-Sahne-Merch treffen, stellt Monchi die übliche Frage: „Wie fandest du es?“ und schiebt gleich hinterher: „Du kannst ruhig sagen, wenn es Scheiße war.“ Ich bin ja mit solchen Fragen unmittelbar nach einem Konzert meist überfordert, also einigen wir uns: „Heute war es nicht Scheiße.“

 

 

Nachdem ich das Konzert in Schwerin Ende 2017 leider versäumt hatte, freue ich mich, die Broilers mal wieder live zu sehen. Die Band liefert solide ab, wobei mir zumindest ein Song fehlt: „Paul!“, eigentlich ein Muss mit dem K-Block im Rücken. Beeindruckend ist „Ihr da oben“ mit von Fans eingesandten Fotos lieber Menschen, die nicht mehr unter uns weilen, auf dem Bildschirm.

 

 

Und schließlich die Toten Hosen, für meinen Freund und Hosen-Edelfan P. in Rostock die wichtigste Information gleich zu Beginn: Kein „Wort zum Sonntag“.

Ein gut gelaunter Campino bringt das sächsische Blut gleich zu Beginn anständig in Wallung, indem er an den Fortuna-Sieg vor wenigen Wochen hier im Stadion erinnert, der den Aufstieg in die Bundesliga sicherte. Und wie sein Verein sei auch er nun gekommen, um drei Punkte mitzunehmen. Denn es ist nur ein Auswärtsspiel.

Sprüche über den heiligen Rasen bekommt das Publikum heute abend noch öfter zu hören, aber natürlich vergisst Campino nicht, seine heutigen Gäste mit kleinen Sticheleien gegen andere Publikums/Publikümer/Publiken … wie auch immer … bei Laune zu halten, und sei es nur ein Lautstärkevergleich mit Leipzig oder der Wetterbericht von Rock am Ring. Spätestens beim „Bayern“-Lied herrscht einträchtige Harmonie allerorten. Später widmet er den „Wannsee“-Schlager dem benachbarten „Georg-Arnhold-Bad“, das Medienberichten zufolge eine wichtige Rolle bei der Konzertnachbereitung spielt.

Es ist ein mitreißendes Konzert mit großartiger Atmosphäre, die Mischung neuer und alter Songs passt. Großartig auch die Beiträge des Gorbatschow-Quartetts, die sogar mit einem kurzen Anspiel von Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ zu begeistern wissen, später bei den Zugaben überrascht Geiger Alex mit einer sehr bonscottesken Darbietung von „T.N.T.“.

 

 

Am Sonntagmorgen werde ich um halb neun geweckt, ein paar Fetzen aus einem nächtlichen Traum, in dem ich mit Campino und Jens Jeremies auf Hansa angestoßen habe, geistern durch mein Gehirn. Ich werde wohl langsam alt und schrullig. Die Hosen sind jedenfalls immer noch eine überragende Liveband, mit einem Besuch ihrer Konzerte kann man nichts falsch machen, ich freue mich auf das Tourfinale im Oktober in Düsseldorf.

Setlist Feine Sahne Fischfilet

Zurück in unserer Stadt *Alles auf Rausch * Geschichten aus Jarmen * Niemand wie ihr * Warten auf das Meer * Zuhause * Komplett im Arsch

Setlist Die Toten Hosen

Auswärtsspiel * Liebesspieler * Laune der Natur * Niemals einer Meinung * Alles mit nach Hause * Liebeslied * Das ist der Moment * Bonnie & Clyde * Altes Fieber * Unsterblich * Sascha * Paradies * Pushed Again * Unter den Wolken * Bayern* Alles aus Liebe * Wannsee * Wünsch dir was * Hier kommt Alex * Freunde

Opel-Gang * WIe viele Jahre (Hasta muerte) * Du lebst nur einmal * Bis zum bitteren Ende

Alles passiert * T.N.T. * Zehn kleine Jägermeister * Schönen Gruß, auf Wiedersehen

All die ganzen Jahre * Verschwende deine Zeit * Tage wie diese * You‘ll Never Walk Alone

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